Wer hat sich 2009 besonders verdient gemacht um die Weltwirtschaft? Das Nachrichtenmagazin Time wählte Ben Bernanke, den Chef der amerikanischen Notenbank zur Person des Jahres, weil er mit seiner Geldpolitik, mit niedrigen Zinsen und kühnen Stützprogrammen die Banken stabilisiert und die Wucht der Rezession abgemildert hat.

Auf dieser Seite des Atlantiks muss das Lob an Sir Fred Goodwin gehen, den ehemaligen Chef der Royal Bank of Scotland (RBS). Seine Geschichte beginnt weit vor 2009.

Als die globale Finanzwelt noch in Ordnung war, ließ Sir Fred sich als Helden feiern. Er war der Mann aus einfachen Verhältnissen, der die Provinzbank aus Edinburgh mit Charisma und Geschäftssinn zu einem Global Player aufbaute. 2007 hatte die RBS einen Platz auf der Liste der zehn größten Unternehmen der Welt eingenommen. Premierminister Gordon Brown nannte Sir Fred "einen Freund", dessen Telefonnummer er in seinem Handy gespeichert hatte.

Im März warfen Vandalen zwei Scheiben an Fred Goodwins Haus in Edinburgh ein

Dann aber fiel das Kartenhaus zusammen, Goodwin legte die Maske ab, und siehe da, die Hybris zeigte ihr hässliches Gesicht. Noch im September 2008 beteiligte sich Sir Fred an einem Konsortium, das die niederländische Bank ABN Amro für zig Milliarden Pfund übernahm. Wenige Wochen später war die RBS verstaatlicht. Goodwins Größenwahn kostete den britischen Steuerzahler mehr als 50 Milliarden Pfund.

Gehen wollte er dennoch nicht, sein alter Freund Gordon musste ihn höchstpersönlich feuern. Im Frühjahr 2009 wurde bekannt, dass Sir Fred eine jährliche Rente von 700.000 Pfund zustand, eine Regelung, auf der der 51-Jährige auch lange Zeit bestand. Die öffentliche Wut steigerte sich über die Monate zum Furor. Mit seiner Unverfrorenheit machte er sich zur Hassfigur des Jahres.

Sir Fred hat das ganze fehlerhafte Finanzsystem auf seine Person reduziert. Dafür gebührt ihm Anerkennung. Es war nicht zuletzt die Ungeheuerlichkeit seines Handelns, die britische Politiker und Aufseher radikale Vorschläge machen ließ. Boni zu besteuern, das Kundengeschäft und das Investmentbanking zu trennen, das Bankentestament, ein Abwicklungsplan für den Fall einer Pleite – mit diesen Vorschlägen befeuerte London die aktuelle Diskussion über die künftige Regulierung der Finanzmärkte.

Auch für deutsche Politiker ist die Boni-Steuer ein Thema. Beim Ausblick auf 2010 lassen die Ideen hoffen – denn sie denken das System auf eine Weise neu, die sinnvoll ist.