Debatte um Apps Große Angst vor kleinem Service
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Auf allen Kanälen senden

Die öffentlich-rechtlichen Sender könnten zwar, um ihre Wettbewerber zu besänftigen, ebenfalls Geld für ihre Apps nehmen – die EU-Kommission hat ihnen derlei durchaus zugebilligt. Die Gebührenzahler dürften dafür aber kaum Verständnis haben. Sie würden dann ja gleich zweimal zur Kasse gebeten, wenn sie die TV-Bilder auch hin und wieder über eine App anschauen wollen.

Für die ARD ist nicht die entscheidende Frage, ob sie einen Markt beschädigt, sondern auf welchen Kanälen sie vertreten sein muss, um nicht selbst den Anschluss zu verpassen. Noch stochern alle Beteiligten bei dem großen Für und Wider im Nebel. Die privaten Verlage wie auch private Fernsehsender suchen nach neuen Einnahmequellen, wo alte versiegen, viele Obere von ARD und ZDF wollen im mobilen Internet dabei sein, um zu verhindern, dass es sie in die mediale Bedeutungslosigkeit verschlägt.

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Diese Ängste sind nicht unbegründet. Der durchschnittliche Zuschauer von ARD und ZDF bewegt sich aufs Rentenalter zu, eine Verjüngung stünde den Sendern gut an. Dazu gehört ein entsprechendes Programm. Dazu gehört aber auch, auf Kanälen empfangbar zu sein, die junge Menschen nutzen. In Deutschland besitzen mittlerweile mindestens 1,2 Millionen Menschen ein iPhone. Die meisten von ihnen sind nicht arm und können sich wohl eine kostenpflichtige Nachrichten-App leisten. Das lässt sich dieser Tage schon an den Nutzerkommentaren im digitalen Einkaufsladen beobachten. Dort heißt es zum Beispiel unter der zum Jahresbeginn eingestellten Anwendung namens Sueddeutsche.de – Gold für 1,59 Euro (eine Basisversion gibt es umsonst): »Gute Nacht, Bild und Co. Dieses ist zurzeit die Referenz der etwas gehobenen Information!«

Die Nutzer werden viele Angebote testen. Was gefällt, setzt sich durch, vermutlich auch, wenn es etwas kostet oder mit Werbung verbunden wird. Das ist im Netz heute schon so. S piegel Online und Bild.de sind dort seit Langem Marktführer, obwohl ARD und ZDF mit ihren Websites werbefrei, aber eben weniger unterhaltsam vertreten sind.

Vermutlich ist die App-Debatte ohnehin nur ein mediales Warmlaufen für das, was noch kommt: die nächste ganz große Gebührendebatte. Im nächsten Sommer wollen sich die Ministerpräsidenten der Länder auf ein neues Modell für die Zeit von 2013 an einigen. Dabei wird sich auch klären, wie hoch die Pflichtabgaben für internetfähige Geräte, also Handy und Computer, sein werden. Oder ob die Zuschauer künftig eine Abgabe pro Haushalt zahlen müssen.

Zur Debatte steht dabei auch eine noch klarere Rollenverteilung als bisher. Mancher Medienpolitiker kann sich vorstellen, ARD und ZDF künftig beim Fernsehen wie schon beim Internet werbefrei zu halten. »Vielleicht gehen wir erst mal kleine Schritte in diese Richtung, da für fehlende Werbeeinnahmen ein Ausgleich geschaffen werden muss«, sagt Staatskanzlei-Chef Martin Stadelmaier.

Es geht ums Ganze, und da könnte sich die kleine App der Tagesschau noch als Fehler erweisen, weil sie die Gegner eint. NDR-Intendant Lutz Marmor jedenfalls möchte sich von den Werbeeinnahmen ungern trennen: »Ein Stück finanzieller Unabhängigkeit zu opfern erscheint mir schwierig.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. 1. future

    das internet ist längst mobile . informationen unterhaltung alles überall und jederzeit das klassische fernsehen ist für mich längst ein oldie ---- will ard und zdf überleben in welcher form auch immer müssen sie auch auf meinem smartphone vertreten sein . die rundffunkgebühr bezahle ich doch schon . nix 2 mal cash !

