Entwicklungshilfe Von Afrika lernen - geht das?
Wir im Norden wissen viel zu wenig über afrikanische Wege und Lösungen. Wir müssen lernen, den Kontinent als eigenständigen Akteur zu verstehen und zu respektieren.
Ich habe viel gelernt von der Privatisierung der Cashewnuss. Es war im Jahr 2001 in Mosambik. Ich kam als Direktor des IWF und wollte mit dem damaligen mosambikanischen Präsidenten Chissano über die Privatisierung der Cashewnuss-Produktion sprechen. Doch das Gespräch verlief anders als erwartet. Chissano nahm sich Zeit für mich. Er erklärte mir sein Land. Er machte mir geduldig klar, dass dem Plan meiner Experten eine wichtige Grundlage fehlte: In Mosambik, so sagte er, gebe es nur begrenzt individuelle Eigentumsrechte an Grund und Boden. In seinem Land gehöre das Land der Gemeinschaft, und diese Form des gemeinschaftlichen Eigentums an Land sei tief in der Kultur verwurzelt. Sie könne nicht einfach übergangen werden.
Als das Gespräch zum Ende kam, hatte ich den Eindruck, wir hatten beide voneinander gelernt. Chissano war sich im Klaren darüber, dass die Cashewnuss-Produktion in seinem Land unwirtschaftlich war und den Staatshaushalt belastete. Mir war bewusst geworden, dass die Privatisierung der Staatsbetriebe in Mosambik nicht einfach an einem grünen Tisch in Washington beschlossen werden kann. Mir dämmerte: Wir im Norden wissen viel zu wenig über afrikanische Wege und afrikanische Lösungen. Auf der Suche nach diesen Lösungen können wir hilfreich sein. Aber nur dann, wenn wir aufhören, Afrika als Objekt oder als Projektionsfläche zu sehen. Wir müssen lernen, Afrika als eigenständigen Akteur aus eigenem Recht, mit eigener Erfahrung zu verstehen und zu respektieren.
Die Zeiten, in denen wir europäische Entwicklungsvorstellungen einfach auf Afrika übertragen haben, ohne auf die besonderen Umstände vor Ort zu achten, sind vorbei. Bis heute kämpfen viele afrikanische Länder damit, dass die aus Europa übernommene Idee des Nationalstaats sich nur schwer mit den Realitäten ihrer durch eine Vielzahl von Völkern und Sprachen gekennzeichneten Gesellschaften in Einklang bringen lässt. Die Frage, wie das Zusammenleben verschiedener Gruppen friedlich gestaltet werden kann und was unter solchen Umständen ein Gemeinwesen zusammenhält, muss aus den afrikanischen Gesellschaften heraus beantwortet werden.
Natürlich werden bei der Gestaltung eines solch komplizierten Prozesses auch Fehler gemacht. Haben wir schon vergessen, dass Europa Jahrhunderte brauchte, um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu entwickeln? Und sind wir glaubwürdig, wenn wir duldsam mit autoritären afrikanischen Präsidenten umgehen, damit wir im Gegenzug Rohstoffverträge abschließen können?
In Afrika liegt noch vieles im Argen. Armut, Korruption und Misswirtschaft sind groß. Dies zu ändern liegt in der Hauptverantwortung der Afrikaner. Aber der Norden hatte und hat bis heute Mitschuld an den Verhältnissen. Noch immer wissen wir zu wenig voneinander. Wir sollten aber auch anerkennen, dass Afrika im Aufbruch ist. Dafür gibt es genug Beispiele. Vielleicht haben uns Afrikaner in manchem sogar etwas voraus. Sie mussten sich immer wieder mit anderen Kulturen auseinandersetzen und neu anpassen. Althergebrachtes wurde infrage gestellt oder sogar zerstört, Neues entstand. Und die Menschen haben trotzdem nach vorn geschaut und das Beste daraus gemacht. Dazu gehören Mut und Selbstbehauptungswillen. Der junge Parlamentarier Zitto Kabwe aus Tansania hat mir einmal gesagt, dass wir Deutschen von Afrikanern zum Beispiel lernen können, wie man Solidarität in der Gemeinschaft pflegt und sich auf Neues einstellt.
