Pausen des Geistes Die Wiederentdeckung der Muße
Nichtstun ist wertvoll. Doch wir haben es verlernt, weil wir nicht mehr aus dem immer schnelleren Alltag ausbrechen können.
Wenn er sich zum Mittagsschlaf zurückzog, hängte der französische Dichter Saint-Pol-Roux an seine Tür das Schild: »Poet bei der Arbeit«. Denn er wusste: Müßiggang ist aller Ideen Anfang. Wirklich schöpferische Einfälle kommen einem am ehesten dann, wenn man sie nicht zu erzwingen versucht.
Das gilt beileibe nicht nur für die Poesie. Die Erleuchtung zu seiner Gravitationstheorie kam Isaac Newton, als er im heimischen Obstgarten versonnen einen Apfel betrachtete (dass ihm dieser auf den Kopf fiel, ist allerdings eine Legende).
Dem Chemiker Friedrich Kekulé offenbarte sich die lang gesuchte Struktur des Benzolrings im Traum. Und René Descartes, der Begründer des modernen Rationalismus, entwickelte seine Gedanken mit Vorliebe morgens im Bett. Dort sann er über Träume nach oder löste im Kopf mathematische Rätsel. Kein Wunder, dass der geruhsame Philosoph eines Tages auf den Gedanken verfiel, sein (untätiger) Körper und sein (hellwacher) Geist gehörten zu zwei unterschiedlichen Sphären, Res extensa und Res cogitans. Entsprang die berühmte kartesianische Dualität, die Trennung von Körper und Geist, also letztlich der Gemütlichkeit? Vermutlich muss Descartes’ Diktum »cogito, ergo sum« in Wahrheit so übersetzt werden: Ich liege denkend im Bett, also bin ich.
Heute hingegen würde Descartes vermutlich morgens aus dem Bett springen, seinen Laptop einschalten und als Erstes das elektronische Postfach checken. Dort würde eine Flut aufgelaufener E-Mails auf ihn warten – für die Entwicklung des Kartesianismus bliebe keine Zeit.
Muße zum Nachdenken? Bei dieser Frage seufzen Descartes’ heutige Erben wehmütig. Wo soll im hektischen Wissenschaftsbetrieb dafür noch die Zeit herkommen? Publish or perish lautet schließlich die Devise, publiziere oder verschwinde. Den Wissenschaftlern geht es in dieser Hinsicht kaum anders als dem Rest der Gesellschaft. Ob unter Managern oder Politikern, Selbstständigen oder Angestellten – überall breitet sich das Gefühl aus, permanent unter Druck zu stehen, ständig an Quartalsbilanzen, Umfragewerten oder Produktionssteigerungen gemessen zu werden und sich keine Atempause gönnen zu dürfen.
- Datum 02.01.2010 - 14:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01
- Kommentare 23
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"Wirklich schöpferische Einfälle kommen einem am ehesten dann, wenn man sie nicht zu erzwingen versucht."
Na super ... was für eine utilitaristische Geisteshaltun
ist das denn? Ich entspanne, um großartige Ideen und geniale Ideen zu bekommen. Bei aller Liebe ... aber nach Nichtstun klingt das nicht.
Schöpferische Muße ist Muße, die Arbeit ist.
Gruß Max Stockhaus
Schöpferische Muße ist Muße, die Arbeit ist.
Gruß Max Stockhaus
Schon in den Jahrtausende alten fernöstlichen Lehren wird das 'Dao' (der Weg) beschrieben, dem umfassenden Ursprung und Wirkprinzip, das die Ordnung und Wandlung der Dinge bewirkt, so dass es nicht weise wäre, in das Walten dieses Prinzips einzugreifen!
In diesem Sinne wandelt und handelt der in diesen Lehren geschulte Weise also auf dem Wu wei. Er wird definiert als Nichthandeln im Sinne von 'Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns', ein Weg der unserem westlichen Denken bedauerlicherweise ferner kaum sein kann; Mit all den Verirrungen und Wirrungen, mit allen den fehlgeleiteten Orientierungen, die unsere Gesellschaft auf falsche, da rein profane Werte, ausgerichtet hat.
