Biologie Generation Genom

Das Zeitalter der Biologie hat gerade erst begonnen.

Die DNA ist hier in einem Schmuckstück verpackt – als weiße Flocken schwimmend im Alkohol. Bald ist es aber auch für jeden mögich, die Buchstaben seines genetischen Codes genau zu kennen.

Die DNA ist hier in einem Schmuckstück verpackt – als weiße Flocken schwimmend im Alkohol. Bald ist es aber auch für jeden mögich, die Buchstaben seines genetischen Codes genau zu kennen.

Das »Buch des Lebens« nannte der amerikanische Präsident Bill Clinton 2001 die Erstausgabe des entschlüsselten menschlichen Erbguts. Am Ende des Jahrzehnts befindet sich das Buch immer noch im Lektorat. Bis heute mühen sich Forscher, Lücken im Text zu füllen und Übersetzungsfehler auszumerzen. Statt letzte Antworten zu geben, hat das Genom neue Fragen aufgeworfen – was zur Jahrtausendwende als historische Großtat gefeiert wurde, ist heute wenig mehr als Geschichte.

Dennoch stellt das Genomprojekt eine Zäsur dar – nicht als Höhepunkt, wie Kommentatoren damals notierten, sondern als Beginn eines neuen Aufstiegs der Biologie. Noch nie hat ein Feld in so kurzer Zeit so viele – oft verstörende – Erkenntnisse geliefert: etwa die Einsicht, dass das genetische Individuum nicht existiert, dass der Organismus des Menschen vielmehr ein biologisches Mosaik darstellt. Und die lange Debatte, was schwerer wiege für die Prägung des Menschen, die Umwelt oder die Gene, hat sich aufgelöst. Die Genfunktionen eines Menschen sind ganz mechanistisch intim mit seiner Umwelt verkoppelt, vor allem mit seiner sozialen Umgebung; die genetische Innen- und Außenwelt bilden eine Einheit. Längst ist die Biologie also dabei, unsere philosophischen Vorstellungen von der Natur, dem Leben und uns selbst umzupflügen.

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Inzwischen beschleunigt der technische Fortschritt das Erkenntnistempo exponentiell. Man habe noch überhaupt nicht richtig angefangen, antwortete der amerikanische Genomexperte Matthew Meyerson auf die Frage nach der Zukunft der Biologie. In den Labors nehmen Wissenschaftler die molekulare Rekonstruktion der Evolution ins Visier, auch die vollständige Modellierung der Lebensvorgänge steht an.

Praktische Konsequenzen aber dürfte die Erkenntnisflut als Erstes in der Medizin haben. Am Ende der nächsten Dekade werden wir alle unser Erbgut kennen. Schon 2013 kommen Gendecoder auf den Markt, die ein komplettes Genom in Minuten auslesen können.

Doch wie soll eine Gesellschaft aussehen, in der über die biologische und seelische Konstitution jedes Einzelnen alles bekannt sein könnte? »Wir, die erste genomische Generation«, sagte der Genforscher George Church , »müssen die Regeln festlegen für die vielen Generationen, die uns folgen werden.«

Diese Ausgangslage für das kommende Jahrzehnt ist nicht beängstigend, sondern birgt Hoffnung. Das Urteil der Biologie ist nicht mehr: »Finde dich mit deinem Schicksal ab«, sondern: »Hier ist dein Schicksal, aber du kannst es ändern!«

 
Leser-Kommentare
  1. Zitat: "Und die lange Debatte, was schwerer wiege für die Prägung des Menschen, die Umwelt oder die Gene, hat sich aufgelöst."

    Diese Diskussionen habe ich inzwischen wieder verstärkter mit meinen Studenten. Vor allem das Wissen (oder Nicht-wissen wäre angebrachter) über epigenetische Programme fördert ein Denken (oder Glauben?), dass wir unserem genetischen Schicksal so oder so entkommen könnten.
    Nein, die Molekularbiologie beginnt langsam die klassische Genetik zu begreifen und zu realisieren, dass nicht die quantitativen Unterschiede, sondern die qualitativen entscheidend für den evolutionären Fortschritt sind.

    Und es wird eine neue Diskussion (sehr langsam, sehr versteckt, rein akademisch beginnend) über das, was Eugenik und das "Rassekonzept" des vorigen Jahrhunderts ausmacht, wo die ethischen und die naturwissenschaftlichen Grenzen liegen ....

    Wir verstehen bisher sehr wenig über genetische Programme, die Zukunft wird aber - ausgehend von unserem Genom - manche ethische Zumutung mit sich bringen und unser Menschenbild hinterfragen.

    • bibber
    • 29.12.2009 um 19:25 Uhr

    Der Mensch ist keine Maschine, und Gene sind nichts Absolutes und daher führt "Entschlüsselung" zu nichts weiter als Ausschüttung von Forschungsgeldern, solange Forscher es verstehen, Politikern glaubhaft zu machen, daß man etwas verstanden hätte. Leben ist Kommunikation, und solange das nicht verstanden wird, ändert sich nichts am "Schicksal". Das menschliche Wesen selbst bestimmt über Krankheit oder Heilung, Armut oder Reichtum, der Teil des Bewußtweins, der beharrlich von der Wissenschaft geleugnet wird, weil sonst das Weltbild zusammenzubrechen droht. Dieses "Über - Ich" bestimmt, wo es lang geht. Es läßt sich nicht bestechen, und das "Individuum" wird in etwa die Erfahrungen machen, die es sich für das Dasein in dieser Realität wünscht, soweit das vor der Inkarnation absehbar war.

