Gesellschaftskritik Über die Bilanz des Tiger Woods
Der Golfprofi kann der öffentlichen Moral noch so aus dem Ruder laufen – zum Geschäft wird alles, was er tut, und wenn nicht für ihn, dann für die anderen.
© Sam Greenwood/Getty Images

Sieg? Niederlage? Ehebruch? Just do it! Nike hat weiter Verwendung für Tiger Woods
Von dem armen Tiger Woods, dessen Seitensprünge gerade durch die Presse geistern (täglich kommen ein paar dazu), ist zu erfahren, dass ihm darüber nicht nur die Ehefrau abhandenkommt, sondern auch die Sponsoren von der Fahne gehen. Gillette will schon nicht mehr mit ihm werben, der Uhrenhersteller Tag Heuer, heißt es, überlegt noch das Für und Wider.
Ein Golfprofi lebt gefährlich. Er spielt ja nicht zum Vergnügen. Er muss nicht nur sein Image als Star kultivieren, wozu so manche prominente Liebelei durchaus nützlich sein kann. Er muss auch das hart erarbeitete Star-Image sorgfältig auf das Marken-Image seiner Werbepartner abstimmen, und da kann es dann sein, dass die eine oder andere Schmuddelaffäre nicht mehr zu einer sauberen Rasur passt. Es hängt eben, verflucht, alles am rechten Augenmaß. Und da kann es dann geschehen, dass im Privatleben nicht immer das richtige Eisen gewählt wurde.
Aber was ist im Leben eines Golfprofis schon privat? Er lebt ja nicht von Preisgeldern allein. Achtzig Prozent seines Einkommens, hat man im Falle von Tiger Woods errechnet, stammen aus Verträgen mit Sponsoren. Wie eine eiserne Kralle legt sich die Corporate Identity über die Personal Identity des Golfers.
Glücklicherweise sind nicht alle Krallen aus dem Metall. Einige sind auch aus Gummi und Polyamid. Der Sportartikelhersteller Nike hat schon erklärt, dass er sich von den amourösen Umtrieben des Tigers nicht beschädigt fühlt. Vielleicht fühlt sich Nike sogar zusätzlich angezogen von der Hoffnung, dass etwas von dem öffentlich bestätigten Sex-Appeal des Golfers auf die Trainingshosen übergeht. Tiger Woods einmal nicht auf dem Platz, sondern mit seinen leuchtend weißen Nike-Sneakers im Dämmerlicht einer Bar?
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Der arme Mann! Er kann sich drehen und wenden und der öffentlichen Moral noch so aus dem Ruder laufen – zum Geschäft wird alles, was er tut, und wenn nicht für ihn, dann für die anderen.
In London, heißt es, werden Wetten angenommen auf die Höhe der Abfindung seiner Frau im Falle einer Ehescheidung.
- Datum 29.12.2009 - 14:43 Uhr
- Serie Gesellschaftskritik
- Quelle ZEITmagazin, 30.12.2009 Nr. 01
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Ein Mann, der mit seinem Schläger (nicht seinem Ruder!) so Großes geleistet hat, muss nun unter dem Bekannt werden seiner diversen Seitensprünge leiden - tragisch, sehr tragisch.
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