Auch wir im Westen haben eine Redensart, die an diesen weisen Weg anklingen mag: "Manchmal ist Weniger mehr!"
Während wir in wilden Aktionismus verfallen und den etablierten Politikern nachlaufen, wie die Ratten weiland dem Flötenspieler in Hameln, blindgläubig an die Mär vom allein seelig machenden Wirtschaftswachstum, besinnt sich der weisere Zeitgenosse auf tiefer Werte wie Mitmenschlichkeit, Menschenwürde, heile(nde) Natur sowie das Potential für ein individuelles Wachstum der Menschen und widmet sich nicht unisono dem Wachstum an Macht und Reibach, wie der typische System-Profiteur, westlicher Prägung.
Leider sind wir weit davon entfernt, in der fernöstlichen Weisheit eine Anleihe zu machen, damit wir eine Zukunft haben! Eine Zukunft, die es sich zu erleben für ALLE Menschen lohnt....
Leider hat sich der Osten - siehe zB China - von diesen Östlichen Weiheiten ebenso entfernt.
Leider hat sich der Osten - siehe zB China - von diesen Östlichen Weiheiten ebenso entfernt.
, insbesondere wenn man sie beruflich nutzen will,sie bedeutet mehr Fleiss als Inspiration. Aber es stimmt schon, die heutige Zeit mit ihrer Konsumideologie, ihrem Konkurrenzdruck und Rentabilitätsterror schafft kein kreativförderndes Klima. Aber die meisten Menschen haben nicht die Wahl, dem zu entkommen. Sie können nur davon träumen, um sich dann doch schnell das neueste Elektronikgerät anzuschaffen.
Gut Ding braucht Weile, Alles zu seiner Zeit, Kommt Zeit kommt Rat, Eile mit Weile, Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, Lass Dir Zeit wenn du es eilig hast... all diese weisen Sprüche fallen mir dazu ein.
Wer wie "aufgedreht" durch seine Lebenszeit hastet kann mittel- bis langfristig weder gute Arbeit leisten noch sinnvolle Gedanken zustande bringen.
Früher wurde zwar länger und auch schwerer gearbeitet, aber insgesamt wurde ein natürlicher ruhigerer Rhythmus zu überschaubaren Vorgaben/Zielen eingehalten.
Die augenscheinliche Getriebenheit entspringt der Angst vor Konkurrenz, die zur Überholung ansetzen will - und dem Irrglauben als Mensch pemanent im Sinne einer Leistungsgesellschaft funktionieren zu müssen.
Eigentlich haben wir doch alles was wir brauchen: Technik, Erkenntnisse, Geld, Zeit, effiziente Produktionsanlagen, Wohnungen, Strassen, Wissen, guten Willen... aber ein "Wachstumszwang", dessen Existenz der permanenten Geldvermehrung geschuldet ist, lässt uns nicht zur Ruhe kommen.
Leider hat sich der Osten - siehe zB China - von diesen Östlichen Weiheiten ebenso entfernt.
aber nur die kleine Oberschicht in China, die dem Kapitalismus (der in China real existierende Kommunismus ist im Grunde nix anderes als ein verkappter Kapitalismus der Oberschicht!)frönen und sich der dementsprechenden westlichen Denke unterworfen haben.
Anderseits übersehen Sie, doch das passiert leider den meisten andern Bürgern ebenso, dass es in unserem Lande sehr wohl löbliche Strömungen gibt, die dem immer-schneller-weiter-höher-Denken entgegenstehen; Die erkannt haben, dass dies auf längere Sicht ein Irrweg in die Sackgasse darstellt!
Schauen Sie sich doch mit offenen Sinnen um! Sehr schnell erkennen Sie den hohen Realitätsgehalt dieser Aussage zur stetigen Abwärtsspirale unserer Gesellschaft, bedingt durch die Irrlehren die hinter "unserem" System stehen, wie z. Bsp. das bereits des öfteren von mir angeprangerte, vermeintlich allein seelig machende Wirtschaftswachstum auf den uns bekannten ökonomischen Prämissen. Sie erkennen sehr schnell und leicht die stetig zunehmenden negativen Auswirkungen in vielfältiger Hinsicht auf die Grundfeste der Gesellschaft, die Umwelt und die sich überall abzeichnenden, zerstörerischen Konsequenzen dieses wahnwitzigen Irrglaubens!
