Rückblick Die Requisiten des Jahrzehnts
Fünf Alltagsdinge, die zum Symbol der "Nullerjahre" wurden.
Coffee to go
Entspannung in Hektik oder: Was vom öffentlichen Leben übrig bleibt
Der Mensch braucht eben etwas, woran er sich festhalten, besser noch festsaugen kann. Früher waren es meist Zigaretten, jetzt sind es bevorzugt Wasserflaschen mit Nippel und Papierkaffeebecher mit Löchlein im Plastikdeckel. Niemand darf, niemand will schlaff und matt erscheinen. Deshalb rennt die halbe westliche Menschheit durch die Straßen, als drohte immerzu Dürre, und sämtliche Cafés hätten geschlossen. Wer trinkt, ist fit – das ist das Signal. Wer Kaffee trinkt, der ist bei aller Fitness sogar gemütlich.
Wohl kein anderes Alltagsding symbolisiert die Paradoxien der letzten zehn Jahre besser als der Coffee-to-go-Becher. Er steht für das Verlangen nach Muße, befriedigt im Vorüberhasten. Für eine Entspannung in Hektik. Für den Genuss, den wir suchen – und im Pappbecher finden.
Das Coffee-to-go-Prinzip bedeutet: Alles ist mit allem vereinbar, alles kann überall geschehen. Das Sinfonieorchester im Ohr (MP3-Player), das Internet in der Hemdtasche (Smartphone), sitzen wir inmitten von Hochhäusern am Sandstrand (City-Beach) oder im tiefsten Winter unter freiem Himmel (Heizpilz) und erledigen in schönster Urlaubsstimmung (Cargo-Pants und Kapuzenpulli) unsere geschäftliche Korrespondenz (Laptop).
In diesem ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts haben wir endlich gelernt, mit der Beschleunigung der Moderne umzugehen. Wir machen es wie der Igel im Wettkampf mit dem Hasen: Wir sind immer schon da. Denn dieses »da« kann nun auch »hier« oder auch »dort« sein, jeder Platz ist so gut wie der andere. Die Stadt ist unser Wohnzimmer, und unser Wohnzimmer ist unser Büro, und unser Büro ist das Café, und das Café ist die Stadt – dank Coffee to go. So überholt man die Beschleunigung.
Je enger es wird mit unserer Zeit, desto weiter öffnen wir die Räume, so weit, dass es multiple Räume werden, in die alles hineinpasst, das Private wie das Öffentliche. Was sollen noch die alten Trennlinien? Grenzen sind dazu da, überwunden zu werden – geografische Grenzen (Billigflieger), persönliche Grenzen (Facebook), die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit (E-Mail).
Weil uns der spezifische Ort nichts mehr bedeutet, wird auch jede Art von Distanz bedeutungslos. Ganz selbstverständlich wird auch der schwerste Ehekrach per Handy im vollbesetzten Bus ausgetragen. Die Schamlosigkeit, die Enthemmung, nicht zuletzt die Gier, alles Zeichen der Entgrenzung. Man könnte auch sagen: alles Coffee-to-go-Symptome.
Doch gibt es auch die Gegenbewegung. Viele Menschen gehen auf Abstand, hinter grünen Metallgitterzäunen oder insektenhaften Sonnenbrillen. Manche begeistern sich für Slow Food, Slow Music oder Slow Art. Und wer sich mit dem ständigen Kaffeegenippe den Magen versäuert hat, der steigt um auf Smoothies – natürlich to go. Hanno Rauterberg
iPhone
Wie ein Telefon zur Welt-Fernbedienung wurde
Ein romantischer Dichter hat gesagt, es gebe nur zwei glückliche Arten des Lebens und man müsse sich entscheiden: Entweder man blicke von hoch oben auf die Erde hinab, sodass einen nichts von dem rühre, was dort unten geschieht; oder man lasse sich hinab- und hineinfallen in eine beliebige Ackerfurche und bleibe darin sein Leben lang, ohne sich für die Nachbarfurche zu interessieren.
Das iPhone verbindet beide Lebensformen: Man ist, dank seiner Navigationsfähigkeiten und dank der Zoom-Ästhetik von Google Earth, in einem rasenden Lift immerzu unterwegs zwischen dem Thron in den Wolken und der lehmigen Ackerfurche. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Nähe und Ferne, weil es keine Ferne mehr gibt. Sollte uns Franz Beckenbauer heute mit dem Spruch kommen, etwas interessiere ihn so wenig, wie wenn in China ein Fahrradl umfalle, so könnten wir ihm antworten: Franz, schau es dir an, das Fahrradl, auf deinem iPhone, ist es etwa weniger interessant als dein Fahrradl daheim in Kitzbühel?
