Varieté im Elsass Kirr RoyalSeite 3/3
Seine Geschäftsreisen führen Meyer durch die ganze Welt: Shows ansehen, Tänzerinnen verpflichten. Zwischen 1,73 und 1,80 Meter groß müssen sie sein, schlank und schön und mit diesem wattstarken Lächeln, das bis in die hintersten Reihen dringt. »Anfangs war ich sehr eifersüchtig«, gibt seine Frau zu. Wie soll man das nicht sein, wenn der eigene Mann ständig von mehr oder weniger nackten Frauen umgeben ist? »Wäre er ein Playboy, dann wäre ich natürlich verloren.« Aber zum Glück sei er das nicht. »Mein Mann ist sehr korrekt.« Cathy Meyer steht am Theateraufgang an der Empore in einem hoch geschlitzten schwarzen Kleid, das ihre langen Beine gut zur Geltung bringt. Die eine Hand liegt auf einem Goldtischchen, die andere deutet auf ein Wandgemälde, das ihren Mann mit einem Kaninchen in der Hand zeigt und sie selbst mit ihrem Pudel.
Cathy Meyer hat die Einrichtung des Royal Palace entworfen: die Bar in Karussellform, die als Chaiselongue verkleideten Bühnenlautsprecher, die gemalten Tiger, die mit glimmenden Augen von den Wänden grüßen. »Dekorieren ist meine Leidenschaft«, sagt sie mit knallrot geschminkten Lippen. »Das hat man, oder man hat es nicht.«
Gegen Mitternacht, als Kirrwiller bereits in tiefem Schlaf liegt, kommt das Publikum des Royal Palace bei der Abendshow in den Genuss einer ebenso vertrauensvollen Künstlerehe. Am Hochtrapez hängt Elena an ihrem Gatten Vadim, den sie vom Moskauer Staatszirkus kennt. Ein Bein hat sie an seinem linken Fuß eingehängt. Sollte er jetzt einen Krampf bekommen, würde dies das Ende ihrer Partnerschaft bedeuten. Sie arbeiten ohne Netz, »mit nichts unterm Arsch«, wie Elena später sagt. Sie verschlingen sich in luftiger Höhe ineinander und lösen sich, einander nur noch wie von ferne berührend. Eben noch getragen von Vadim, lässt sich Elena in die Tiefe fallen und wird im letzten Moment gefangen – um kurz darauf im Spagat auf Füßen Vadims zu ruhen.
»Vous nous avez fait rêver!«, sagen die Gäste am Ausgang zu Meyer und schütteln ihm die Hand. »Sie haben uns träumen lassen!« Dann treten sie hinaus in die Nacht, rauchen auf dem Weg zum Reisebus noch hastig eine Zigarette und verlassen dann einen Ort, den sie nie kennengelernt haben. Und Madame Bonville wird, wie immer, auf den neuen Parkplatz schimpfen und traurig sein, dass durch das offene Fenster so wenig Leben dringt.
© ZEIT Grafik
Information Kirrwiller
Anreise: Mit dem Pkw auf der A5 Karlsruhe–Basel bis Baden-Baden. Weiter auf der B500 Richtung Iffezheim/Paris bis Beinheim, dann auf der A4 bis Mommenheim und den Schildern Richtung Kirrwiller folgen
Royal Palace: F-67330 Kirrwiller, Tel. 0033-388707181, www.royal-palace.com. Tickets für die Shows zwischen 20 und 37 Euro. Vor den Shows kann man zwischen acht Menüs wählen (Preise von 21 bis 47 Euro). Es gibt zwei Restaurants: das Le Majestic mit 800 Plätzen und das Le Versailles mit 150 Plätzen. Ermäßigung für Gruppen ab 30 Personen
Auskunft: L’Office de Tourisme du Pays de Hanau, Tel. 0033-388892345, www.tourisme-hanau-moder.fr
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- Datum 31.12.2009 - 11:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01
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solche Varieté-Hochburg im wunderschönen Süden des Elsass. Nix wie hin. http://kallewestrich.blog...
Sehr geehrter Herr Wenderoth,
als Schwester von Pierre Meyer habe ich Ihren Artikel mit Freude und Amusement gelesen. Er trifft recht genau auf das Geschehen im Royal Palace und in Kirrwiller zu. Mein Bruder hatte viel Mut als er das Geschäft von unseren Eltern übernahm und es mit viel Fleiß und unternehmerischer Weitsicht zum heutigen Erfolg führte.
Vielen Dank für den Bericht.
Mit freundlichen Grüßen
Marie-France Meyer
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