Tobias M. Böckers, 45, Professor für Anatomie an der Universität Ulm

Dr. House ist wie geschaffen für eine Medizinvorlesung. Gregory House ist ein genialer, auf den ersten Blick menschenfeindlicher Experte für das Erkennen ungewöhnlicher Krankheiten. Meine Lieblingsfolge heißt Drei Beine, in ihr muss House zu seinem Unwillen selbst eine Vorlesung halten. Er erzählt seinen Studenten von drei früheren Patienten, die alle unter einem Beinproblem litten. Der eine hatte einen Schlangenbiss, der zweite eine Zerrung, dem dritten tat einfach der Muskel weh. Das ist die Stelle, an der wir den Ausschnitt abbrechen und die gesamte Beinanatomie wiederholen, die Gefäße, die nervale Versorgung. Dann geht es zum nächsten Ausschnitt: Ausgerechnet das Krankheitsbild, das alle, unsere Studenten wie auch die in der Serie, für harmlos hielten, ist das folgenschwerste – ein Kurzschluss zwischen Beingefäßen hat zu einer irreparablen Minderversorgung der Oberschenkelmuskulatur geführt. Der Patient wird bis an sein Lebensende hinken. Am Ende wird klar, dass der von House beschriebene Patient House selbst ist.

In seinem Ärger über die Fehldiagnosen seiner Studenten steckt tiefe Enttäuschung über das Versagen seiner Ärzte. So hilft die Serie nicht nur beim Wiederholen bekannten Stoffs, sondern macht unseren Studenten auch ihre eigene Begrenztheit und Verantwortung bewusst. Wir nutzen die Vorlesungen als Brücke zwischen vorklinischem Studium und Klinik, und obwohl sie freiwillig sind, kommen jedes Semester mehr als die Hälfte der Studenten regelmäßig. Dafür sind wir sogar mit dem Landeslehrpreis ausgezeichnet worden.