Und bei meinen Begegnungen mit Vertretern der afrikanischen Zivilgesellschaft hat mich sehr beeindruckt, dass die Menschen trotz vieler Rückschläge an der Idee der Demokratie festhalten. Aber das Ergebnis wird keine Kopie des westlichen Modells sein, sondern eine Demokratie mit afrikanischem Gesicht.
Heute leben die meisten Menschen in Afrika mit mehreren Sprachen, Identitäten und kulturellen Welten. Sie vereinbaren Traditionen und moderne Einflüsse in ihrem Alltag. Und sie nutzen diese Vielfalt mit Flexibilität, Ideenreichtum und Optimismus. Junge Afrikaner sprechen oft nicht nur eine oder mehrere europäische, sondern auch verschiedene afrikanische Sprachen. Sie benutzen traditionelle Rituale genauso selbstverständlich wie ihr Mobiltelefon.
- Datum 23.12.2009 - 09:25 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.12.2009 Nr. 53
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...gutmenschlich sprudelnde Rede tut immer gut am Vormittag. Solches Zeug lese ich seit meinem Studium mit Nebenfach Entwicklungsökonomie. Da ist nichts Neues...
Andererseits: Seit Jahrzehnten war inoffiziel Süd Amerika Einflußsphäre der USA und Afrika die Europas. Man kann zu Einflußsphären stehen wie man will. Es gab sie und Afrika ist das Resultat.
Vielleicht haben zu viele Wichtige Menschen sich immerzu gefragt: "Warum hat die Europäische Union nicht längst – mit deutscher Unterstützung – ein afrikanisch-europäisches Jugendwerk auf die Beine gestellt?"
statt das Jugendwerk selbst auf die Beine zu stellen? Immerhin war der Schreiber immer wieder und selbst in der Position dies zu tun.
Im Gegensatz zur im Notenblatt vorgegebenen Musik,
lebt der Jazz ganz in der Improvisation.Oft wird in
harmonischer Blick-Absprache das Thema einfach von Musik-
instrument zu Musikinstrument weitergegeben und beginnt
dann wunderbar zu swingen.
Die Entwicklung des Jazz ist eine Begegnung des Christentums
mit der Afrikanischen Kultur.Viele Juden haben wunderbar
zur Weiterentwicklung des Jazz beigetragen.
Wie könnte diese Musik auf die derzeitige Realität übertragen
aussehen? Nicht ein oder viele Dirigenten geben die
Richtung vor, in die sich die Masse zu entwickeln hat,
sondern der Prozess entwickelt sich zwischen Menschen,
die einander zuhören.Die bereit sind voneinander zu lernen.
Wie hätte so etwas z.B in Dänemark bei der Klimakonferenz in
Kopenhagen aussehen können?
Man könnte in diesem Geist der Begegnung monatelang
Arbeitsgruppen arbeiten lassen können ,die ihre Ideen
zusammen entwickeln und dann,so wie eben der Linux Kernel,
(Ubuntu ist ein Linux System)an dem auch viele unetgeltlich mitentwickeln,ein sehr gutes Projekt bilden.
Wie erwähnt,der passive Widerstand,als Mittel gegen die Gewalt,
der eine Begegnung zwischen indischer Kultur und westlicher
Kultur ist geht auch in diese Richtung.
Doch ein"law und order"Regime dort,hat NGOs in Dänemark
behindert und hat die Fähigkeit des Hörens auf z.B Afrika nicht
entwickelt.Frauen können das meist besser und vor allem
Frauen die mehrere Kulturen erlebt haben.Darum war Rice,
die Musikerin eine so gute Aussenministerin.
