Akkreditierung neuer Studiengänge "Es geht nicht mehr ohne"
Der deutsche Chefakkreditierer Achim Hopbach antwortet auf die harsche Kritik an den aufwändigen Zulassungsverfahren neuer Studiengänge.
DIE ZEIT: Nicht nur viele Studenten und Professoren wollen raus aus der Akkreditierung. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) hat kürzlich gleich das ganze System für gescheitert erklärt. Zu Recht?
Achim Hopbach: Keineswegs. Die Akkreditierung ist ein enormer Fortschritt. Früher haben Ministerialbeamte im Alleingang über die Zulassung von Studiengängen entschieden. Heute sitzen in den Kommissionen Professoren, Studenten und Berufsvertreter beieinander, alles Experten, die wissen, was in ihrem Fach ein gutes Studium ausmacht. Nichts gegen Ministerialbeamte, aber denen fehlt notwendigerweise die spezifische Fachkenntnis.
ZEIT: Die Akkreditierung gilt als bürokratisches Monstrum.
Hopbach: Auch das ist Unsinn. Bei den Verfahren geht es viel weniger um kleinkarierte formale Vorgaben als um eine inhaltliche Begutachtung, die den Hochschulen dabei helfen soll, ihr Studienangebot im Sinne der Studierenden zu verbessern.
ZEIT: Warum sind die Akkreditierer dann zu den akademischen Buhmännern schlechthin geworden?
Hopbach: Weil es leicht ist, die Schuld auf sie zu schieben. Wenn wir die Nichteinhaltung von Vorgaben monieren müssen, dann, weil die Kultusministerkonferenz und die Landesregierungen sie so wollen und die Hochschulen nicht in der Lage waren, sie von vornherein in ihren Studiengängen zu berücksichtigen. Wir überbringen nur die schlechten Nachrichten.
ZEIT: Werfen Sie den Kultusministern Scheinheiligkeit vor?
- Datum 31.12.2009 - 19:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01
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Ich fasse mich an den Kopf! Jeder neue Studiengang muss in Deutschland ein zentrales Prüfverfahren durchlaufen bevor er starten kann? Für 12,000 Euro? Und angeblich schreibt, dass Bologna vor? Falsch! In GB, dem Mutterland von BA und MA, reicht es, dass die Uni staatlich anerkannt ist und von der Qualitaty Assurance Agency regelmässig (5 Jahre) überprüft wird. Aber jede Uni hat das Recht nach bestimmten Verfahrensregeln und auf der Basis der Mindestbestimmungen neue Studiengänge ins Leben zu rufen. Es gibt innerhalb des Fachbereichs ein Prüfungsverfahren für Abschlüsse und es muss auch ein Externer Gutachter den neuen Studiengang begutachten, aber das scheint mir um viele Größenordnungen unbürokratischer, schneller und billiger zu sein, als das deutsche System. Zusätztlich muss jeder Studiengang einen oder zwei "external examiner", die für die laufende Qualitätssicherung zuständig sind - alles relative unbürokratisch und wirklich hilfreich. Der Hinweis darauf, dass es früher noch schlimmer war (Ministerialbeamte!) kann doch keine Entschuldigung für die Schaffung eines Akkreditierungs-Monstrums seins, dass sich mit den jeweiligen Gegebenheiten einer Uni nicht auskennt. Abschaffen und neu denken!
Von "zentral" würde ich zwar nicht sprechen, bei knapp einem Dutzend verschiedender Akkreditierungsagenturen, aber die "Dezentralisierung" in diesem Bereich ist längst überflüssig.
Was Sie hier mit dem Beispiel UK ansprechen ist auch unter dem Begriff "Systemakkreditierung" bekannt. Der Akkreditierungsrat und das Bologna-Zentrum der HRK erzählen bereits seit einigen Jahren, dass die System- bald die Programmakkreditierung (Akkreditierung einzelner Studiengänge durch Agenturen) ablösen würde. Augenscheinlich hat sich dahingehend noch nichts entwickelt. Aber gerade diese Umstellung wurde bisher immer, auch von Herrn Hopbach, als die Lösung und Zukunft der Akkreditierung beschrieben. Deshalb ist es jetzt auch leicht verwunderlich, dass dieser Artikel nicht darauf einging.
Von "zentral" würde ich zwar nicht sprechen, bei knapp einem Dutzend verschiedender Akkreditierungsagenturen, aber die "Dezentralisierung" in diesem Bereich ist längst überflüssig.
Was Sie hier mit dem Beispiel UK ansprechen ist auch unter dem Begriff "Systemakkreditierung" bekannt. Der Akkreditierungsrat und das Bologna-Zentrum der HRK erzählen bereits seit einigen Jahren, dass die System- bald die Programmakkreditierung (Akkreditierung einzelner Studiengänge durch Agenturen) ablösen würde. Augenscheinlich hat sich dahingehend noch nichts entwickelt. Aber gerade diese Umstellung wurde bisher immer, auch von Herrn Hopbach, als die Lösung und Zukunft der Akkreditierung beschrieben. Deshalb ist es jetzt auch leicht verwunderlich, dass dieser Artikel nicht darauf einging.
Von "zentral" würde ich zwar nicht sprechen, bei knapp einem Dutzend verschiedender Akkreditierungsagenturen, aber die "Dezentralisierung" in diesem Bereich ist längst überflüssig.
Was Sie hier mit dem Beispiel UK ansprechen ist auch unter dem Begriff "Systemakkreditierung" bekannt. Der Akkreditierungsrat und das Bologna-Zentrum der HRK erzählen bereits seit einigen Jahren, dass die System- bald die Programmakkreditierung (Akkreditierung einzelner Studiengänge durch Agenturen) ablösen würde. Augenscheinlich hat sich dahingehend noch nichts entwickelt. Aber gerade diese Umstellung wurde bisher immer, auch von Herrn Hopbach, als die Lösung und Zukunft der Akkreditierung beschrieben. Deshalb ist es jetzt auch leicht verwunderlich, dass dieser Artikel nicht darauf einging.
Ich kann mich den beiden vorangegangenen Kommentaren vollständig anschliessen.
"Heute sitzen in den Kommissionen Professoren, Studenten und Berufsvertreter beieinander,.." Studenten und Professoren kann jede Hochschule selbst aufbieten, und die Rolle von Berufsvertretern ist überdies fraglich - das Studium kann gerade dadurch entschlackt werden, dass die Module, die auf den "Einsatz im Betrieb" vorbereiten sollen, herausgenommmen werden.
Aber vergessen wir auch nicht Herrn Hoppachs Eigeninteresse - seine Agenturen verdienen sehr gut an diesen Verfahren.
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