Schweizer Banken Die Stimmen von innen
Jahrzehntelang schien es undenkbar – nun packen Angestellte von Schweizer Banken aus. Warum? Ein Besuch bei Rudolf Elmer, der als Erster die Daten seiner Kunden verriet.
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Rudolf Elmer arbeitete für die Traditionsbank Julius Bär. 2003 entließ ihn die Bank
Vielleicht liegt es daran, dass es für gewisse Jobs eine gewisse Ernsthaftigkeit braucht. Vielleicht verführt diese Ernsthaftigkeit gewisse Männer dazu, mehr Fragen zu stellen als nötig. Und vielleicht wird dieses Grübeln dann zum Problem. Hervé Falciani ist so ein ernsthafter junger Mann, 37 Jahre alt, Franzose italienischer Herkunft, verheiratet, eine Tochter. Zuletzt gemeldet im Genfer Stadtrandquartier Acacias, Vierzimmerwohnung. Letzter Arbeitgeber: die HSBC Private Bank.
Für sie wurde Hervé Falciani ebenso zum Problem wie für die schweizerisch-französischen Beziehungen. Denn zwischen 2006 und 2007 kopierte der Informatiker sensible Daten, um sie dann, nach einer verwirrenden Odyssee, den Steuerbehörden in Paris sowie der Staatsanwaltschaft des Departements Alpes Maritimes zu übergeben. Tausende Schwarzgeld-Konten von französischen Bürgern flogen damit auf – ein kleiner Triumph für Frankreichs Budgetminister Eric Woerth; ein weiterer Ärger für den Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz; und neuer Sprengstoff für die Beziehungen zwischen Bern und Paris. Denn was Falciani tat, ist in der Schweiz illegal, und somit gelangten die verräterischen Disketten unrechtmäßig in die französischen Justizmühlen. Der Schweizer Bundesrat legte Ende Dezember das Doppelbesteuerungsabkommen mit Frankreich auf Eis. Hervé Falciani lebt heute unter Polizeischutz im Großraum Nizza.
54, einst Chief Operating Officer der Bank Bär auf Cayman Islands, sagt heute: »Es ist ein korruptes System«
Ein Schlag mehr. Das Bankgeheimnis starb im vergangenen Jahr allerlei Tode, nach den Verstö-ßen der UBS in den USA musste die Schweiz Hals über Kopf Hunderte von geheimen Kontodaten nach Washington übermitteln, und unter dem Druck von diversen schwarzen und grauen Listen war Berns Wirtschaftsdiplomatie gezwungen, die feinen Differenzen zwischen Hinterziehung und Betrug vollends zu verwässern. Mit Hervé Falcianis Tat kam nun jedoch ein anderes Problem ins helle Licht: Das Bankgeheimnis wird auch von innen durchlöchert. Verrat ist zur dauernden Bedrohung geworden.
So konnten die amerikanischen Justizbehörden ihren knallharten Druck auf die UBS nur aufbauen, weil deren Angestellter Bradley Birkenfeld seine Korrespondenz, seine Tricks und massenhaft Kontoauszüge auf den Tisch gelegt hatte. Die Liechtensteinische Landesbank musste sich zuvor gegen zwei Männer wehren, die in Rostock eine Liste von 2300 – meist deutschen – Kunden vorlegten und dafür Geld forderten; ein Mitarbeiter hatte die Daten bereits 2002 kopiert, war gefasst worden, aber das Material geriet auf unbekannten Spuren in die Halbwelt. Und schließlich konnten auch die Spezial-Steuerfahnder der Staatsanwaltschaft Bochum ihre spektakuläre Aktion von 2008 – samt fernsehgerechter Verhaftung des Post-Chefs Klaus Zumwinkel – nur durchziehen, weil ein Mann von innen ausgepackt hatte: Heinrich Kieber, Informatiker aus Liechtenstein, heute 44.
Wie Falciani in Genf, so war auch Kieber bei der fürstlichen LGT Treuhand AG in Vaduz ein unbeachteter Techniker, an dem die Bonus-Partys der Banker vorbeigegangen waren. Seine Aufgabe war es, die alten Datenbestände in ein elektronisches Archiv zu überführen. Dabei zog er Kopien mit Angaben zu rund 1400 Kunden der LGT. Im Januar 2006 sandte er – vorerst anonym – eine Mail an den deutschen Geheimdienst BND: Er habe Informationen über Schwarzgeld in der Höhe von 3,5 Milliarden Euro, ob man interessiert sei? Er schiele nicht auf eine Belohnung, behauptete der Absender damals, sondern er melde sich wegen eines »tief empfundenen Unrechtsgefühls«. Ganz glauben mag man das nicht. Zwar gibt es von Kieber keine Aussagen, er wurde vom deutschen Bundeskriminalamt abgeschirmt und erhielt inzwischen sogar eine Tarn-Identität; klar jedoch ist, dass er sich das tiefe Unrechtsgefühl hoch honorieren ließ: Alleine von der deutschen Regierung erhielt er über ein BND-Konto ein »Informantenhonorar« von gut sechs Millionen Franken – für Angaben zu 4527 Liechtensteiner Stiftungen.