Es gibt ein Projekt mit diesem Namen, das vom Bundespräsidenten Horst Köhler initiert wurde und von der ZEIT-Stiftung mitgetragen wird. Ich war kürzlich mit meiner Frau in KENIA und war von diesem Land beeindruckt. Wir kamen auch ins Gespräch mit Kenianern, die uns von den paradiesischen Zeiten erzählten, als der Tourismus in KENIA noch boomte. Da ich seit Jahren Reisevorträge halte, habe ich versprochen, unsere Eindrücke (Safari im Tsavo East National Park, Diani Beach, Massai village usw.) im Rahmen von "Beamer Präsentationen" in Deutschland weiterzugeben (und so neue Interessenten für KENIA zu gewinnen). Darüber informierte ich auch den Herrn Bundespräsidenten. Leider sind die Bemühungen mit dem Bundespräsidialamt eine Einweg-Kommunikation - Antworten darf man nicht erwarten (auch nicht in Zusammenhang mit dem weltbekannten Judenretter OSKAR SCHINDLER und dem "Amoklauf von Winnenden").
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
www.twitter.com/klmmetzger
www.talker.co.il/klmmetzger
Von Ubuntu zu schwärmen ist der Pathos der Panafrikanisten und Traditionalisten in Afrika.
Was findet aber statt dort, gerade in traditionellen Gebieten? Dass die Familie als Bezugspunkt versagt und noch dem Einzelnen die Solidarität versagt, wenn dieser nur der Hexerei beschuldigt wird oder nicht an irgendwelchen Initiationsritualen partizipiert.
Die afrikanischen Gesellschaften sind so reaktionär, totalitär, spießig und intolerant wie die bayrische - nur dass sie weniger Geld haben, um das zu vertünchen. Wer hier als Einzelner herausragt, wird entweder vergöttert oder fertig gemacht. Die Ausnahmen bestätigen nur die Regel und darin liegt auch ein Grund, dass so viele die Flucht aus diesem Afrika versuchen, indem sie nach USA oder Europa heiraten oder fliehen, komme was wolle. Die Ewiggestrigen versuchen diese Widersprüche auf den Einfluss des Kolonialismus zu schieben, der eine vormals heile Welt zertrümmert hätte. Dadurch kann man sich dann bequem in Schuld wälzen und schwören, nie wieder etwas gegen das Äußerste zu tun, weil das arrogant wäre.
Das Gemeineigentum an Boden ist mit eine der Hauptursachen für Landfehlnutzung. Mit Macheten werden die Bäume auf halber Höhe abgehackt oder verbrannt, anstatt sie zu verkohlen, Terrassen wird niemand anlegen, der das Land ohnehin nur 2 Jahre nutzt und dann weiterzieht, die Qualität des Bodens nimmt mit Erosion und Deflation weiter ab. Anstatt Gemeineigentum in eine adäquate Form der arbeitsteiligen Kooperative entsprechend den Kibbuzim weiterzuentwickeln, ist es auf dem derzeitigen Stand doch nur Ausdruck des vereinzelten Bemühens, durch eine Autorität hindurch zu überleben - gegen die anderen, nicht mit ihnen. Wer den Chief ausreichend besticht, bekommt ein Stück Land. Das wird dann vernutzt und nichts wird investiert. Und gerade dieses System macht es auch Großkonzernen recht leicht, von einem lokalen Patriarchen ein paar tausend Hektar Wald abzukaufen, zu roden und Gummiplantagen anzulegen. Der leitet ein paar Almosen weiter an seine Dörfer und baut sich eine schicke Villa. Ein paar Arbeiter werden angestellt und alle sind zufrieden. Bis dann das Wasser vor Insektiziden stinkt und die überdüngten Gewässer keine Fische mehr tragen.
Man fragt sich also, warum eine sinnvolle Überführung von Gemeineigentum in ein produktives Surrogat scheitert. Weil es nie Gemeineigentum war sondern das des Chiefs und eine entsprechende Idee der gegenseitigen Solidarität nicht besteht - die "Gemeinschaft" wird durch (spirituelle) Ängste, Kriege und Zwang hergestellt.
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