Eines meiner Lieblingsbücher, das ich so oft verschenkt habe – gerne auch zu Weihnachten –, bis ich selbst kein Exemplar mehr besaß, trug den lapidaren Titel Bad Hair. Es handelte sich aber um keine medizinische Abhandlung über Spliss und Schuppen, sondern um eine Fotogalerie einzigartig peinlicher Frisuren, die meisten davon, wie könnte es anders sein, aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Der schadenfrohe Schauder, mit dem man die anonymen Porträts betrachtete, erinnerte an den Genuss, den seinerzeit der berühmte Prachtband Fellini’s Faces bereitete – der Regisseur hatte darin einen repräsentativen Querschnitt durch die Aufnahmen veröffentlicht, die er beim Casting für die monströsen Randfiguren seiner Filme zu machen pflegte. Der Mensch, durch die Brille Fellinis betrachtet, bietet eine Fülle physiognomischer Abnormitäten, wie sie sonst nur auf den Zuchttafeln entlegener Hunderassen begegnen.

Es ist allerdings die Frage, ob der genetisch interessierte Blick wirklich mit den zivilisatorischen Standards des Respekts vereinbar ist – wahrscheinlich eher nicht, sonst könnte man ja auch mit Erfolg einen Bildband Schlimme Säuglinge publizieren oder die Galerie Monströse Mütter, von den Rabiaten Rentnern ganz zu schweigen oder dem zweibändigen Standardwerk über Penetrante Pensionisten der Neuen Welt ("die Bände über die Altwelt-Pensionisten folgen im nächsten Halbjahr").

Ein Fotograf und ich haben lange mit der Idee geliebäugelt, ein Buch über Die schlechtesten Hotels der Welt herauszubringen, dann aber vor den juristischen Einwänden (Geschäftsschädigung!) kapituliert. Der Ersatztitel Hotels, die doch nicht so gut sind fand ebenfalls keine Gnade bei den Verlagsjuristen, obwohl er eine typische Reiseenttäuschung ziemlich genau formuliert.

Der philosophische Grund, warum das eine geht und das andere nicht, hat im Falle der Hotels mit finanziellen Interessen zu tun, im Falle der Physiognomien mit der Unabänderlichkeit des genetischen Schicksals – während Frisuren weder angeboren noch kommerziell motiviert sind, jedenfalls überwiegend nicht. Ein Band über Kuriose Kopftücher, obwohl weder angewachsen noch geschäftlich profitabel, stieße aber wohl wiederum auf religiöse Empfindlichkeiten. Kurzum – mehr wollten wir gar nicht sagen –, es war dieses Weihnachten nicht einfach, ein passendes Buchgeschenk zu finden. Finis