Der "Fernwehpark" in Hof Global denken, lokal sammeln
Seit zehn Jahren leistet ein weit gereister Franke einen Beitrag zur Völkerverständigung: In seinem »Fernwehpark« in Hof vereinigt er Schilder aus aller Welt
Ein nasskalter Wintertag in Hof/Oberfranken. Es nieselt. An der zugigen Durchgangsstraße unterhalb des Stadtzentrums lärmt der Verkehr. Die träge und grau vor sich hin fließende Fränkische Saale wirkt auch nicht gerade verlockend. Hier kann einen schon die Reiselust packen. Es gibt Menschen, die sagen, das Beste an Hof sei der Autobahnanschluss oder der Hauptbahnhof.
Klaus Beer glaubt, ein Mittel gegen den Fluchtreflex gefunden zu haben: seinen »Fernwehpark«. Im Stadtkern hat er einen Wald aus drei Meter hohen Holzpfählen angelegt, an die er Ortstafeln und Straßenschilder aus aller Welt geschraubt hat. Beer sammelt außerdem »Partnerstadtschilder«, Ortshinweisschilder (»San Diego 42 miles«) sowie Autokennzeichen und Vorsichtszeichen wie die aus Australien bekannten Känguru-Warnungen. Menschen, die seine Heimatstadt besuchen, lädt er ein, »nicht immer nur Souvenirs mit nach Hause zu nehmen, sondern etwas zurückzulassen«. Etwa 4000 Schilder aus allen Erdteilen und Nationen hat er auf diese Weise schon gehortet. Eine Gruppe von Amerikanern, die in den sechziger Jahren in Hof stationiert war, spendete 100 Schilder.
Der Fernwehpark liegt am Ufer der Fränkischen Saale in den Ausläufern des 1819 entstandenen Bürgerparks Theresienstein. Auf dem Areal mit seinen von bunten Schildern gesäumten Kieswegen soll man, so Beer, »per Kopfkino« eine virtuelle Weltreise antreten können. Der gedankliche Trip zu sonnigen Zielen wie »Kinshasa«, dem »Sunset Blvd«, »Alice Springs«, »Hollywood« oder »Miami Beach/Ocean Drive 6 Miles« gelingt bei Sprühregen und gefühlten minus zehn Grad allerdings nur bedingt. Auch die »55 km«, die ein grünes Schild mit lateinischen und arabischen Schriftzeichen als Entfernung bis »Jeddah« angibt, können die Fantasie nicht sonderlich beflügeln. Besonders stolz ist Beer auf seine Sammlung kurioser Ortsnamen. Manches klingt putzig wie »Katzenhirn/Stadt Mindelheim«, »Ostereistedt/Landkreis Rotenburg (Wümme)« oder »Kukuk/Landkreis Parchim«, anderes zotig (»Pissen/Landkreis Merseburg-Querfurt). Bei »Unterneger/Stadt Olpe«, nun ja, weiß man nicht so recht, wie das zu dem von Beer gerne betonten kosmopolitischen Anspruch seines Schilderwaldes passen soll.
Zwischen den Schildern prangen Konterfeis von erst- bis drittklassigen Stars wie dem Dalai Lama, James Last oder Daniel Küblböck. Beer bittet Prominente aus Showbusiness, Politik und Sport, ein »Star-Schild« zu unterschreiben und damit ein »Zeichen der Solidarität und des Friedens« zu geben. Mehr als 300 Menschen will er ein solches Bekenntnis schon abgenötigt haben, von André Rieu bis zu dem James-Bond-Darsteller Sir Roger Moore. Angela Merkel hat er gleich zweimal in seiner Galerie der »Signs of Fame« verewigt, einmal als Unions-Chefin, einmal als Bundeskanzlerin. Dabei legt Beer Wert auf die persönliche Begegnung. Merkel etwa passte er bei einem Besuch im Nürnberger Rathaus ab. Oft muss er monate- oder gar jahrelang beim jeweiligen Management antichambrieren, um vorgelassen zu werden.
Der Mann fällt auf in der Stadt. Er hat eine Vokuhila-Mähne, wie sie Exbundestrainer Rudi Völler in seinen besten Jahren trug, Cowboystiefel, einen roten Schal und eine rote Brille, in deren Bügeln »Fernwehpark« eingestanzt ist. Sein alter weißer Volvo ist übersät mit Autogrammen; auch Otto und Karl-Theodor zu Guttenberg haben signiert. Beer, jahrelang Bankangestellter bei der Hofer Sparkasse, lebt seit Kurzem im Vorruhestand. »Ich habe die Welt der Zahlen und Formulare immer gehasst«, sagt er. Deswegen habe er sich ein »Ventil« gesucht. Beer fand es beim Reisen. Zusammen mit seiner Frau hat er seit 1976 sämtliche Erdteile abgeklappert. Allein in den USA war er 22-mal. Dabei fotografierte und filmte er alles, was ihm vor die Linse kam. Zu Hause tingelte er dann mit Reisefilmvorträgen durch die Gegend.
Die Idee für seinen Fernwehpark brachte Beer 1999 von einer Reise mit. Er war am »Sign Post Forest« im kanadischen Watson Lake vorbeigekommen. Beim Bau des Alaska Highway hatte dort ein heimwehkranker Soldat 1942 eine Tafel an einen Pfosten genagelt. Darauf waren der Name seines Heimatortes und die Entfernung dorthin zu lesen: »Danville, Illinois, 2835 miles«. Mittlerweile hängen in Watson Lake rund 50000 Schilder aus aller Welt wild durcheinander. Sie haben das 1000-Seelen-Nest zu einer in jedem Reiseführer erwähnten Touristenattraktion gemacht.
- Datum 04.01.2010 - 14:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01
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Wieso passt "Unterneger" nicht zum kosmopolitischen Anspruch? Außerdem haben wir auch noch Mittel- und Oberneger! (und nach Faulebutter, Ober- und Niederholzklau und Kuckuck ist es nicht weit...) Den schönen Ortsteil Fickenhütten hat die Nachbarstadt Siegen leider wegfusioniert.
Durch Hof fließt die Sächsische Saale, ein Nebenfluss der Elbe. Die fränkische Saale ist ein Nebenfluss des Mains in Unterfranken.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fränkische_Saale
http://de.wikipedia.org/w...
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