Das Fingerfußballspiel Tipp-Kick stammt aus dem Schwarzwald. Seit 1924 stellt es die Firma Mieg Sport + Spiel in Villingen-Schwenningen her. Tipp-Kick ist bis heute eine reine Männersache, Väter zeigen es den Söhnen. Auch die Spielfiguren waren immer nur männlich. Nun können wir enthüllen: Die Firma plant eine Tipp-Kickerin. Da ergeben sich natürlich einige Fragen. Es antwortet der Firmeninhaber Mathias Mieg, 47 Jahre alt.

DIE ZEIT: Herr Mieg, wann haben Sie entschieden, eine weibliche Tipp-Kick-Figur herauszubringen?

Mathias Mieg: Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen findet im Jahr 2011 in Deutschland statt. Die Entscheidung darüber fiel am 30. Oktober 2007. Damals haben wir angefangen, uns damit zu beschäftigen. Die Idee hatte mein Cousin Jochen, wir leiten gemeinsam die Firma. Seine Tochter spielt selber Fußball in einem Mädchenteam.

ZEIT: Die Idee hätte man allerdings schon früher haben können.

Mieg: Wir haben uns lange Zeit schwergetan, das Thema Frauenfußball anzupacken. Darüber haben wir schon Mitte der neunziger Jahre zum ersten Mal und sehr kontrovers diskutiert. Damals haben wir das aus Kostengründen verworfen. Die Gussfigur für die Männer kostet zum Beispiel 50000 Euro.

ZEIT: Was macht sie so teuer?

Mieg: Sie wird sehr aufwendig hergestellt. Sie muss sehr stabil sein, wir machen schließlich drei Millionen Männchen daraus.

ZEIT: Es wird doch nicht allein das Geld gewesen sein!

Mieg: Tipp-Kick und seine Figuren sind sehr traditionell. Die sind quasi unverändert, seit das Spiel in den zwanziger Jahren erfunden wurde. Diese Tradition gilt es zu bewahren.

ZEIT: Tipp-Kick ist also sehr konservativ und männlich – wie der richtige Fußball?

Mieg: Ja, deshalb hat der Frauenfußball auch so lange gebraucht, bis er die Akzeptanz hatte, die er heute hat. Als die Nationalmannschaft mit Jürgen Klinsmann eine begeisternde WM in Deutschland spielte, sind viele Frauen zum Fußball gekommen. Heute findet man in der deutschen Tipp-Kick-Liga unter den tausend aktiven Spielern zwar nur wenige Frauen. Aber vor ein paar Jahren gab es da keine einzige. Seit 2006 hat sich sehr viel zum Positiven gewandelt. Trotzdem sind wir sehr vorsichtig an die Damenfigur gegangen. Sie sollte sich in der Optik am klassischen Spieler orientieren. Einen Riesenunterschied werden Sie also nicht feststellen.