Schwedische Hochschule Sprichst du schon?
Abschlussarbeiten und Unterricht auf Englisch? Warum sich eine schwedische Hochschule um die Landessprache sorgt.

Ist die schwedische Sprache bedroht? Die Königlich Technische Hochschule in Stockholm
Die Königlich Technische Hochschule in Stockholm ist normalerweise kein Ort, an dem man sich gegen den Fortschritt sperrt. Ein Großteil der Ingenieure des Landes wird hier ausgebildet, und immerhin handelt es sich dabei um das Land, das Autofahrern durch Volvo und Saab unter anderem den Dreipunktgurt bescherte. Doch obwohl oder vielleicht gerade weil Saab und Volvo nicht mehr schwedisch sind und es wohl auch nicht mehr werden, denkt man an der technischen Eliteschmiede verstärkt über die Zukunft des Schwedischen nach. Über die Zukunft der schwedischen Sprache, wohlgemerkt.
Die meisten Abschlussarbeiten an der königlichen Ausbildungsstätte würden auf Englisch verfasst, und auch während der letzten Jahre der Masterstudiengänge zum Diplomingenieur werde nur noch Englisch gesprochen, so lässt es sich auf der Website der Tageszeitung Svenska Dagbladet nachlesen. Dieser Umstand und das vor einem halben Jahr in Kraft getretene schwedische Sprachgesetz hätten die Hochschule bewogen, ihre Sprachpolitik zu überdenken. Denn nicht immer seien die Professoren wirklich in der Lage, die von ihnen behandelte Materie auch in der fremden Sprache zu vermitteln. Und manchem Studenten bereite neben dem Maschinenbau auch der Satzbau Probleme.
Es wurde also Klartext gesprochen – ganz so, wie es das schwedische Sprachgesetz fordert. Das handelt von dem Recht auf die eigene Muttersprache und sieht vor, dass man in Schweden allen gesellschaftlichen Verrichtungen auch auf Schwedisch nachgehen können muss. Der Sprachrat, der über die Einhaltung der Vorschriften wachen soll, hat deswegen gerade die Schwedische Landwirtschaftsuniversität ermahnt, weil die eingehende Anträge auf Englisch einfordere. Angezeigt wurden aufgrund des neuen Gesetzes bislang aber vor allem übermütige Kommunen, die mit Anglizismen werben. Kristianstad, das den »Spirit of Food« beschwört, und Stockholm, das sich eigenmächtig zur »Capital of Scandinavia« erklärt. Außerdem erhielt gleich die ganze Regierung eine Rüge, weil sie unter englischen E-Mail-Adressen wie »...@education.ministry.se« erreichbar ist.
Es gibt Länder, in denen wünschte man sich Minister mit Fremdsprachenkenntnissen und Hochschulen, die außer dem Namen »University of Applied Sciences« auch die englische Sprache richtig anzuwenden in der Lage wären. Ein schwedischer Leserkommentar merkte denn auch an, dass all das Englisch auf schwedischen Straßen, sollte es vor allem für Touristen gedacht sein, Quatsch sei. Denn da ein Großteil der Touristen in Schweden Deutsche und diese sogar nach offiziellen Untersuchungen der englischen Sprache nicht mächtig seien, hielt der Kommentator es für angebracht, statt auf das Englische auf die Bevorzugung des Deutschen zu setzen.
- Datum 07.01.2010 - 10:34 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.01.2010 Nr. 02
- Kommentare 30
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Ich verstehe das ganze Herumlavieren nicht.
Die Sprache der Wissenschaft ist Englisch. Der Hintergrund ist einfach, dass es kaum noch zeitgemäß ist globale Forschung durch lokale Sprachunterschiede auszubremsen.
Englisch ist die Sprache die in der Wissenschaft am weitesten verbreitet ist und es ist Unsinn die Übersetzungskosten in Kauf zu nehmen, wenn sich alle Beteiligten auch einfach etwas anstrengen könnten und wenigstens eine Fremdsprache beherrschen würden. Zusätzlich ist Englisch allemal einfacher als Französisch oder Deutsch. Ich für meinen Teil würde einem Schwedischen Professor weniger zumuten wollen Deutsch zu lernen als Englisch.
Man sollte glauben, dass die Gräuel des 2. Weltkriegs zumindest im Westen den Nationalismus ausgetrieben hätte. Aber unter dem Deckmantel der Kultur und der Sprache gedeit er nach wie vor.
ohne sich selbst zu schaden.
