Natürlich kann er sich Beschäftigungen vorstellen, die spaßiger sind. Am Wochenende mit Freunden nach Paris fahren, zum Beispiel. Stattdessen sitzt Jan Olbrecht in einem Seminarraum in der Jugendherberge Ludwigsburg und erklärt den neun Studenten vor ihm, was der Studentische Akkreditierungspool ist. "Ich sehe mich in der Pflicht, meine Kenntnisse weiterzugeben", sagt Olbrecht und klingt plötzlich offiziell. Eigentlich studiert er im 14. Semester Wirtschaftsingenieurwesen. Doch nebenher hat er in seinen vier Jahren als Poolmitglied an fast 40 sogenannten Akkreditierungsverfahren teilgenommen. Heute schult er die nächste Generation der studentischen Akkreditierer.

Seit 1999 müssen alle neuen Studiengänge durch die Akkreditierung – einmal bei ihrer Einführung und dann alle fünf Jahre. Es gibt zehn Akkreditierungsagenturen in Deutschland. Sie vergeben das Gütesiegel des obersten Gremiums im Akkreditierungssystem, des Akkreditierungsrats. So soll die Qualität des Studiums sichergestellt werden. Doch ob dies den Agenturen gelingt, ist umstritten. Im Zuge der Bildungsstreiks ist zuletzt sogar ihr Existenzrecht infrage gestellt worden: Der Deutsche Hochschullehrerverband, die Interessenvertretung der Professoren, ruft seine Mitglieder inzwischen offen zum Boykott der Verfahren auf.

Denn für jeden Studiengang und jedes Bündel ähnlicher Studiengänge, die an einer Universität oder Fachhochschule akkreditiert werden sollen, setzt die Agentur eine Gutachtergruppe ein. Die besteht aus zwei Professoren, einem Berufspraxisvertreter – und einem Studenten. Dieser kann vom Studentischen Akkreditierungspool vermittelt werden: In der Berliner Geschäftsstelle verwaltet Daniela Teodorescu die 517 Mitglieder des Pools. "Ohne zufriedene Studierende ist die Uni wertlos", sagt die Studentin. "Deswegen ist es wichtig, dass wir bei der Akkreditierung einbezogen werden."

Zurück in Ludwigsburg. Jan Olbrecht trägt einen schwarzen Rollkragenpulli, Jeans und schwarze Chucks. Hinter ihm wirft ein Beamer Buchstaben an die Wand: "Das deutsche Akkreditierungssystem in der Praxis". Unter dem Schriftzug ist ein Fisch mit Kulleraugen abgebildet – das Logo des Studentischen Akkreditierungspools. Olbrechts Kursleiterkollegin Janine Hofmann ergreift das Wort. "Wir kommen jetzt zu einer Gruppenarbeitseinheit", sagt die Promotionsstudentin der Biologie. "Überlegt euch, welche Interessen die einzelnen Akteure in der Gutachtergruppe verfolgen. Was wollen zum Beispiel die Studierenden? Ihr habt zehn Minuten."

Die beiden Trainer verlassen den Raum, die Teilnehmer rücken zusammen. Also. Man könne Erfahrung im Diskutieren gewinnen, rumkommen, mal sehen, wie andere Unis funktionieren, und das kriege man auch noch bezahlt, ein Verwandter habe das wegen des Geldes gemacht, aber das dürfe man nicht sagen, weil die im Pool alle politisch motiviert seien, für den Lebenslauf sei das sicher auch nicht schlecht, bis zu acht Ordner würden die Agenturen einem zur Vorbereitung schicken, da investiere man ja schon viel Zeit, aber die müsse man sich nehmen, notfalls eben länger studieren, so könne man Einfluss nehmen, das sei einfach total interessant, total spannend.

Für ihre Arbeit wird es später ein besseres Taschengeld geben. Die Akkreditierungsagenturen zahlen den studentischen Gutachtern pro Verfahren je nach Aufwand bis zu 500 Euro für ihre Beteiligung: die Vorbereitung, die etwa zweitägige "Begehung", bei der mit der Hochschulleitung, Dozenten und Studenten gesprochen wird, die Erstellung eines Berichts. Die Agenturen finanzieren sich über Zahlungen der Hochschulen: Für die Zulassung eines einzelnen Studiengangs berechnen sie bis zu 12000 Euro.