Apotheken-Umschau Stützstrumpf der Nation
Die »Apotheken Umschau« ist eine der erfolgreichsten Zeitschriften im Land. Wer in seine Gesundheit investieren will, holt sich das Blatt. Denn die Redaktion kennt keine medizinischen Tabus
Das ist schon ein Metier, wo man ganz ernsthaft behaupten kann: »Am besten geht Brustkrebs. Gefolgt von Prostata.«
Die Rede ist von den meistgelesenen Themen der Apotheken Umschau. Nein, das ist kein Nischenprodukt, das silbergraue Damen mit Kunstpelz aus der Apotheke mitnehmen, damit die Großpackung Klosterfrau Melissengeist nicht so durch die Tüte durchschimmert. Die Apotheken Umschau hat eine Auflage wie stern, Spiegel, Bunte und Focus. Mal zwei!
Die genaue Heftauflage zu beziffern ist ein bisschen schwierig. Denn durch das Format der Kundenzeitschrift gibt es 100 verschiedene Heftvarianten, unter denen ein Apotheker wählen kann. Will er seinen Kunden ein kostenloses Kundenmagazin mit oder ohne Fernsehprogramm bieten, eines mit Kreuzworträtseln oder nur die ganz abgespeckte Version?
Und er wählt zwischen verschiedenen Möglichkeiten, das Titelbild individuell gestalten zu lassen (nur mit Lasche, nur mit Apothekenstempel auf der Rückseite). Wirft man alle diese Modelle in einen Topf und nennt dieses Eintopf-Produkt Apotheken Umschau, dann lesen rund 20 Millionen Leser die AU. Zum Vergleich: Die Bäckerblume hatte im dritten Quartal dieses Jahres eine Auflage von 108000, das Tchibo-Magazin von rund einer Million (beide erscheinen wöchentlich und nicht wie die Apotheken Umschau nur alle 14 Tage).
Das Blatt gehört zum Inventar der Bundesrepublik. 1969 gab es Kalendersprüche wie »Ein geregelter Stuhlgang ist weitaus wichtiger als ein Manikürkasten aus Ebenholz oder Silber«. 1975 hat man zum »regelmäßigen Besuch beim Arzt« nicht mehr nur »ältere Menschen« aufgerufen. Und 1987 sorgte sich ein Rudolf N. aus Hamburg »um solches Brennen in den Augen« nach nur »anderthalb bis zwei Stunden vor dem Fernsehgerät«, dass die AU dringend »die Konsultation eines Augenarztes« empfehlen kann.«
Heute bietet die adipöse Version der AU ihren Lesern 25 Medizinthemen plus Meldungen auf gut 100 Seiten , »94 Minuten Beschäftigung« hat ein Copytest herausgefunden, wie der Chefredakteur Peter Kanzler stolz berichtet. Ob in dieser Zeit in Wahrheit aber das Kreuzworträtsel fesselt und man dem freundlichen Mann von der Marktforschung hinterher vollmundig angibt, »das Titelthema habe ich ausgeschnitten und meinem Mann zu lesen gegeben«, bleibt Copytest-Genese. Wie bei allen Mein-Lieblingssender-heißt-Arte-Behauptungen.
Medikamente werden nicht erwähnt, um Schleichwerbung zu vermeiden
Gleiches gilt für die Zwei-Drittel-weibliche-Leserschafts-These. Welcher Mann Mitte vierzig liest am Samstag nach getaner Arbeit und mit einem geschäumten Latte macchiato vor sich Demenz: Neue Projekte steigern die Lebensqualität oder Homöopathie: Wie Frauen von der sanften Medizin profitieren?
»Doch, doch, die Leserschaft ist männlicher, jünger und gebildeter, als Sie denken«, grinst Kanzler. Er muss, zusammen mit Co-Chefredakteur Hans Haltmeier, einen der einfachsten Jobs der Republik haben: verlacht und verspottet von der Großjournaille – aber um ein Zigfaches erfolgreicher. Auch Preise, die die Redaktion kontinuierlich, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit einheimst, sind dafür Beleg (Preis der Argus-Stiftung, Medienpreis des Bundesverbandes Deutscher Ophthalmochirurgen, Felix Burda Award).
Nur wenn man aufmerksam die Kleinmeldungen in den übrigen Zeitungen verfolgt, fällt auf, wie oft die Apotheken Umschau erwähnt, zitiert oder als Quelle angegeben wird.
- Datum 30.12.2009 - 11:55 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01
- Kommentare 11
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




"Und tatsächlich findet sich in den rund 1000 Ausgaben, die seit 1956 erschienen sind, kein gedruckter Beleg für die Frontal 21- These."
