Vor ein paar Jahren war die Wohnzimmerwelt noch in Ordnung. Über den Fernseher flimmerten Fernsehsendungen. Der Videorekorder spielte Videos ab. Und wer mal was im Internet nachschauen wollte, stand auf und setzte sich an den Rechner im Arbeitszimmer.

Heute ist alles durcheinander. Der Computer fungiert als Ersatzfernseher und videorekorder, er empfängt Radiostationen und macht Musik. Gleichzeitig wird der Fernseher immer mehr zum Computer. So gut wie alle großen Hersteller haben mittlerweile TV-Geräte im Angebot, mit denen man im Internet herumstöbern kann. Jedes Unternehmen verfolgt dabei seine eigene, begrenzte Strategie. Nicht wirklich zum Nutzen der Zuschauer: »Richtig kundenfreundlich und tauglich für den Massenmarkt ist das alles noch nicht«, kritisiert Klaus Merkel vom Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT). Merkels Team arbeitet an einem Standard, der bald Ordnung in die vernetzte Fernsehlandschaft bringen soll.

Noch herrscht dort das reine Chaos – und das fängt mit den Namen an: Bei Philips hört das Fernseh-Internet auf den Namen Net TV, Samsung nennt sein Angebot Internet@TV, Panasonic spricht von Viera Cast, Sony hat sich das Kunstwort AppliCast ausgedacht. Viel schlimmer noch ist, dass sich die Technik, die dabei zum Einsatz kommt, von Gerät zu Gerät unterscheidet. Allen gemein ist lediglich, dass sie mit sogenannten Widgets arbeiten – kleinen, speziell für den Fernseher programmierten Anwendungen, die entweder über das laufende Bild gelegt oder über eine Art Portal aufgerufen werden können.

Diese Progrämmchen erlauben es, Filme von der Videoplattform YouTube anzuschauen oder bei eBay die Weihnachtsgeschenke zu ersteigern. Sie bieten Zugriff aufs Archiv der Tagesschau, sie liefern aktuelle Sportnachrichten, Börsenkurse oder den Wetterbericht.

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Allerdings landet nur das auf dem Fernseher, was dessen Produzent will: Alle Anwendungen müssen extra für die Geräte programmiert werden. Hat ein Hersteller zum Beispiel keine Vereinbarung mit dem ZDF abgeschlossen, bleibt die ZDF-Mediathek unerreichbar. Die Zuschauer schauen in die Röhre. »Der Kunde interessiert sich aber primär für Inhalte«, sagt Merkel. »Und er schätzt es gar nicht, bestimmte Angebote nur auf bestimmten Geräten nutzen zu können.«

Ein echter Internetzugang sieht anders aus. Am nächsten kommt dem Philips: Das Net TV der Niederländer kann jede beliebige Webseite anzeigen. Die Adresse muss allerdings mühsam mit der Fernbedienung eingegeben werden – entweder wie beim SMS-Schreiben oder über eine virtuelle Bildschirmtastatur, deren Buchstaben mit den Cursortasten angesteuert werden. Ist das geschafft, folgt eine große Enttäuschung: Die Internetseiten sehen genauso aus wie am Computer, und das bedeutet, dass sie für den Fernseher untauglich sind. Die Schrift ist zu klein, um vom Sofa aus entziffert zu werden. Die Navigation ist ohne Maus extrem umständlich. Und der Aufbau der Seiten dauert noch länger als bei den ohnehin trägen Widgets.