Liebeskolumne Muss sie pünktlich sein?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wie bindend sind Ordnungsliebe und Pünktlichkeit?

Die Frage: Linda und Werner sind zehn Jahre verheiratet und haben schon Höhen und Tiefen durchlebt, vor allem, weil Werner aus seiner ersten Ehe zwei Töchter hat, die sich bei ihm alles herausnehmen dürfen und auf die Linda immer wieder eifersüchtig ist. An einem Wochenende wollen Linda und Werner Golf spielen gehen. Werner, der immer früh aufsteht, möchte um neun Uhr aufbrechen, so ist es mit Linda vereinbart. Sie haben getrennte Schlafzimmer.

Um Viertel vor neun tappt sie schlaftrunken in die Küche, wo ein wütender Werner ihr eine Strafpredigt über ihre Unpünktlichkeit hält. »Du hättest mich doch wecken können!« – »Du bist doch kein Kind mehr!« – »Was regst du dich über die halbe Stunde auf, die wir später loskommen, ich beeile mich!« Am Ende bleibt Werner beleidigt zu Hause, Linda fährt allein los.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Pünktlichkeit gehört ebenso wie Ordnungsliebe zu den Eigenschaften, die bei Erwachsenen erstaunlich widerstandsfähig gegen Einflussnahme von außen sind. Einen liebevollen Umgang mit solchen Behinderungen zu erlernen ist viel förderlicher für eine Partnerschaft als Druck und der Vorwurf des Pünktlichen, der schon im Wintermantel zum Spaziergang bereitsteht, der Partner solle doch nicht ausgerechnet jetzt den verschwundenen Lippenstift suchen.

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Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Linda scheint gegen Werner zu trotzen, weil sie überzeugt ist, dass er einer seiner Töchter einen solchen Auftritt jederzeit verziehen hätte. Werner ist nicht weniger trotzig, wenn er Linda die Stütze und Fürsorge verweigert, die er seinen Töchtern schenkt. Eine Minute Weckdienst wiegt doch leichter als ein verdorbener Samstag.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. Nach zehn Jahren noch immer nicht gelernt, daß man gegen so etwas NICHTSer als NICHTS machen kann? Meine Herrn, Dann mach doch einfach als Aufbruchszeitpunkt 8.30 Uhr aus, damit Du um halb zehn mit den Autoschlüsseln klimpernd darauf warten kannst, daß sie in zehn Minuten kommt.
    Sorgen haben die Leute ... – wie will denn so was so lange verheiratet bleiben wie wir es mittlerweile sind: 35 Jahre?
    Der läßliche Umgang mit Zeitpunkten ist übrigens dominant vererbbar ;-))
    Wenn das eine "große Frage der Liebe" ist ... – Nee, nee, nee. Und dazu brauchen die einen "Paartherapeuthen". Was ist das eigentlich, eine Art Doppelgängerwesen, oder wie? Oder was?

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