Und mit dieser prägnanten und alle Zweifel aus dem Weg räumenden Aussage kann die Apotheken Umschau dank Frau Wilkens wieder auf eine Verbesserung ihres Images hoffen. Was zum Geier soll denn ein "gedruckter Beleg für die Frontal2-These" sein? Macht man sich etwa Notizen und Vermerke über die Artikel, die korrumpiert und gekauft waren/sind, bevor man sie ins Archiv verstaut?
Die Apotheken Umschau braucht in der Tat keine Schleichwerbung zu betreiben, wenn dies auf eine fadenscheinige Art 3 Seiten lang von der ZEIT übernommen wird, liebe Umschau-Katrin.
Den beanstandeten Beitrag in Fakt 21 habe ich damals gesehen. Der Autor hier behauptet nun das absolute Gegenteil.
Von einer - gesetzlich garantierten - Gegendarstellung zu dem Fakt 21-Beitrag schreibt er aber nicht. Hat wohl die Apotheken Rundschau auch nicht eingefordert.
So bleibt einem nur der Glaube. Glaubt man Fakt 21 oder glaubt man der Zeit.
Interessant in diesem Zusammenhang wäre natürlich noch, ob der Wort & Bild Verlag und der Zeitverlag wirtschaftlich verbandelt sind.
Das von Ihnen gemeinte Sendeformat heißt nicht Fakt21 sondern Frontal21; um auch die anderen Erinnerungen etwas aufzufrischen, empfiehlt sich folgender Link: [URL="http://www.youtube.com/watch?v=QH4CWAwQTQg"]http://www.youtube.com/watch?v=QH4CWAwQTQg[/URL]
Hier wurde meiner Meinung nach versucht, einen Skandal herbei zuschreiben, welcher so nicht existiert.
Die Anzeigenberaterin der AU sagt lediglich zu, die Redaktion auf das neue Produkt aufmerksam zu machen.
Da es im Interesse der AU-Redaktion liegen dürfte, über neu auf dem Markt befindliche Medikamente informiert zu sein, ist es meines Erachtens mehr als legitim, zu diesem Zwecke auch den Hersteller des neuen Produktes zu konsultieren. Nirgendwo wird gesagt, dass dieser die einzige Informationsquelle eines möglichen Berichts über den neuen Wirkstoff darstellt und nicht auch anderweitig recherchiert wird.
Und das die wahrscheinlich auf Provisionsbasis arbeitende Anzeigenberaterin den Gefallen des "aufmerksam machen" an die Bedingung einer Anzeigenschaltung koppelt, liegt in der Natur der Sache und ist weder illegal noch verwerflich.
Der Apothekenumschau in diesem Stadium einen Strick drehen zu wollen, halte ich für absoluten Nonsens. Wenn man etwas Unlauteres beweisen wollte, hätte Frontal21 die Sache weiter durchziehen müssen.
Hat man aber nicht (warum wohl?) und deshalb findet sich auch kein "gedruckter Beleg für die Frontal21-These".
Für eine Berichterstattung auf niedrigstem Niveau allerdings schon...
Das von Ihnen gemeinte Sendeformat heißt nicht Fakt21 sondern Frontal21; um auch die anderen Erinnerungen etwas aufzufrischen, empfiehlt sich folgender Link: [URL="http://www.youtube.com/watch?v=QH4CWAwQTQg"]http://www.youtube.com/watch?v=QH4CWAwQTQg[/URL]
Hier wurde meiner Meinung nach versucht, einen Skandal herbei zuschreiben, welcher so nicht existiert.
Die Anzeigenberaterin der AU sagt lediglich zu, die Redaktion auf das neue Produkt aufmerksam zu machen.
Da es im Interesse der AU-Redaktion liegen dürfte, über neu auf dem Markt befindliche Medikamente informiert zu sein, ist es meines Erachtens mehr als legitim, zu diesem Zwecke auch den Hersteller des neuen Produktes zu konsultieren. Nirgendwo wird gesagt, dass dieser die einzige Informationsquelle eines möglichen Berichts über den neuen Wirkstoff darstellt und nicht auch anderweitig recherchiert wird.
Und das die wahrscheinlich auf Provisionsbasis arbeitende Anzeigenberaterin den Gefallen des "aufmerksam machen" an die Bedingung einer Anzeigenschaltung koppelt, liegt in der Natur der Sache und ist weder illegal noch verwerflich.
