Die Sonne scheint über Prosecco-Land. Eine zarte, etwas schüchterne Dezembersonne. Sie wärmt die Luft, von der sie hier sagen, sie sei frizzante, perlend. Das Mittagslicht fällt auf die frierenden Rosen im aufgeräumten Park der Villa Brandolini, einer blassgelb verputzten Grafenresidenz im venezianischen Stil hoch über dem Fluss Soligo in der Provinz Treviso. Hier liegt das Herz von Prosecco-Land, 20.000 hügelige Hektar zwischen den Kleinstädten Valdobbiadene und Conegliano.

»Valdobbiadene und Conegliano, Conegliano und Valdobbiadene«, seufzt Franco Adami. Er steht, ein Prosecco-Glas in der Rechten, auf der Terrasse der Villa Brandolini. »Zwei Orte mit langen Namen, wer soll sich das merken? Die Deutschen haben ja schon Probleme, Conegliano auszusprechen. Sie sagen Conekliano!«

Adami, ein drahtiger Endvierziger mit noch dunklen Locken über dem breiten Gesicht, ist Präsident des Prosecco-Konsortiums von Conegliano und Valdobbiadene, das in der Villa Brandolini residiert. Und er muss versuchen, diese beiden Orte bekannt zu machen. Genauso bekannt wie den Prosecco. Und das möglichst schnell. Denn am 1. Januar 2010, wenn der Rausch der Neujahrsnacht noch nicht ganz verflogen ist, ändern sich beim Prosecco die Regeln. Er darf dann unter diesem Namen nicht mehr irgendwo abgefüllt werden, sondern nur noch in der Nähe seiner Heimat im Nordosten Italiens. Das sollte Adami freuen. Tut es aber nicht so recht. Denn das designierte Prosecco-Gebiet reicht von Padua bis Triest. Es ist also um ein Vielfaches größer als das eigentliche Prosecco-Kernland mit den Winzern, die er vertritt. Damit sie nicht leer ausgehen, wird der Prosecco aus Conegliano-Valdobbiadene weinrechtlich aufgewertet.

»Er nennt sich dann superiore«, schnaubt Franco Adami. Das ist doch großartig, möchte man gratulieren. Superiore! Das heißt: besser. Aber Franco Adami winkt ab. »Unser Wein ist kein besserer Prosecco. Es ist schlicht der Original-Prosecco. Echter Prosecco kommt nur aus Conegliano und Valdobbiadene. Aus Valdobbiadene und Conegliano. Und basta.« Sagt’s und nimmt erst einmal einen Schluck zur Stärkung, der Vormittag in der Villa Brandolini war hart: Jahreshauptversammlung der Winzer.

Die Winzer finden nämlich, dass ihnen die Prosecco-Welle der letzten Jahre vor allem Ärger gebracht hat. Das Geld verdienten andere mit Billigabfüllungen en gros. In Deutschland, Österreich oder anderen barbarischen Ländern glaubten die Leute ja schon, Prosecco sei ein clever ausgedachter Fantasiename für alkoholhaltigen Sprudel aus der Fabrik. Dabei heißt so doch die alte Traubensorte, die fast nur hier wächst. Gepflegt und gekeltert von kleinen Familienbetrieben. 3850 Winzer teilen sich die 4830 Hektar Prosecco-Weinberge. Das macht pro Kopf 1,3 Hektar, gerade genug für 10.000 Flaschen im Jahr.