Auch möchte ich auch noch anmerken, dass uns in China ein totalitäres System begegnet, dass sich von seinen gewachsenen Wurzeln und Werten immer weiter entfernt, gerade weil es diesem westlichen Irrweg folgt, wir hingegen in einer vermeintliche Demokratie leben und schnellstens Einfluss nehmen sollten!!!
aber nur die kleine Oberschicht in China, die dem Kapitalismus (der in China real existierende Kommunismus ist im Grunde nix anderes als ein verkappter Kapitalismus der Oberschicht!)frönen und sich der dementsprechenden westlichen Denke unterworfen haben.
Anderseits übersehen Sie, doch das passiert leider den meisten andern Bürgern ebenso, dass es in unserem Lande sehr wohl löbliche Strömungen gibt, die dem immer-schneller-weiter-höher-Denken entgegenstehen; Die erkannt haben, dass dies auf längere Sicht ein Irrweg in die Sackgasse darstellt!
Schauen Sie sich doch mit offenen Sinnen um! Sehr schnell erkennen Sie den hohen Realitätsgehalt dieser Aussage zur stetigen Abwärtsspirale unserer Gesellschaft, bedingt durch die Irrlehren die hinter "unserem" System stehen, wie z. Bsp. das bereits des öfteren von mir angeprangerte, vermeintlich allein seelig machende Wirtschaftswachstum auf den uns bekannten ökonomischen Prämissen. Sie erkennen sehr schnell und leicht die stetig zunehmenden negativen Auswirkungen in vielfältiger Hinsicht auf die Grundfeste der Gesellschaft, die Umwelt und die sich überall abzeichnenden, zerstörerischen Konsequenzen dieses wahnwitzigen Irrglaubens!
Auch möchte ich auch noch anmerken, dass uns in China ein totalitäres System begegnet, dass sich von seinen gewachsenen Wurzeln und Werten immer weiter entfernt, gerade weil es diesem westlichen Irrweg folgt, wir hingegen in einer vermeintliche Demokratie leben und schnellstens Einfluss nehmen sollten!!!
Warum gibt es keine Alternativbewegung mehr? Alles das wurde schon in den 70ern, nein, eigentlich schon von den Hippies der 60er Jahre erkannt!
"Bewegungen" braucht mensch ungefähr so dringend wie nen Kropf.
Auch die der Hippies war eher ne Ansammlung verschiedener Typen mit sehr verschiedenen Lebensprioritäten.
Heute muß ma halt keine Massenaufläufe veranstalten; mensch macht einfach. Obs nun der Öko-Bauernhof ist, der Bauwagen auf ner Wagenburg oder die diversesten Formen von Wohn- und Freizeitprojekten.
Nur hat da "der Staat" was dagegen; d.h. heutztage ein Haus zu besetzen fällt aus wegen ist nicht, da sind die B...olizisten schneller als mensch gucken kann. Ebenso werden jahrelang geduldete Geschichten dichtgemacht. Oder fallen "Profitprojekten" wie "Mediaspree" evtl. zum Opfer (die "Köpi" in Berlin-Mitte). Oder Wagenburgen mal so eben geräumt.
Auch blöd, denn selbst wenn die Leute sagen, naja, kein Akt, kaufen/pachten wir uns ne Wiese irgendwo ist das Ordnungsamt auch schneller als ma gucken kann.
Ich stimme dem Artikelautoren (Ulrich Schnabel) in seiner Kernthese zu; Muße ist nicht nach Algorithmus erlernbar; ma musses einfach er-leben.
Und ich denke, hier in D. kommen da auch einige Leute zusammen, die "alternativ" leben. Die Millionengrenze wird garantiert gerissen, was mehr als ein Prozent der Leute hier darstellt.
"Bewegungen" braucht mensch ungefähr so dringend wie nen Kropf.
Auch die der Hippies war eher ne Ansammlung verschiedener Typen mit sehr verschiedenen Lebensprioritäten.