  2. Und doch ist der Mensch eine Maschine. Wohl die perfekteste die die Natur je hervorgebracht hat.Kein Coumputer und keine Mechanische Maschine auf der Welt ist so ausgereift, so ineinander abgestimmt wie der menschliche Körper. Wenn man es so will, ein fast perfektes Kunstwerk in einer Welt voller Chaos. Und jetzt muss ich bibber wirklich wieder sprechen. Du kannst nicht Armut und Reichtum mit Krankheit und Heilung gleichsetzen. Für Armut und Reichtum ist wohl jeder selbst verantwortlich. Aber vererbte Krankheiten, dafür kann höchsten die Verwandtschaft oder Familie was. Für einen Herzfehler bin wohl kaum ich verantwortlich, eine Genetische Krankheit hätte ich nicht verhindern können. Ich kann schon tot sterbenskrank sein noch bevor ich das Licht der Welt erblickte. Und die Entschlüsselung unseres Erbgutes biet jetzt Möglichkeiten, wenn richtig genutzt, der Natur einen strich durch die Rechnung zu machen und selbst zu bestimmen wie gesund man selber ist. Wie gesagt, in den richtigen ``Händen`` ist das ein grandioses Instrument zur Selbsterhaltung und zum Überleben!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Für Armut und Reichtum ist wohl jeder selbst verantwortlich"

    Reichtum und Armut sind zum großen Teil Vorherbestimmt und haben mit Genen nichts zu tun. Was können ein kleiner Junge der heute in Somalia geboren wird oder ein Mädchen das in einem Land aufwächst in denen Frauen keine Bildung bekommen denn dafür das sie sehr wahrscheinlich ihr Leben lang arm sein werden. Da hilft ihnen ein Gen das sie vor Herzleiden schützt auch nichts.
    Und stellen Sie sich vor Sie verändern/heilen/entfernen die Gene die Depressionen und Epilepsie hervorrufen können.
    Anstatt eines F.M. Dostojewskij fürs 21.Jahrhundert "zeugen" Sie einen Briefträger Names Paul.
    (Nichts gegen Briefträger, aber einen neuen D. brauchen wir wohl dringender)
    Wir sind mehr als die Summe unserer Teile/Gene auch wenn sie ein großer Teil sind.
    Und der Natur kann man keinen Stirch durch die Rechnung machen. Die gewinnt am Ende. IMMER.

    "Für Armut und Reichtum ist wohl jeder selbst verantwortlich"

    Reichtum und Armut sind zum großen Teil Vorherbestimmt und haben mit Genen nichts zu tun. Was können ein kleiner Junge der heute in Somalia geboren wird oder ein Mädchen das in einem Land aufwächst in denen Frauen keine Bildung bekommen denn dafür das sie sehr wahrscheinlich ihr Leben lang arm sein werden. Da hilft ihnen ein Gen das sie vor Herzleiden schützt auch nichts.
    Und stellen Sie sich vor Sie verändern/heilen/entfernen die Gene die Depressionen und Epilepsie hervorrufen können.
    Anstatt eines F.M. Dostojewskij fürs 21.Jahrhundert "zeugen" Sie einen Briefträger Names Paul.
    (Nichts gegen Briefträger, aber einen neuen D. brauchen wir wohl dringender)
    Wir sind mehr als die Summe unserer Teile/Gene auch wenn sie ein großer Teil sind.
    Und der Natur kann man keinen Stirch durch die Rechnung machen. Die gewinnt am Ende. IMMER.

  3. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man in einer Diskussion über Genetik Begriffe wie Reichtum und Armut verwenden kann.
    Wieso kann ein Kind das in Burkina Faso geboren wurde etwas für seine Armut?
    Solche Vergleiche halte ich für höchst bedenklich.

  4. sie werden bei der geburt durchsequenziert. danach auf bekannte krankheiten gescreent.

    die pharmaindustrie hat sie direkt als kunden im visier, die krankenkasse wird sie nicht mehr versichern.

    wir hatten uns von der natürlichen selektion gelöst. nun selektieren wir uns selber.

    in 50 jhren wird es in den industrieländern nur gesunde menschen geben. und keine pharmaindustrie mehr.

  5. "Für Armut und Reichtum ist wohl jeder selbst verantwortlich"

    Reichtum und Armut sind zum großen Teil Vorherbestimmt und haben mit Genen nichts zu tun. Was können ein kleiner Junge der heute in Somalia geboren wird oder ein Mädchen das in einem Land aufwächst in denen Frauen keine Bildung bekommen denn dafür das sie sehr wahrscheinlich ihr Leben lang arm sein werden. Da hilft ihnen ein Gen das sie vor Herzleiden schützt auch nichts.
    Und stellen Sie sich vor Sie verändern/heilen/entfernen die Gene die Depressionen und Epilepsie hervorrufen können.
    Anstatt eines F.M. Dostojewskij fürs 21.Jahrhundert "zeugen" Sie einen Briefträger Names Paul.
    (Nichts gegen Briefträger, aber einen neuen D. brauchen wir wohl dringender)
    Wir sind mehr als die Summe unserer Teile/Gene auch wenn sie ein großer Teil sind.
    Und der Natur kann man keinen Stirch durch die Rechnung machen. Die gewinnt am Ende. IMMER.

  6. Was fuer ein ueberfluessig langer Artikel!

    Drei Saetze haetten gereicht:
    1. Die Entschluesselung des Genoms ist Anfang einer Entwicklung.
    2. Bald haelt jeder sein eigenes Genom in der Hand.
    3. Wie werden wir damit umgehen?

    • q123
    • 30.12.2009 um 15:33 Uhr
    8. Wie?

    "in der über die BIOLOGISCHE und SEELISCHE Konstitution jedes Einzelnen alles bekannt sein könnte?"

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