Es war einmal ein Landesvater, der versammelte gern die Seinen rund um das Kaminfeuer und erzählte ihnen seine besten Negerwitze. Besonders beliebt war jener von der stolzen Landesbank, die leider eines Tages "ziemlich neger" war, wie man im lokalen Dialekt zu sagen pflegt. Damit die Leute darob nicht allzu sehr die Köpfe hängen ließen, schnürten fünf tapfere Negerlein ihren Ranzen und machten sich auf die beschwerliche Reise in die Hauptstadt. Doch unterwegs kamen sie vom rechten Weg ab, und schließlich waren’s nur mehr drei.

Da stellte sich plötzlich die Frage: Waren die Abtrünnigen tatsächlich Negerlein oder bloß ziemlich eifrige Besucher eines Solariums? Am Schluss wusste niemand mehr genau, wer zu den Negerlein gehörte und wer nicht. Was will diese heitere Parabel mitteilen? Ehrlich gesagt, wenig. Es weiß doch heute jeder Politiker, welcher Partei er angehört. Oder etwa doch nicht? Natürlich entsprechen Negerwitze in diesen nachkolonialen Zeiten nicht mehr ganz dem politischen Anstand. Aber irgendetwas muss an dieser alten Sitte dran sein, sonst würde sie nicht immer wieder aufleben. Aufgescheucht wie ein dumbes Reh im Dickicht wirrer Zeiten, spukt der Brauch weiterhin durch die Köpfe. Vielleicht fasziniert daran, dass ein Witz in Endlosschleife sich als Politik ausgibt und folglich nie in einer Pointe endet. Jeder kennt den Schmäh. Trotzdem weiß niemand, zu welchem Ziel dies alles führen soll. Denn wüsste man’s, es wäre gänzlich witzlos.