Der Apothekenumschau in diesem Stadium einen Strick drehen zu wollen, halte ich für absoluten Nonsens. Wenn man etwas Unlauteres beweisen wollte, hätte Frontal21 die Sache weiter durchziehen müssen.
Hat man aber nicht (warum wohl?) und deshalb findet sich auch kein "gedruckter Beleg für die Frontal21-These".
Für eine Berichterstattung auf niedrigstem Niveau allerdings schon...
im guten wie im schlechten Sinne. Ich habe den Eindruck, da arbeiten die gleichen Journalisten wie im Spiegel, fachliches medizinisches Know-How sehe ich da nicht. Und die Krise der Apotheken ist ihnen selbst und der Pharma-Branche zuzuschreiben. Wenn ich für ein Medikament, dessen Grundpreis bei 1 Cent pro Pille liegt in der Apotheke das fünfzigfache zahle, darf ich vielleicht fragen, was dieser Wucher soll. Wenn ich für eine stinknormale Augensalbe - Grundwert samt Verpackung ca. 20 Cent - in der Apotheke 3,50 € bezahle, darf ich das für Wucher und für Abzocke von Kranken halten, weil ich diese Salbe brauche und die KK sie nicht bezahlt.
Was soll das sein?
Eine Festschrift für die AU?
Ist der Zeit-Redaktion den gar nichts mehr peinlich?
Ach liebe Gräfin, Sie fehlen, Sie fehlen!
Ihr Artikel verwundert in seinem unkritischen Tenor:
Kann sein, die Zeitschrift zeichnet sich nicht, auch nicht indirekt durch Produkt-Werbung aus. „Außerdem gibt es in der AU keine Promis, die von ihren Zipperlein berichten dürfen“..., so Ihre Formulierung.
Nein, das nicht, aber merkwürdig, „die AU, (erg.: die) zur besten Sendezeit, ein paar Minuten vor acht Uhr abends, in der ARD prominent Werbung macht,“ –Ihr Zitat- stellt in der heißen Wahlkampfphase zur Bundeswahl auf der Titelseite der UA als Vollbild Frau Merkel dar (Interview im Inneren), auch ein Zeichen von bewusster, hier politischer Unabhängigkeit?
"Aus politischen, kulturellen, demagogischen und medizinhygienischen Gründen wird es immer wichtiger, sich um seine Gesundheitsvorsorge selbst – ohne den fachlichen Rat eines Arztes – zu kümmern." Und das heißt:
.
nicht AU, sondern Arzneitelegramm
Das von Ihnen gemeinte Sendeformat heißt nicht Fakt21 sondern Frontal21; um auch die anderen Erinnerungen etwas aufzufrischen, empfiehlt sich folgender Link: [URL="http://www.youtube.com/watch?v=QH4CWAwQTQg"]http://www.youtube.com/watch?v=QH4CWAwQTQg[/URL]
Hier wurde meiner Meinung nach versucht, einen Skandal herbei zuschreiben, welcher so nicht existiert.
Die Anzeigenberaterin der AU sagt lediglich zu, die Redaktion auf das neue Produkt aufmerksam zu machen.
Da es im Interesse der AU-Redaktion liegen dürfte, über neu auf dem Markt befindliche Medikamente informiert zu sein, ist es meines Erachtens mehr als legitim, zu diesem Zwecke auch den Hersteller des neuen Produktes zu konsultieren. Nirgendwo wird gesagt, dass dieser die einzige Informationsquelle eines möglichen Berichts über den neuen Wirkstoff darstellt und nicht auch anderweitig recherchiert wird.
Und das die wahrscheinlich auf Provisionsbasis arbeitende Anzeigenberaterin den Gefallen des "aufmerksam machen" an die Bedingung einer Anzeigenschaltung koppelt, liegt in der Natur der Sache und ist weder illegal noch verwerflich.
Der Apothekenumschau in diesem Stadium einen Strick drehen zu wollen, halte ich für absoluten Nonsens. Wenn man etwas Unlauteres beweisen wollte, hätte Frontal21 die Sache weiter durchziehen müssen.
Hat man aber nicht (warum wohl?) und deshalb findet sich auch kein "gedruckter Beleg für die Frontal21-These".
Für eine Berichterstattung auf niedrigstem Niveau allerdings schon...
anschließend in der Apotheke wird alles gut. So die Zentralbotschaft der AU, egal welches Thema titelt. Insofern leistet das Blatt einer Lebensart Vorschub, die zu massenhaft überflüssigen Arztkontakten führt. Es schafft Markt für Pharmaprodukte, egal ob verschreibungspflichtig oder nicht. Alles andere sind Ausreden, Feigenblätter.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren