Marie-Elisabeth Schaeffler, Unternehmerin

Eine Zeit lang sah es so aus, als könnte auch sie alles verlieren. Als würde es ihr ähnlich ergehen wie der zwei Jahre jüngeren Madeleine Schickedanz, der Großaktionärin von Arcandor, die mit der Pleite von Karstadt und Quelle ihr ererbtes Vermögen fast gänzlich einbüßte.

Dabei ist die 68-jährige Unternehmerin Marie-Elisabeth Schaeffler aus einem viel härteren Holz geschnitzt als die scheue Quelle-Erbin. Die Schaeffler-Gesellschafterin, der 20 Prozent des Konzerns gehören, ist selbstbewusst, durchsetzungsstark, dabei aber auch beweglich. Ihr Sohn Georg, ein in den USA lebender Anwalt, der 80 Prozent an dem Wälzlagerkonzern hält, steht in ihrem Schatten.

Bei den Schaefflers stand es zu Jahresbeginn Spitz auf Knopf. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach drohte von seinen Schulden erdrückt zu werden. Im Juli 2008 hatte Schaeffler mit der Ankündigung überrascht, den dreimal größeren Continental- Konzern übernehmen zu wollen. Dessen Führung war perplex. Entscheiden mussten die Aktionäre, ihnen bot Schaeffler 75 Euro pro Papier.

Während das Übernahmeangebot lief, ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite. Es krachte an den Weltbörsen, und das Conti-Papier schmierte auf 20 Euro ab. Prompt überschütteten die Aktionäre Schaeffler mit Aktien, und die Familienfirma war verpflichtet, diese zu kaufen. Am Ende hatte Schaeffler ungewollt 90 Prozent von Conti und Bankschulden von mehr als 12 Milliarden Euro. Und das mitten in der Finanzkrise und vor dem Hintergrund einer miesen Autokonjunktur – ein Desaster.

Aus der schönen Multimilliardärin war eine "Königin ohne Land" (manager magazin) geworden, so schien es jedenfalls. Sie vergoss auch einige Tränen, allerdings der Rührung, nämlich darüber, dass 8000 Mitarbeiter in Herzogenaurach im Februar für die Familienfirma und Staatshilfe demonstrierten. Das kam gut an, zumal die gebürtige Österreicherin eine Daunensteppjacke trug und keinen Pelzmantel wie zuvor in Kitzbühel.

Es schien nur eine Frage der Zeit, dass die Banken oder Investoren den ganzen Laden übernehmen würden. Doch dann schaffte es Schaeffler doch noch, das Schuldenproblem zu entschärfen. Im August wandelten die Banken die kurzfristigen Kredite in langfristige um, die erst 2014 und 2015 getilgt werden müssen. Die Schaefflers hatten Glück im Unglück: Eine Pleite konnten sich auch die Banken nicht leisten. Anders als erwartet, übernahmen sie keine Unternehmensanteile. Das Sagen haben weiterhin Mutter und Sohn Schaeffler. Künftig sollen aber auch die Arbeitnehmer und die IG Metall mitbestimmen. Rüdiger Jungbluth