Das iPhone schenkt dem Menschen endlich das, was er sich immer gewünscht hat: die Welt-Fernbedienung. Sie verschafft ihm den Rausch der Illusion, mit allen anderen im Modus des kontrollierten und schlagartigen Kontaktes zu verkehren. Sämtliche Wege, die er einschlagen könnte, hat dieses Gerät ihm gebahnt und berechnet. Was er je sehen könnte, hat es für ihn gesehen. Es war überall. Er darf hinterher.
An die Stelle des scharfen Nachdenkens über die Welt tritt das scharfe Betrachten der Welt, der Superzoom – ist er nicht wie der Blick eines ausruhenden Gottes? Wer die Welt mit Google Earth erobert, für den verlieren Begriffe wie Gemeinschaft, Nachbarschaft, Mitleid ihre Bedeutung. Ihm öffnen sich neue Wege der Erfahrung: die Welt-Stichprobe, der Augenblitz, der folgenlos in Rio oder Osaka einschlägt.
Wer sich früher in der Welt unheimisch fühlte, der sah sich als einsamer Seefahrer, als Vagabund oder Eremit. Wer sich heute fremd fühlt, der zieht sich zurück in seinen Ausguck über den Wolken. Er hat lange, mithilfe der TV-Fernbedienung, geübt, wie man sich aus verwickelten Verhältnissen heraushält. Nun hat er dafür ein viel besseres Instrument. Er muss nur eine Weile mit dem Google-Zoom zwischen Himmel und Erde hin und her rasen, und aller Schmerz verflüchtigt sich. Es gibt dann keinen Unterschied mehr zwischen der Nachbarschaft und der Fremde. Es gibt nichts mehr, was »hinten, weit« wäre, wie Faust im Osterspaziergang die Türkei beschrieben hat. Es ist jetzt alles gleich weit weg, es ist alles: dort unten.
Wir sehen der eigenen Gattung nicht mehr ins Gesicht, sondern auf den Scheitel. Der iPhone-Besitzer ist der allwissende Betrachter, die Sonne seiner eigenen Erde. Aber er ist eine ziemlich kalte Sonne. Peter Kümmel
Ritalin
© Joe Raedle/ Getty Images
Über die erstaunliche Karriere eines Betäubungsmittels
Das ist Gewohnheitssache. Als das Jahrzehnt noch frisch war, hatten sich viele an die hilfreichen Pillen mit dem Wirkstoff Methylphenidat noch gar nicht gewöhnt. Die sollten besonders auffällige Kinder einnehmen, etwa in Form des Produkts Ritalin, um nicht durch Unruhe aufzufallen, weder im Unterricht noch bei den Eltern zu Hause.
Die Erwachsenen wollten, dass sich die anstrengenden Kinder nicht durch anhaltendes Rumzappeln entspannen, sondern lieber leise, mit Pille, wenn schon sonst nichts half, um die Ruhigsitzernorm zu erfüllen. Seinerzeit haben auch Fachleute vor Missbrauch gewarnt, diese Psychomedizin sei in ihren Nebenwirkungen nicht gut erforscht, und ob es nicht klüger wäre, den Kindern mehr Auslauf im Freien zu lassen, einen geregelten Tag einzurichten und sie mit weniger Lärm-, Zucker- und Medienmüll zu bewerfen.
Dann aber haben sich wohl immer mehr Eltern das Hilfsmittel von ihren Kleinen probehalber mal ausgeliehen. Die Pillen fallen unter das deutsche Betäubungsmittelgesetz, so leicht also bekommt sie ein Gesunder gar nicht verschrieben. Man konnte unterdessen erfahren, dass solche Konzentrationsförderungshilfen in den amerikanischen Universitäten den Leistungswilligen auf die Sprünge halfen.
Und wie sie halfen: umgehend! Schneller als Wellness. Die Zeit im gestrigen Sinne des Wortes, also die langsam Moment für Moment verstreichende Zeit, die man für die Ruhe der Seele, für inneren Abstand braucht, hatte im neuen Möglichkeitsterrorjahrzehnt keiner mehr. Außer denjenigen Menschen, für die unter Kindern das Wort »Loser« die Runde machte. Die anderen hatten es eilig, sehr eilig, und wollten dabei doch ganz entspannt wirken; schneller als mit Ritalin lässt sich Konzentration kaum bekommen, schon gar nicht für Geld.
Inzwischen, zum Ende des Jahrzehnts, haben Wissenschaftler in der führenden Zeitschrift Nature argumentiert, es sei eine Frage der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit in Bildungsangelegenheiten, diese Stimulanzien freizugeben. Sonst könnten nur die Gedopten und Begüterten im Wettbewerb reüssieren, und die Selbstverbesserungskunst des Menschen sei schließlich nichts Neues; zudem kam ein schönes Wort für die mentale Optimierung in die Welt, »Neuro-Enhancement«, und das klang nun auch nicht mehr so provinziell-pädagogisch wie »Konzentrationsförderung«. Es klang eher weltläufig, wie »Da geht noch was«.
Etwa so muss es wohl gekommen sein, dass allein von 1999 bis 2008 in Deutschland die Zahl der jährlich verordneten Tagesrationen an Methylphenidat von acht auf 53 Millionen gestiegen ist. Die Pharmaindustrie sähe Ritalin gern auch für Erwachsene zugelassen, der Markt an Gesunden ist ja noch größer als der an Kranken. Dann würde man zwar eine Art pharmazeutischer Fußfessel tragen. Aber die sieht ja keiner. Elisabeth von Thadden
© Porsche

Porsche Cayenne
Porsche Cayenne
Die Zeit verlangt nach privatem Katastrophenschutz – auch im Auto
Zugegeben, Freizeitjeeps sind keine neue Erfindung. Doch nach den Terroranschlägen vom 11. September sprinteten sie in der Zulassungsstatistik allen Normallimousinen davon. Bald war in den Vereinigten Staaten jedes zweite Auto ein Sport-Utility-Vehicle (SUV); vor allem der Hummer H2, die Straßenversion des US-Militärjeeps, verkaufte sich rasend gut, ein grobkantiges Monster, das aussieht, als solle sein Besitzer mit ihm ungebremst nach Bagdad durchbrechen.
Kurz darauf begann auch in Deutschland der Siegeszug übermotorisierter Streitwagen. Ein Porsche Cayenne zum Beispiel hat an die 500 PS unter der Haube und ein Drehmoment wie ein Schützenpanzer. Solche Kampfmaschinen wiegen gut 2,5 Tonnen, fahren schneller als der ICE zwischen Berlin und Hamburg und saufen fröhliche 20 Liter Erdöl auf 100 Kilometer. Nur ein Bruchteil dieser Wuchtbrummen hat jemals echten Naturkontakt; ihr out of area- Einsatz beschränkt sich aufs Niederwalzen feindlicher Stiefmütterchen beim paramilitärischen Einparkversuch im nachbarlichen Vorgarten.
Kein Mensch braucht dieses Schwermetall wirklich, aber es wird ja auch nicht für reale Zwecke gebaut, sondern für imaginäre. SUVs sind Helden der inneren Sicherheit, sie sind Vorkehrungen gegen die Weltangst. Im SUV verbarrikadiert sich das Humankapital auf der riskanten Fahrt zur Arbeit, und unsere neuen Mütter bringen Deutschlands künftige Leistungsträger damit 500 gefährliche Meter zur Krabbelgruppe.
Der Fahrer eines SUV rechnet dabei immer mit dem Schlimmsten. Er denkt nicht: »Alles wird gut«, er denkt: »Bald wird hier kein Durchkommen mehr sein.« Deshalb wittert er großes Unheil, wo noch gar keines ist: Tornados über Dinkelsbühl, Wildwasser in Wanne-Eickel, Vulkanausbrüche an Rhein-Main, Klimaflüchtlinge in Flensburg, einstürzende Neubauten, rutschende Abhänge. Kurzum, SUVs sollen vor jenen Naturereignissen schützen, die durch ihre massenhafte Verbreitung mit verursacht werden. Es sind Autos für Menschen, die wissen, dass die Welt nicht mehr zu retten ist. »Vergiss die Klimakonferenz, du schaffst es allein.«
Wenn der Citroën DS 19 (»Déesse 19«) für Roland Barthes die automobile »Göttin« des 20. Jahrhunderts war, dann ist ein Freizeitjeep der apokalyptische Reiter des 21. Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft, ein SUV rast präventiv vor ihr davon. Es ist ein Fluchtfahrzeug, ein privater Katastrophenschutz – es ist das Monument der panischen westlichen Seele im Zeitalter von Terror und Krieg, Bankrott und Klimakatastrophe. Gott sei Dank verfügen die Überlebenskolosse über Videobildschirme in den Kopfstützen. Wenn dann die lieben Kinder mit Mama und Papa wohlbehütet durch die Wildnis der späten Zivilisation rollen, können sie darauf schöne Filme sehen, zum Beispiel Wall-E: Der Letzte räumt die Erde auf. Thomas Assheuer
© dpa

Ein Kunde betrachtet im Verkaufsraum von "Manufactum" in Waltrop Badewannen
Manufactum
Ein Katalog, der zur Bibel der Neuen Bürgerlichkeit wurde
Dieses Jahrzehnt, man muss es ihm lassen, hat alle überspannten Erwartungen korrigiert. Es war das realistische Jahrzehnt. Damals, in den Schlusstagen des alten Jahrtausends, kannte die Welt nur eine letzte Sorge: ob die Computer den Datumssprung, den millennium bug, überstehen würden oder nicht. Wäre diese Klippe nur erst genommen, könnte es, egal, in welche Richtung, nur noch in die Zukunft gehen. Im neuen Jahrtausend, davon ging man aus, wäre die Vergangenheit endgültig eine Sache von vorgestern.
Aber es kam anders. Den manischen neunziger Jahren folgten die depressiven nuller. Nach dem Überschwang kam die Verzagtheit. Auf die New Economy folgte der 11. September. Statt digital-immaterieller Utopien erlebte der Immobilienmarkt einen Aufschwung. Krieg und Terror lehrten die Welt, dass die Spaßgesellschaft kein Globalisierungsmodell ist. Die ironischen Attitüden hatten ausgedient, Ernsthaftigkeit wurde wieder zur Tugend. Die nuller Jahre waren wie die Große Koalition, die sie hervorgebracht hatten: aus Not vernünftig.
Deshalb ist der Manufactum-Katalog ein Emblem dieses Jahrzehnts. In ihm schoss zusammen, was man in Zeitgeistdebatten unter dem Stichwort Neue Bürgerlichkeit diskutierte. Der Manufactum-Katalog buchstabierte das Wort »Wertigkeit« gleichsam in handgesetzten Bleilettern: eine Apotheose der Beständigkeit vor der Folie einer Welt in rasendem Verfall. Jedes Produkt sollte aussehen, als sei es ein Objekt gewordener Generationenvertrag: Dauer im Wechsel oder, wie es im Katalog heißt, Produkte, die »mit der Zeit an Mehrwert gewinnen«. Bei Manufactum bekamen Gebrauchsgegenstände einen Stammbaum. Hier konnte der mobile Zeitgenosse sein Notebook in »altsämisch gegerbtes Hirschleder« verstauen.
Allerdings war der Manufactum-Katalog auch ein Kampfbegriff: Mit ihm argumentierten jene, die in der Neuen Bürgerlichkeit vor allem die neokonservative Tendenzwende sehen wollten. Ihnen musste alles daran gelegen sein, Bürgerlichkeit als Spießertum zu entlarven. Während die Freunde der Neuen Bürgerlichkeit diese im Sinne von mehr Eigenverantwortung, mehr Zivilgesellschaft und mehr Formbewusstsein definierten: als ästhetische Erziehung gegen Luschigkeit und für Zivilität.
Im Rückblick aber muss man zugeben: Die Neue Bürgerlichkeit kam just in dem Moment auf, als die Gesellschaft entdeckte, dass sie einen unteren Rand hat. Wie über ein exotisches Tier im Zoo beugten wir uns über die Unterschicht und ihre fremdartigen Fernsehgewohnheiten. Gegen diese Abgrundperspektive machte die Neue Bürgerlichkeit – und insofern hatte sie wirklich etwas Defensives – mobil: Klavierunterricht und Tanzstunde sollten Supernanny und Schuldnerberatung ersetzen. Ijoma Mangold
- Datum 31.12.2009 - 17:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2009 Nr. 01
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To-Go-Kaffeebecher, omnipräsente Wasserflasche, iPhone, Viagra/Ritalin, SUVs,Lifestyle-Kram,..
dienen vor allem den Großkonzernen, die mit industriellen Massenprodukten, die Masse zum Geldausgeben bringen.
Der Kunde selbst will schliesslich nicht irgendein Produkt vom einheimischen Mittelstand, nein ein statusträchtiger globaler Brand muss her. Am Beispiel der SUVs wird es deutlich: Protz-Image geht auch stets vor Tauglichkeit und Nutzen.
Nur, wo ist das Problem, privater Konsum ist doch gut für die Volkswirtschaft?
Ja, das war einmal so. Inzwischen wandern die großen Gewinne aber ins Ausland ab.
Hat der Normalverbraucher nicht genügend Einkommen für den Lifestyle Konsum: Kein Problem, wichtig ist, dass der Kunde kauft, eine geschönte Finanzierung schwemmt noch höhere Margen ans Großkapital heran.
Unsere Eitelkeit muss ständig getriggert werden, die Vernunft wird im großen Stil sediert. Der Anteil der Marketingkosten dieser Produkte ist im Verhältnis zu den reinen Produktionskosten deswegen auch meist gigantisch. Es würden sich noch hunderte andere Beispiele finden, eines ist allen gemeinsam: die Schwächen des Menschen werden effizienter denn je ausgenützt.
Warum ist das so, wer ist schuld? Die Bösen Großindustriellen?
Niemand, es handelt sich hier nur um eine Ausprägung der Tatsache, dass unsere biologische Grundausstattung anscheinend nicht wirklich für ein neuzeitliches Leben 3.0 geeignet ist. Es ist eine von vielen fast unheilbaren Krankheiten der Menschheit.
Vorab: ich fahre kein SUV und werde es wohl nie tun.
Die SUV-Mode kam (wie so viele Moden) aus den USA. Das liegt an den Hollywood-Filmen, die auch hier von den Teenagern gesehen werden. Diese kopieren, was sie dort sehen und Erwachsene, die als jugendlich gelten wollen, kopieren die Teenager.
Schauen wir uns also an, wie die SUV-Mode in den USA entstand. Das war lange vor 9/11 und der Auslöser waren paradoxerweise zwei verfehlte Umweltschutzmassnahmen.
Es fing damit an, dass in den USA ein absurd niedriges Tempolimit auf Highways eingeführt wurde. Wenn man im Sportwagen nur noch hinter den Lkws hinterhertrotteln konnte, warum dann ein kleines leichtes schnelles Auto fahren?
In der Folgezeit stiegen immer mehr Amerikaner auf Autos um, die viel größer und schwerer waren als ihre ohnehin schon ziemlich dicken Limousinen. Vans, SUVs und PickUps setzten sich im Alltag durch. Der niedrige Spritpreis war dabei sicher förderlich.
Der amerikanische Benzinverbrauch stieg also wegen des Tempolimits ungebremst weiter (und nicht trotz des Tempolimits, wie manche glaubten), also musste man noch etwas tun. Man machte einen weiteren Fehler: man führte die Flottenverbrauchsregelung für Pkw ein.
Da die Höchstgeschwindigkeit durch das Tempolimit eh belanglos war, achteten Amerikaner beim Autokauf besonders auf die Beschleunigungswerte im unteren Geschwindigkeitsbereich. (weiter in Teil2)
Bei den flottenverbrauchskonformen Pkw der ersten Serien waren die miserabel. Die Käufer wechselten verstärkt von Pkw zu Lkw-ähnlichen Fahrzeugen, für die der Flottenverbrauch nicht galt. Seitdem dominieren dort SUVs, Vans und PickUps das Strassenbild - und eben auch die verfilmte Traumwelt aus Hollywood.
Für mich sind die SUVs eine reine Modeerscheinung, etwa vergleichbar mit der Mode, in der City in Wanderschuhen herumzustiefeln, obwohl es dort weder Schmutz noch Geröll auf den Bürgersteigen gibt. Wir mögen es für unsinnig halten, wir werden es nicht ändern können. Vielleicht gelingt aber etwas Anderes: verhindern, dass unsere Umweltschützer die gleichen Fehler machen wie ihre Kollegen in den USA. Falls es dafür nicht auch schon zu spät ist.
Vorab: ich fahre kein SUV und werde es wohl nie tun.
Die SUV-Mode kam (wie so viele Moden) aus den USA. Das liegt an den Hollywood-Filmen, die auch hier von den Teenagern gesehen werden. Diese kopieren, was sie dort sehen und Erwachsene, die als jugendlich gelten wollen, kopieren die Teenager.
Schauen wir uns also an, wie die SUV-Mode in den USA entstand. Das war lange vor 9/11 und der Auslöser waren paradoxerweise zwei verfehlte Umweltschutzmassnahmen.