Ich kenne die Arbeiten der schwedischen Agarforscher vermutlich nur, weil sie auf Englisch veröffentlicht wurden. Gute Arbeiten, die uns Zeit und Geld gespart haben. Wären sie auf Schwedisch publiziert worden, hätte ich sie weder gefunden noch verstanden. Nationalsprachen sind im zusammenwachsenden Europa Regionaldialekte.
Es sagt ja niemand etwas dagegen das Englisch notwendig ist, aber es wäre doch schön wenn man in seinem Sprachraum auch mit seiner Sprache keine Nachteile hat. Es würde doch schon ausreichen z.B. Sprachkurse für wissenschaftliches Englisches für die Studenten verpflichtend zu machen.
@ Ranjit: Da wird mal wieder versucht die Nazikeule auszupacken. Ich kann wirklich keine Verbindung zwischen dem Nationalsozialismus und der Forderung sein Studium in seiner Muttersprache machen zu dürfen, erkennen.
Nein, alles ist es nicht. Aber Sie haben in Ihrem eigenen Sprachraum schon jetzt Nachteile, wenn Sie nur auf die Muttersprache setzen. Deutschland war mal eine Exportnation, und wird es nach der Krise wohl wieder sein. Bewerbung im Exportgeschäft ohne Fremdsprache(n)?
Verteidigung der Nationalsprache / Sprachkurse nur für Studenten führt zu einer Teilung der Gesellschaften: Mehrsprachige mit Arbeit und (nur) Muttersprachler
-in Billigjobs
-als Staatsdiener oder
-ganz ohne Arbeit.
Aber achten wir doch auf Frankreich, das versucht, an seiner Sprache festzuhalten. Mal sehen, wie sich das mittelfristig auswirkt. Prognose: Abrutschen der franz Wissenschaft in Bedeutungslosigkeit, Wettbewerbsnachteile für franz Firmen (wer bestellt schon bei einer Firma, mit der er nicht kommunizieren kann?), Nachteile für franz Arbeitnehmer wegen mangelnder Sprachkenntnisse in Englisch, treffen tut es die Jungen zuerst: 18% Jugendarbeitslosigkeit in 2009.
Ein echtes Wachstumsbeschleunigungsgesetz wäre die schrittweise Umstellung auf Englisch als Amts- und Handelssprache.
Nein, alles ist es nicht. Aber Sie haben in Ihrem eigenen Sprachraum schon jetzt Nachteile, wenn Sie nur auf die Muttersprache setzen. Deutschland war mal eine Exportnation, und wird es nach der Krise wohl wieder sein. Bewerbung im Exportgeschäft ohne Fremdsprache(n)?
Verteidigung der Nationalsprache / Sprachkurse nur für Studenten führt zu einer Teilung der Gesellschaften: Mehrsprachige mit Arbeit und (nur) Muttersprachler
-in Billigjobs
-als Staatsdiener oder
-ganz ohne Arbeit.
Aber achten wir doch auf Frankreich, das versucht, an seiner Sprache festzuhalten. Mal sehen, wie sich das mittelfristig auswirkt. Prognose: Abrutschen der franz Wissenschaft in Bedeutungslosigkeit, Wettbewerbsnachteile für franz Firmen (wer bestellt schon bei einer Firma, mit der er nicht kommunizieren kann?), Nachteile für franz Arbeitnehmer wegen mangelnder Sprachkenntnisse in Englisch, treffen tut es die Jungen zuerst: 18% Jugendarbeitslosigkeit in 2009.
Ein echtes Wachstumsbeschleunigungsgesetz wäre die schrittweise Umstellung auf Englisch als Amts- und Handelssprache.
"Aber unter dem Deckmantel der Kultur und der Sprache gedeiht Nationalismus nach wie vor". Was soll denn das, das ist doch völligst daneben...... Den Artikel vielleicht doch noch einmal komplett lesen, den Empathieschalter auf ON und sich dann in andere Lebensbereiche einfinden, evt. noch aus Sicht verschiedener Bevölkerungs-/Altersgruppen, dann ist vielleicht Einiges verständlicher, nachvollziebarer?
Oder war der Kommentar reine Provo.....
Der Englischwahn wird sich genauso von selbst
erledigen wie der Privatisierungs oder Deregulierungswahn,
spätestens wenn sich chinesich "als Sprache der Wissenschaft"
etabliert.