- Datum 08.01.2010 - 19:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 07.01.2010 Nr. 02
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Nun, die Fühlung zum Personal war bestimmt noch besser, als die Abteilungen der Schweizer Grossbanken alle aus diensttauglichen Milizsoldaten bestanden, die von ihren Vorgesetzten, Milizoffizieren, geführt wurden. Noch besschrieben in der New-Yorker Reportage "place de la concorde" 1983. Gleichzeitig "Kritik der zynischen Vernunft"
Es begann 1971 mit "Ich habe abgetrieben"
Es folgten 1984 "Nachruf auf die Ehre", "Die friedfertige Frau"
Ab 1990er Jahre "Juhui ich wurde psychiatrisch ausgemustert"
2006 "Die Bibel in gerechter Sprache" (frauen-, juden- und homosexeuellengerecht)
2007 Major der Militärjustiz und Rechtsprofessor Daniel Jositsch, ist wegen einer ausserehelichen Affäre nicht mehr in der Lage die Dienstwaffe "in geordneten Verhältnissen" aufzubewahren, was ihm aber überhaupt keine militärischen, sozialen oder politischen Nachteil einträgt (Ey mann ischt doch voll egal!)
2009: Der eherne Verfassungsgrundsatz: "Die Waffe bleibt in der Hand des Wehrmanns" (1874) wird "freiwillig" erklärt.
2009: Da niemand mehr weiss, was ein "Gewissen" ist, wird auch die "Gewissensprüfung für Wehrdienstverweigerer" abgeschafft.
2010: Einführung von Nacktscanner und automatischem Datenaustausch.
2011: Abschaffung des Postgeheimnisses?
darf ich aus der Praxis sprechen:
Eigentlich alle Kontoeröffnungen in der Schweiz hatten als Grund Steuerhinterziehung. Quer durch alle Schichten.
Verwahrt eine Bank grundlos Geld, bereichert sich dessen Besitzer und bleibt dadurch außerstande, sich dessen vor sich selbst zu rechtfertigen. Mit solcher Verve als Kunde sich seine eigene Geistestätigkeit zu stören, muss allerdings jeglicher Bankangestellte öffentlich anzeigen. Ansonsten entzöge er sich unbefugt dem Hoheitsbereich seines Arbeitgebers und würde daher seinerseits als bestechlich gelten.
..keine Hassmütze aufhat, hat die Faust in der Tasche oder ein Konto in den secrecy jurisdictions.
noch vor ein paar tausend Jahren führte einseitige Vorteilsnahme zur Systeminstabilität und brachte alle in Gefahr. Heute ist die Gemeinschaft zu groß und unüberschaulich - das Gewissen des Einzelnen wird nicht mehr allzusehr von der eigenen Ungerechtigkeit belastet. Und trotzdem ist es nicht vollständig verschwunden, es plagt doch irgendwann den Einen oder Anderen. Möglicherweise gibt es eine Renaissance des schlechten Gewissens, weil man nicht weiß ob das eigene Unrecht, auch wenn es in der Herde geschah und dadurch nicht ganz so ungerecht scheint, an den Tag kommt. Und dann ist alles wieder in Gefahr wenn nicht zerstört. Die Frage die sich mir stellt ist, ob der Mensch ungeeignet für das System oder das System ungeeignet für den Menschen ist. Möglicherweise gibt es genetische Unterschiede zwischen den Unrechten und den Gewissenbehafteten. Worauf die Evolution letzendlich setzt wird sich zeigen, im Moment erkennt man aber deutlich eine soziogenetische Inkompaltibilität.
wird in der Bundesrepublik Deutschland doch gefördert anstatt bekämpft. Offizielle Steuerhinterziehungsmodelle wie Schifffonds werden doch (soweit ich weiß) auch gerne von Politikern genutzt.
Wenn man wollte, dann könnte man sehr leicht einen Anfangsverdacht ermitteln. Man müßte nur die Arm gerechnete Steuererklärung mit den Besitztümern vergleichen. Zumindest bei Arbeitnehmern wird ja so jedem Cent (einschliesslich Einsicht in die Konten) nachgegangen. Hier finden die Steuerbehörden doch tatsächlich da und dort ein paar hundert Euro.
Bei Millionären werden in Hessen die Steuerfander als Querulanten aus dem Dienst entfernt. Wer glaubt, dass dies nichts mit Korruption zu tun hat ist Heilig.
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