Es fing damit an, dass in den USA ein absurd niedriges Tempolimit auf Highways eingeführt wurde. Wenn man im Sportwagen nur noch hinter den Lkws hinterhertrotteln konnte, warum dann ein kleines leichtes schnelles Auto fahren?
In der Folgezeit stiegen immer mehr Amerikaner auf Autos um, die viel größer und schwerer waren als ihre ohnehin schon ziemlich dicken Limousinen. Vans, SUVs und PickUps setzten sich im Alltag durch. Der niedrige Spritpreis war dabei sicher förderlich.
Der amerikanische Benzinverbrauch stieg also wegen des Tempolimits ungebremst weiter (und nicht trotz des Tempolimits, wie manche glaubten), also musste man noch etwas tun. Man machte einen weiteren Fehler: man führte die Flottenverbrauchsregelung für Pkw ein.
Da die Höchstgeschwindigkeit durch das Tempolimit eh belanglos war, achteten Amerikaner beim Autokauf besonders auf die Beschleunigungswerte im unteren Geschwindigkeitsbereich. (weiter in Teil2)
Bei den flottenverbrauchskonformen Pkw der ersten Serien waren die miserabel. Die Käufer wechselten verstärkt von Pkw zu Lkw-ähnlichen Fahrzeugen, für die der Flottenverbrauch nicht galt. Seitdem dominieren dort SUVs, Vans und PickUps das Strassenbild - und eben auch die verfilmte Traumwelt aus Hollywood.
Für mich sind die SUVs eine reine Modeerscheinung, etwa vergleichbar mit der Mode, in der City in Wanderschuhen herumzustiefeln, obwohl es dort weder Schmutz noch Geröll auf den Bürgersteigen gibt. Wir mögen es für unsinnig halten, wir werden es nicht ändern können. Vielleicht gelingt aber etwas Anderes: verhindern, dass unsere Umweltschützer die gleichen Fehler machen wie ihre Kollegen in den USA. Falls es dafür nicht auch schon zu spät ist.
Vorab: ich fahre kein SUV und werde es wohl nie tun.
Die SUV-Mode kam (wie so viele Moden) aus den USA. Das liegt an den Hollywood-Filmen, die auch hier von den Teenagern gesehen werden. Diese kopieren, was sie dort sehen und Erwachsene, die als jugendlich gelten wollen, kopieren die Teenager.
Schauen wir uns also an, wie die SUV-Mode in den USA entstand. Das war lange vor 9/11 und der Auslöser waren paradoxerweise zwei verfehlte Umweltschutzmassnahmen.
Es fing damit an, dass in den USA ein absurd niedriges Tempolimit auf Highways eingeführt wurde. Wenn man im Sportwagen nur noch hinter den Lkws hinterhertrotteln konnte, warum dann ein kleines leichtes schnelles Auto fahren?
In der Folgezeit stiegen immer mehr Amerikaner auf Autos um, die viel größer und schwerer waren als ihre ohnehin schon ziemlich dicken Limousinen. Vans, SUVs und PickUps setzten sich im Alltag durch. Der niedrige Spritpreis war dabei sicher förderlich.
Der amerikanische Benzinverbrauch stieg also wegen des Tempolimits ungebremst weiter (und nicht trotz des Tempolimits, wie manche glaubten), also musste man noch etwas tun. Man machte einen weiteren Fehler: man führte die Flottenverbrauchsregelung für Pkw ein.
Da die Höchstgeschwindigkeit durch das Tempolimit eh belanglos war, achteten Amerikaner beim Autokauf besonders auf die Beschleunigungswerte im unteren Geschwindigkeitsbereich. (weiter in Teil2)
Bei den flottenverbrauchskonformen Pkw der ersten Serien waren die miserabel. Die Käufer wechselten verstärkt von Pkw zu Lkw-ähnlichen Fahrzeugen, für die der Flottenverbrauch nicht galt. Seitdem dominieren dort SUVs, Vans und PickUps das Strassenbild - und eben auch die verfilmte Traumwelt aus Hollywood.
Für mich sind die SUVs eine reine Modeerscheinung, etwa vergleichbar mit der Mode, in der City in Wanderschuhen herumzustiefeln, obwohl es dort weder Schmutz noch Geröll auf den Bürgersteigen gibt. Wir mögen es für unsinnig halten, wir werden es nicht ändern können. Vielleicht gelingt aber etwas Anderes: verhindern, dass unsere Umweltschützer die gleichen Fehler machen wie ihre Kollegen in den USA. Falls es dafür nicht auch schon zu spät ist.
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