Debatte um Apps

Große Angst vor kleinem Service

Apps auf dem Handy: Die Verlegerzunft fühlt sich von den öffentlich-rechtlichen Sendern bedroht

Das Stück, das die Medienbranche derzeit für ein exklusives Publikum aufführt, erinnert ein wenig an den Auftritt einer Ameise, bei der man nicht so genau weiß, wie gefährlich sie ist. Sicherheitshalber wurden zur Vernichtung aber gleich mehrere Elefanten losgeschickt. Beim Versuch, die Ameise zu erwischen, trampeln sie sich gegenseitig auf den Füßen rum.

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Verleger von Zeitungen und Zeitschriften beschweren sich lautstark, auch in ihren eigenen Publikationen, sie schreiben Briefe an den Kulturstaatsminister und drohen mit rechtlichen Schritten. Das sind die Elefanten. Und die Ameise, das ist in diesem Fall eine kleine Handy-Applikation der ARD, die es noch gar nicht gibt.

Die nüchternen Fakten sind diese: Seit zwei Jahren kann man in Deutschland das iPhone kaufen, ein Spielzeug für Erwachsene mit nützlichen Funktionen. Schon mit anderen Handys war es möglich, im Internet zu surfen. Aber mit dem iPhone geht das schneller, einfacher, schicker. Der Computerkonzern Apple schaffte es, das iPhone zum must-have zu machen – und einen florierenden Markt für die sogenannten Applications (zu Deutsch: Anwendungen), kurz Apps, aufzubauen. Das können kleine Spiele mit hüpfenden Rüsselmonstern für 79 Cent sein, bei denen man mit dem Telefon hin- und herwackelt. Auch Praktisches ist im App Store zu haben, wie die kostenlose Anwendung der Bahn, die Preise und Verbindungen anzeigt. Oder Applikationen für Nachrichtenseiten, die an den kleineren Bildschirm angepasst werden.

Die Verlegerherzen lässt dieser neue Markt höherschlagen. Die Branche erlebt eine harte Zeit: große Verluste bei den Werbeeinnahmen im Kerngeschäft – hohe Ausgaben im Internet, wo aber kaum einer Geld verdient. Die Hoffnungen ruhen nun auf der mobilen Variante. Beim Handy sind es die Menschen gewohnt, Geld auszugeben, fürs Telefonieren, fürs SMS-Schreiben. Handynutzer sind daher womöglich auch weniger knauserig, wenn es darum geht, für die Angebote der Verleger zu zahlen, die sie ihnen bislang im Netz kostenlos serviert haben.

Die Verlage gehen unterschiedliche Wege. Gruner + Jahr will so schnell wie möglich viele iPhone-Nutzer gewinnen und bietet seine Apps der Onlineangebote von stern und Financial Times Deutschland seit dem Frühjahr für Nutzer kostenlos zum Herunterladen an. Dafür enthalten sie Werbung.

Andere Anbieter wollten nicht nur Reichweite, sondern auch Cash. Der Springer-Verlag ging Anfang Dezember mit einer Welt- und einer Bild- Applikation an den Start. Das Probierangebot der Bild kostet 79 Cent im Monat, später 1,59 Euro. Dafür bekommt man die komplette Printausgabe, die Onlineversion – und Gimmicks wie das Bild- Girl von Seite 1. Auf dem iPhone zieht es sich aus, pro Schüttler ein Kleidungsstück, dabei macht es »Uuuh«.

Unabhängig von einzelnen Inhalten war der Springer-Chef Mathias Döpfner stolz auf die Innovation, die Hoffnung machte auf neue Geschäftsmodelle im Jahr 2010. Doch dann schickte die ARD kurz vor Weihnachten ihre Ameise ins Rennen. Das geschah eher beiläufig. ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke gab der dpa ein Interview, in dem er gefragt wurde, ob er denn auch etwas fürs iPhone plane. Der NDR-Mann Gniffke antwortete wahrheitsgemäß mit Ja, eine Tagesschau- App sei angedacht.

 
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Leser-Kommentare

  1. 1. future

    das internet ist längst mobile . informationen unterhaltung alles überall und jederzeit das klassische fernsehen ist für mich längst ein oldie ---- will ard und zdf überleben in welcher form auch immer müssen sie auch auf meinem smartphone vertreten sein . die rundffunkgebühr bezahle ich doch schon . nix 2 mal cash !

