Mit alten Vorbehalten und Vorwürfen konfrontiert: US-Präsident Barack Obama © Mandel Ngan/AFP/Getty Images

Barack Obama war noch nicht im Weißen Haus angekommen, da musste er sich schon des Vorwurfs erwehren, in Fragen der nationalen Sicherheit zu unerfahren, zu liberal, zu weich zu sein. Nichts fürchteten er und seine Berater mehr als einen Terroranschlag. Denn der hätte noch im Wahlkampf viele Amerikaner in die Arme des kriegserprobten Konkurrenten John McCain getrieben. Deshalb ummauerte sich Obama vom ersten Moment an mit krisengestählten Beratern und berief als Präsident unverzüglich ein namhaftes Sicherheitsteam.

Die Bezichtigungen verstummten, in den vergangenen Monaten gelangen den Geheimdiensten und der Polizei einige spektakuläre Verhaftungen. Obama erhielt gute Sicherheitsnoten. Doch jetzt, da zu Weihnachten der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab um ein Haar ein Flugzeug der Northwest Airlines auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit in die Luft gesprengt hätte, tauchen die alten Vorbehalte und Vorwürfe wieder auf.

Doch Obama ist noch lange kein geklonter Bush.

Sie sind nach wie vor falsch. Obama ist mitnichten ein naiver Friedensapostel, den ein in letzter Sekunde vereiteltes Attentat brutal in die Wirklichkeit wirft. Seit er im Amt ist, führt er den Kampf gegen islamistische Terroristen mit aller Konsequenz, wenn auch mit weniger Kriegsgeschrei als sein Vorgänger und mit einem feineren Gespür für die Grenzen des Rechtsstaats.

Natürlich kann und muss man fragen, warum der Präsident und seine Berater zwei Tage brauchten, um der Öffentlichkeit die ganze Tragweite des vereitelten Anschlags zu erklären. Denn so gegenwärtig wie jetzt waren die Schrecken des 11. September 2001 in Obamas Amtszeit noch nie und so gegenwärtig auch nicht die schon vor Jahren in einem Untersuchungsbericht beklagten und bis heute nicht ausgeräumten Fehler in Amerikas Sicherheitsapparat. Es bleibt unbegreiflich und unentschuldbar, warum die bereits im Sommer abgehörte Nachricht über ein bevorstehendes Attentat eines jungen Nigerianers nicht mit der Warnung von dessen Vater vor dem radikalen Sohn zusammengeführt wurde. Doch die Gründe für dieses Versäumnis der Geheimdienste liegen nicht allein bei der Regierung Obama, sie reichen weit zurück in die Regierungszeit von George W. Bush und dessen Vize Dick Cheney. Deren Anhänger kümmert das wenig. Sie machen Stimmung gegen den Demokraten im Weißen Haus. Viel zu nachgiebig sei er gewesen; die Sicherheit des Landes liege bei ihm in schlechten Händen.

Nachgiebig gegenüber islamistischen Extremisten? Nicht dieser Präsident! Er weiß um die ständige Terrorgefahr. Wie das New York Times Magazine soeben berichtete, wollte eine Handvoll Somalier bereits bei der feierlichen Amtseinführung vor einem Jahr mit Bomben Tod und Chaos verbreiten. Der frischgebackene Präsident drohte deshalb am 20. Januar 2009 unmissverständlich: »Unsere Nation führt einen Krieg gegen ein weitreichendes Netzwerk der Gewalt und des Hasses, und wir werden alles tun, um es zu besiegen.« Und in seiner Osloer Dankesrede verkündete der Friedensnobelpreisträger Anfang Dezember: »Das Böse existiert in der Welt… Verhandlungen werden die Al-Qaida-Führer nicht davon überzeugen, ihre Waffen niederzulegen.«

Obama, der Meister des Wortes, redet nicht nur, er handelt auch. Um dem Terror Einhalt zu gebieten, entsendet er weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan und schreckt nicht vor gezielten Tötungen mutmaßlicher Attentäter zurück. Weit häufiger als sein Vorgänger lässt er Raketen auf sie abschießen und nimmt dabei auch den Tod Unschuldiger in Kauf, nicht nur in Afghanistan und Pakistan, sondern auch im Jemen und bald vielleicht in Somalia und anderswo. Das wiederum bringt seine linken Anhänger auf die Barrikaden. Hatte der neue Präsident nicht versprochen, radikal mit dem düsteren Erbe von Bush und Cheney zu brechen? Wollte er dem liberalen Amerika nicht seinen Stolz zurückgeben?