Nein, alles ist es nicht. Aber Sie haben in Ihrem eigenen Sprachraum schon jetzt Nachteile, wenn Sie nur auf die Muttersprache setzen. Deutschland war mal eine Exportnation, und wird es nach der Krise wohl wieder sein. Bewerbung im Exportgeschäft ohne Fremdsprache(n)?
Verteidigung der Nationalsprache / Sprachkurse nur für Studenten führt zu einer Teilung der Gesellschaften: Mehrsprachige mit Arbeit und (nur) Muttersprachler
-in Billigjobs
-als Staatsdiener oder
-ganz ohne Arbeit.
Aber achten wir doch auf Frankreich, das versucht, an seiner Sprache festzuhalten. Mal sehen, wie sich das mittelfristig auswirkt. Prognose: Abrutschen der franz Wissenschaft in Bedeutungslosigkeit, Wettbewerbsnachteile für franz Firmen (wer bestellt schon bei einer Firma, mit der er nicht kommunizieren kann?), Nachteile für franz Arbeitnehmer wegen mangelnder Sprachkenntnisse in Englisch, treffen tut es die Jungen zuerst: 18% Jugendarbeitslosigkeit in 2009.
Ein echtes Wachstumsbeschleunigungsgesetz wäre die schrittweise Umstellung auf Englisch als Amts- und Handelssprache.
Ich arbeite nun schon ein Jahrzent im internationalen Umfeld, und aus Erfahrung kann Ich sagen: Nichts richtet so viel Schaden an, wie die vermeintliche Weltsprache Englisch. Da gibt es den nordenglischen Projektteilnehmer, der sein krudes Idiom ungefiltert auf Besprechungsteilnehmer aus 5 Kontinenten loslässt, ohne daß irgendjemand das geringste versteht, dann gibt es viel von Deutschen produzierte englische Projektdoku, die kein Engländer oder Amerikaner ohne 100 Rückfragen verstehen würde, besonders hervorzuheben sind aber Telefonkonferenzen, an denen Inder und/oder Chinesen teilnehmen, deren rudimentäre Ausdrucksweise trotz redlichen Bemühens nicht einmal zur zweifelsfreien Klärung der Tagesordnungspunkte reicht.
Dies Aussagen beruhen ALLE auf persönlichen Erfahrungen!
Es mag ja schön sein, wenn die Topmanager ihren Smalltalk auf Englisch abhalten können, sobald es aber konkret wird, ist Sense! Ich schätze den Anteil der Deutschen, die eine fachlich fundierte Aussage ohne Informationsverlust auf Englisch ausdrücken können, auf 1%. Und da lässt sich auch nicht mit ein paar Abendkursen Abhilfe schaffen!
Weltsprache Englisch? Das ist ein schlechter Witz!
Bis zum 18.Jahrhundert sprach die Wissenschaft lateinisch. Für kurze Zeit bestand sogar eine Chance für die deutsche Sprache, doch nun ist es endgültig Englisch, sogar in China. Eine Sprache kann es nur sein. Der Zug ist längst abgefahren.
Bis zum 18.Jahrhundert sprach die Wissenschaft lateinisch. Für kurze Zeit bestand sogar eine Chance für die deutsche Sprache, doch nun ist es endgültig Englisch, sogar in China. Eine Sprache kann es nur sein. Der Zug ist längst abgefahren.
So rum wird ein Schuh draus! Wenn man die Argumentation der Englischfans hier konsequent zuende denkt, dann sollte man sich doch an der aktuell wichtigsten Sprache orientieren.
Andererseits könnte man mit zwingender Logik noch andere nette Überlegungen anstellen:
Mit welchem Land hat Deutschland die meisten Handelsbeziehungen? Mit... Frankreich! Die USA sind vergleichsweise unwichtig für den deutschen Außenhandel!
Die restlichen englischsprachigen Länder noch weit weniger.
Welche Sprache wird in der EU relativ am häufigsten gesprochen? Deutsch! Englisch wird von der absoluten oder relativen Mehrheit weder beherrscht noch verstanden,
auch nicht als Fremdsprache.
Nehmen wir allerdings den Kontinent Europa, würde sich Russisch anbieten.
Wenn wir wiederum Deutschland betrachten, wäre die Sprache, die man am häufigsten nutzbringend einsetzen könnte, wohl das Türkische.
Daß Englisch die Weltsprache der Wissenschaft und der Fluglotsen ist, mag sein, aber der Anteil dieser Personen an der Bevölkerung bewegt sich unterhalb des Promillebereichs.
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