    • 08.01.2010 um 9:15 Uhr
    • pRoth

    Kommunikationswandel
    von MARTIN OETTING

    http://carta.info/18043/k...

  2. Ich halte die Bemühungen der Öffentlich-Rechtlichen, in jedes neue Medium ihre Inhalte zu drücken, vor allem für eine Methode, die Rundfunkgebührenpflicht auszuweiten.

    Die bisherigen 7.3 Milliarden pro Jahr plus Werbeeinnahmen -- mein Gott, da verhungern ja die ersten Fernsehlieblinge!

  3. Daran zeigt sich nur, dass das Springer Geschäftsmodell fehlerhaft ist. Niemand kann doch ernsthaft einem Nachrichtenkanal verbieten, seine Inhalte auf egal welchem Medium anzubieten. Warum nicht kostenlos? Sender wie (insbesondere) arte, 3sat und (oftmals) die dritten sowie ARD und ZDF machen einfach ein qualitativ weitaus besseres Programm als die Privatsender. Gleichzeitig finde ich eine Zwangsabgabe schwierig, nur für den Tatort möchte ich nicht die zahlreichen Rentnersoaps mitbezahlen.

    • 08.01.2010 um 9:55 Uhr
    • iboo

    Schließlich sitzt der ärgste Konkurrent der Zeitungen im eigenen Haus: die eigenen Internetangebote. Denn was dürfte einen potenziellen Zeitungskäufer mehr vom Zeitungskauf abhalten als dass er das selbe kostenlos im WWW findet?
    Am wirksamsten wäre also ein Biss in den eigenen Schwanz. Doch davor hat selbst der schärfste Hund Beißhemmung.

  4. Zu überprüfen wäre die gebührenfinanzierte Grundversorgung an Information dahingehend, ob diese nur den Öffentlich Rechtlichen vorbehalten ist, bzw. durch sie getragen wird.
    Wäre es nicht zeitgemäß, ein deutschsprachiges Newsportal zu etablieren. Vom Charakter ähnlich dem der Wikipedia
    Eine deutschsprachige Wikinews. Sekundenaktuell, verlagsunabhängig und international aufgestellt/produzierend(siehe 3sat).
    Sie könnte von renomierten Journalisten, Reportern usw. besetzt sein.
    Alle; Verlage, ÖR und Blogger können darauf zugreifen und gegebenenfalls gegen Entgelt veredeln (z.B Verlagsportale usw.)

    Die Gebührenreform darf sich nicht nur an der Frage "empfangsbereiter" Geräten orientieren!

  5. wegen der Fummelei, die man mit ihnen hat. Wenn jetzt gerade 1 Mio unterwegs ist, sind das ja zur Hälfte Arme, die das Statussymbol kaufen. Die zahlen doch keine "Appssss"! Die Leute wollen nicht Unmengen Geld für Infos und Werbung in Medien ausgeben... die Zeiten ändern sich. http://viereggtext.blogsp...

    • 08.01.2010 um 11:11 Uhr
    • dcrabs

    Wenn die deutschen Medien mal den Hintern hochkriegen würden, hätten sie längst bemerkt, dass es Alternativen gibt. Warum ist das so kompliziert ein Abo für die neue Generation von E-Readern anzubieten wie Que und Skiff? Außerdem klagen doch alle, dass die Druckauflagen sinken. Gäbe es ein solches Angebot, würden sicher viele Leute es vorziehen so ein Gerät zu nutzen anstelle des winzigen Handydisplays.
    Aber es muss ja alles endlos diskutiert werden, bis man den Anschluss verloren hat.
    Ich bin jedesmal auf neue enttäuscht, wenn ich sehe, dass solche Geräte inklusive Zeitungsangebot bald in den USA erhältlich sind wir Europäer allerdings wieder warten müssen, obwohl manche Geräte sogar hier produziert werden. Aber das ist ein anderes Thema. Zum Glück ist das hier in Schweden zumindest mit der Akzeptanz und Einführung neuer Technologie anders, wenn auch solche Geräte verzögert erscheinen.

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