Nicht viel los zwischen den Jahren? Von wegen. In der Nacht vom ersten zum zweiten Weihnachtstag fielen gleich zwei Rekorde: Ein Sturm trieb im ganzen Land die Windräder an. Von 21 bis 2 Uhr morgens speisten sie fast 100.000.000 Kilowattstunden ins Netz, so viel wie 20 Atomkraftwerke bei Höchstleistung.

Gleichzeitig rutschte der Preis an der Leipziger Energiebörse tief ins Minus. 20 Cent pro Kilowattstunde musste ein Kraftwerksbetreiber am frühen Morgen des 26. Dezember draufzahlen, wollte er seinen Strom loswerden. Als der Sturm am Vormittag abflaute und die Elektroherde für den Festtagsbraten vorgeheizt wurden, stieg der Preis zwar wieder leicht ins Plus, im Tagesdurchschnitt blieb er aber trotzdem so weit unter null wie nie zuvor.

Jeder kann die Fieberkurven von Erzeugung und Preis im Internet verfolgen, eine Transparenzrichtlinie zwingt die Netzbetreiber seit Oktober zur Veröffentlichung der – zuweilen peinlichen – Zahlen. Der jüngste Negativrekord ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein Beleg für die Fehlentscheidungen der Stromkonzerne.

Viel zu lange haben sie den Aufschwung der Windenergie ignoriert. Statt mit intelligenter Netzsteuerung und neuen Speichern die stark schwankende Windenergie abzupuffern, haben sie neue unflexible Großkraftwerke geplant und kräftig für die Laufzeitverlängerung ihrer noch trägeren Atomkraftwerke getrommelt.

Gäbe es hier einen echten Markt, so käme die Unternehmen so viel Sturheit teuer zu stehen. Doch beim Strom zahlt der Endkunde doppelt: zunächst für die Erzeugung – und dann noch einmal für die Entsorgung der Überproduktion.

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