Blickfang Eisige Weite
Olaf Otto Becker hat einige Mühe auf sich genommen. Monatelang stapfte er durch Grönlands Tiefschnee, nur von einer Satellitenkarte geleitet, und schlug sein Zelt auf Eisschollen auf. Für »Above Zero« erkundete der Fotograf das Inlandeis der Insel. Er zeigt eine weiße Weite, die im Sommer durchzogen wird von türkisblauen Bändern. Flüsse sprudeln aus Löchern, die die Sonne ins Eis gebrannt hat, fräsen sich ihren Weg, schäumend und gurgelnd. Über ihnen erstreckt sich ein Himmel, auf dem Becker keinen Sonnenstrahl duldet, nur Grau, das dem Blau der Flüsse nicht die Wirkung nimmt. Wo das Weiß schmilzt, legt es Ruß und Kohlenstaub frei, in Europa oder Amerika in die Luft geblasen, mit dem Schneefall auf Grönland niedergegangen.
In jedem Jahr werden die Flüsse tiefer und breiter. Viele der Fotos sehen aus wie Gemälde, sie enthalten bei aller Schönheit eine düstre Warnung: dass die eisige Weite bald vielleicht nur noch als von Künstlern erdachte Traumwelt existiert.
- Datum 07.01.2010 - 09:58 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.01.2010 Nr. 02
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren