Vor Jahren war ich eine Zeit lang in den USA. Am Tag vor meinem Rückflug nach Deutschland drückte mir ein Bekannter ein Buch in die Hand mit einem sehr esoterisch anmutenden Titel. Dazu sagte er: "Vielleicht treffen wir uns bald mal nachts?"

Was redet der?, fragte ich mich. Zu Hause legte ich das merkwürdige Buch in mein Regal und vergaß es. Vor einer Weile fing ich an, darin zu lesen. Es handelt von transzendentalen Reisen und außerkörperlichen Erlebnissen. Anfangs erschien mir das alles als völliger Humbug, aber in letzter Zeit bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich selbst solche Zustände erlebe.

Ich weiß, es klingt verrückt, doch immer häufiger gehe ich im Schlaf auf Reisen außerhalb meines Körpers. Der Zustand ist schwierig zu beschreiben, viele werden sagen: "Ach was, du hast geträumt." Aber diese Reisen fühlen sich anders an als Träume. Zum Beispiel spüre ich den Wiedereintritt in den Körper, ich wache dann wie mit einem Ruck auf. Danach ist die Erinnerung klar und detailliert, auch an Bilder und sogar an Gerüche. Sie ist oft intensiver als echte Erinnerungen.

An meine erste Reise erinnere ich mich deutlich. Ich irrte durch das Treppenhaus einer Ferienanlage, es waren kaum Menschen dort. Im Innenhof gab es einen Pool. Er zog mich an, ich spürte, irgendetwas war dort geschehen. Ein unheimlicher Ort. Über Monate bin ich immer wieder ungewollt dorthin gegangen.

Anfangs hielt ich die Reisen für Albträume, aber die Erinnerung nach dem Aufwachen war so klar, ich hätte genaue Zeichnungen der Orte anfertigen können. Ich habe nachgeforscht, ob ich als Kind an solchen Orten gewesen bin, es sich um verschüttete Erinnerungen handelt, aber ich habe keine Anhaltspunkte dafür gefunden.

Auf diesen Reisen komme ich mir immer etwas schwerfällig vor. Ich bin in einer Art Schwebezustand, kann meine Bewegungen schwer steuern. Meist irre ich durch Hausflure, leere Gassen oder Hinterhöfe. Es herrscht Dämmerlicht. Ich bin allein. Dann höre ich, dass sich jemand nähert. Ich bekomme Angst, aber sobald der Fremde mich erreicht hat, geht er an mir vorüber. Es ist nicht ganz klar, ob die Menschen, die ich während dieser Reisen treffe, wissen, dass ich da bin. Ich bin ein Beobachter, eine Art Hausgeist, ich sehe und höre den Menschen zu. Sie reagieren nicht auf mich. Sie benehmen sich, als sähen sie mich nicht. Andererseits spüre ich, dass sie sich meiner Anwesenheit bewusst sind. Als würde ich mich in einer leicht verschobenen Realität bewegen. Auf der einen Seite habe ich Angst vor Entdeckung, andererseits will ich dazugehören.

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