Heute muß ma halt keine Massenaufläufe veranstalten; mensch macht einfach. Obs nun der Öko-Bauernhof ist, der Bauwagen auf ner Wagenburg oder die diversesten Formen von Wohn- und Freizeitprojekten.
Nur hat da "der Staat" was dagegen; d.h. heutztage ein Haus zu besetzen fällt aus wegen ist nicht, da sind die B...olizisten schneller als mensch gucken kann. Ebenso werden jahrelang geduldete Geschichten dichtgemacht. Oder fallen "Profitprojekten" wie "Mediaspree" evtl. zum Opfer (die "Köpi" in Berlin-Mitte). Oder Wagenburgen mal so eben geräumt.
Auch blöd, denn selbst wenn die Leute sagen, naja, kein Akt, kaufen/pachten wir uns ne Wiese irgendwo ist das Ordnungsamt auch schneller als ma gucken kann.
Ich stimme dem Artikelautoren (Ulrich Schnabel) in seiner Kernthese zu; Muße ist nicht nach Algorithmus erlernbar; ma musses einfach er-leben.
Und ich denke, hier in D. kommen da auch einige Leute zusammen, die "alternativ" leben. Die Millionengrenze wird garantiert gerissen, was mehr als ein Prozent der Leute hier darstellt.
- verursachen kaum Lärm
- verursachen relativ wenig Naturzerstörung
- überfahren keine Mitmenschen
- verursachen nur wenig Stress
- leben gesünder
- lassen sich nicht ausbeuten
- mehren nicht das Bruttosozialprodukt
- sind den Reichen ein Dorn im Auge
- wurden von christlichen Missionaren verfolgt
- sind Asoziale
- sind Volksfeinde
Müßiggang ist aller Laster Anfang (Deutsches Sprichwort)
Wer aber die Muße nicht kennt, dem fehlt der Zugang zum Glück.
Ein Tag lang ungestört in Muße zu verbringen ist ein Tag lang unsterblich zu sein (Chinesische Weisheit)
Die Satten sind schnell dem Müßiggang verfallen,
die Unersättlichen der Rastlosigkeit.
Es ist besser nichts zu tun als mit viel Mühe nichts zu schaffen (Laotse)
Gruß Max Stockhaus
Müßiggang ist aller Laster Anfang (Deutsches Sprichwort)
Wer aber die Muße nicht kennt, dem fehlt der Zugang zum Glück.
Ein Tag lang ungestört in Muße zu verbringen ist ein Tag lang unsterblich zu sein (Chinesische Weisheit)
Die Satten sind schnell dem Müßiggang verfallen,
die Unersättlichen der Rastlosigkeit.
Es ist besser nichts zu tun als mit viel Mühe nichts zu schaffen (Laotse)
Gruß Max Stockhaus
"Bewegungen" braucht mensch ungefähr so dringend wie nen Kropf.
Auch die der Hippies war eher ne Ansammlung verschiedener Typen mit sehr verschiedenen Lebensprioritäten.
Heute muß ma halt keine Massenaufläufe veranstalten; mensch macht einfach. Obs nun der Öko-Bauernhof ist, der Bauwagen auf ner Wagenburg oder die diversesten Formen von Wohn- und Freizeitprojekten.
Nur hat da "der Staat" was dagegen; d.h. heutztage ein Haus zu besetzen fällt aus wegen ist nicht, da sind die B...olizisten schneller als mensch gucken kann. Ebenso werden jahrelang geduldete Geschichten dichtgemacht. Oder fallen "Profitprojekten" wie "Mediaspree" evtl. zum Opfer (die "Köpi" in Berlin-Mitte). Oder Wagenburgen mal so eben geräumt.
Auch blöd, denn selbst wenn die Leute sagen, naja, kein Akt, kaufen/pachten wir uns ne Wiese irgendwo ist das Ordnungsamt auch schneller als ma gucken kann.
Ich stimme dem Artikelautoren (Ulrich Schnabel) in seiner Kernthese zu; Muße ist nicht nach Algorithmus erlernbar; ma musses einfach er-leben.
Und ich denke, hier in D. kommen da auch einige Leute zusammen, die "alternativ" leben. Die Millionengrenze wird garantiert gerissen, was mehr als ein Prozent der Leute hier darstellt.
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