    • pRoth
    • 08.01.2010 um 9:15 Uhr

    Kommunikationswandel
    von MARTIN OETTING

    http://carta.info/18043/k...

  2. Ich halte die Bemühungen der Öffentlich-Rechtlichen, in jedes neue Medium ihre Inhalte zu drücken, vor allem für eine Methode, die Rundfunkgebührenpflicht auszuweiten.

    Die bisherigen 7.3 Milliarden pro Jahr plus Werbeeinnahmen -- mein Gott, da verhungern ja die ersten Fernsehlieblinge!

  3. Daran zeigt sich nur, dass das Springer Geschäftsmodell fehlerhaft ist. Niemand kann doch ernsthaft einem Nachrichtenkanal verbieten, seine Inhalte auf egal welchem Medium anzubieten. Warum nicht kostenlos? Sender wie (insbesondere) arte, 3sat und (oftmals) die dritten sowie ARD und ZDF machen einfach ein qualitativ weitaus besseres Programm als die Privatsender. Gleichzeitig finde ich eine Zwangsabgabe schwierig, nur für den Tatort möchte ich nicht die zahlreichen Rentnersoaps mitbezahlen.

    • iboo
    • 08.01.2010 um 9:55 Uhr

    Schließlich sitzt der ärgste Konkurrent der Zeitungen im eigenen Haus: die eigenen Internetangebote. Denn was dürfte einen potenziellen Zeitungskäufer mehr vom Zeitungskauf abhalten als dass er das selbe kostenlos im WWW findet?
    Am wirksamsten wäre also ein Biss in den eigenen Schwanz. Doch davor hat selbst der schärfste Hund Beißhemmung.

  4. Zu überprüfen wäre die gebührenfinanzierte Grundversorgung an Information dahingehend, ob diese nur den Öffentlich Rechtlichen vorbehalten ist, bzw. durch sie getragen wird.
    Wäre es nicht zeitgemäß, ein deutschsprachiges Newsportal zu etablieren. Vom Charakter ähnlich dem der Wikipedia
    Eine deutschsprachige Wikinews. Sekundenaktuell, verlagsunabhängig und international aufgestellt/produzierend(siehe 3sat).
    Sie könnte von renomierten Journalisten, Reportern usw. besetzt sein.
    Alle; Verlage, ÖR und Blogger können darauf zugreifen und gegebenenfalls gegen Entgelt veredeln (z.B Verlagsportale usw.)

    Die Gebührenreform darf sich nicht nur an der Frage "empfangsbereiter" Geräten orientieren!

  5. wegen der Fummelei, die man mit ihnen hat. Wenn jetzt gerade 1 Mio unterwegs ist, sind das ja zur Hälfte Arme, die das Statussymbol kaufen. Die zahlen doch keine "Appssss"! Die Leute wollen nicht Unmengen Geld für Infos und Werbung in Medien ausgeben... die Zeiten ändern sich. http://viereggtext.blogsp...

    • dcrabs
    • 08.01.2010 um 11:11 Uhr

    Wenn die deutschen Medien mal den Hintern hochkriegen würden, hätten sie längst bemerkt, dass es Alternativen gibt. Warum ist das so kompliziert ein Abo für die neue Generation von E-Readern anzubieten wie Que und Skiff? Außerdem klagen doch alle, dass die Druckauflagen sinken. Gäbe es ein solches Angebot, würden sicher viele Leute es vorziehen so ein Gerät zu nutzen anstelle des winzigen Handydisplays.
    Aber es muss ja alles endlos diskutiert werden, bis man den Anschluss verloren hat.
    Ich bin jedesmal auf neue enttäuscht, wenn ich sehe, dass solche Geräte inklusive Zeitungsangebot bald in den USA erhältlich sind wir Europäer allerdings wieder warten müssen, obwohl manche Geräte sogar hier produziert werden. Aber das ist ein anderes Thema. Zum Glück ist das hier in Schweden zumindest mit der Akzeptanz und Einführung neuer Technologie anders, wenn auch solche Geräte verzögert erscheinen.

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