Luxustourismus in Afrika "Für Jagdfanatiker sind wir der Antichrist"

Die Umweltorganisation Great Plains finanziert sich durch Luxustourismus. Ein Gespräch mit dem Gründer Colin Bell über aussterbende Löwen und Jeeps, die mit Frittieröl fahren

Im Camp Zarafa in Botswana

Im Camp Zarafa in Botswana

DIE ZEIT: Mr. Bell, selbst Ihre Konkurrenten halten Sie für den kompetentesten Safari-Experten weltweit. Nach 15 Jahren als Wildführer haben Sie Wilderness Safaris zu einem Safari-Imperium mit 3000 Mitarbeitern ausgebaut. Warum sind Sie vor gut drei Jahren ausgestiegen?

Colin Bell: Der eine Grund hieß Miss Williams. Das war eine amerikanische Reiseagentin, die mich wegen einer Nichtigkeit nachts um drei auf meinem Handy anrief. Als das Gespräch endlich zu Ende war, dachte ich: Colin, du wirst jetzt bald 50. Möchtest du mit Typen wie Miss Williams bis ans Ende deiner Tage zu tun haben? Der andere Grund war der Niedergang der Tierwelt, den ich 30 Jahre lang mit eigenen Augen verfolgt hatte. Viele Menschen glauben, das Artensterben sei durch die Schaffung von Naturschutzparks gestoppt worden. Das ist großer Unsinn. Vor 50 Jahren gab es auf der Erde 450.000 Löwen, heute sind in Afrika weniger als 20.000 übrig – und ihre Zahl nimmt weiterhin dramatisch ab. Weltweit ist die Zahl der Leoparden in der gleichen Zeit von 50.000 auf 12.000 geschrumpft, und von 45.000 Tigern sind bloß noch 3000 übrig.

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ZEIT: Was haben Sie mit den Millionen aus dem Verkauf Ihrer Firmenanteile gemacht?

Bell: Ich habe damals einige gleichaltrige Freunde zu einem mehrtägigen Kanutrip auf dem Sambesi überredet. Jeder hatte es in seinem Metier zu Berühmtheit und Reichtum gebracht. Mark Read ist der bedeutendste Galerist Südafrikas, Paul Harris gehört zu den Eigentümern der FirstRand Bank, und Dereck und Beverly Joubert sind die erfolgreichsten Tierfilmer der Welt. Die Frage war, ob wir fünf alten Fürze für unser restliches Leben noch eine zweite Idee haben. Nach der Tour haben wir Great Plains hochgezogen.

Colin Bell

Mit 18 Jahren begann Colin Bell, Jahrgang 1956, als Wildführer zu arbeiten. 1983 gründete er mit seinem Partner Chris MacIntyre Wilderness Safaris. Das Startkapital waren 5000 Dollar und ein alter Landrover. Als Bell sich vor drei Jahren zurückzog, besaß das Unternehmen 53 Camps in sieben afrikanischen Staaten. Seit 2006 leitet er zusammen mit vier Freunden die Umweltschutzorganisation Great Plains. Sie betreibt zwei luxuriöse Camps in Kenia, eines in Botswana und eines in Tansania sowie ein Tigerreservat in Indien. Ein Berggorilla-Projekt in Ruanda und ein exklusives Ökoresort auf den Seychellen sind in Vorbereitung.

ZEIT: Great Plains ist laut Satzung eine Naturschutzorganisation, die mit Luxustourismus bedrohte Tierarten retten will. Das klingt ebenso innovativ wie undurchsichtig.

Bell: Jede bessere Lodge wirbt heute damit, ein paar Dollar für Schulen oder Krankenhäuser zu spenden. Das ist nicht mehr als eine nette Geste. Wir pachten im großen Stil Land in Gegenden, die einmal zu den schönsten und tierreichsten Afrikas gehörten. Als Erstes verbieten wir Jagden und reißen alles ab, was von Menschenhand stammt. Manchmal siedeln wir mithilfe der Regierungen Bauern um, denn Landwirtschaft ist Gift für Großwild. In einem zweiten Schritt bauen wir in unseren Parks exklusive Safari-Lodges für Menschen, die einen hoch entwickelten Geschmackssinn haben.

ZEIT: Die Realität einer durchschnittlichen Safari ist inzwischen ziemlich ernüchternd: viele Fahrzeuge, wenig Tiere.

Bell: Es ist keine leere Phrase, dass wir unseren Kunden unberührte Natur und Großwilderlebnisse wie vor 100 Jahren versprechen. Wir haben Parks mit verschwindend wenigen Gästen. Unser Reservat in Tansania zum Beispiel ist 130.000 Hektar groß. In diesem Areal gibt es lediglich fünf Zelte für jeweils zwei Personen. Auf jeden Besucher kommen also 13.000 Hektar Land. Die ultimative Form des Tierschutzes wäre natürlich, gar keine Touristen in die Parks zu lassen, aber das würde ein größeres Übel anlocken: Wilderer.

ZEIT: Ihr Flaggschiff ist Camp Zarafa im Norden von Botswana. Dort bieten vier Safari-Zelte im britischen Kolonialstil Platz für acht Personen. Als Paar wird man dort pro Nacht 2050 Dollar los. Wer bezahlt solche Preise?

Bell: Safari-Anbieter haben es seit einigen Jahren mit einem neuen Kundentyp zu tun. Diese Leute wollen morgens Löwen und Elefanten aus nächster Nähe sehen, sich nachmittags im Luxus-Spa verwöhnen lassen und abends Sterneküche serviert bekommen – und bei all diesem Komfort die Wildnis spüren. Unter unseren Kunden sind viele VIPs, aber wahrscheinlicher ist es, dass Sie in unseren Lodges ein Akademikerehepaar aus München oder Milwaukee treffen.

ZEIT: Warum sind Ihre Zelte teurer als ein Fünfsternehotel in Manhattan?

Bell: Wir haben All-inclusive-Preise. Mahlzeiten, Getränke, Reinigung und die Safaris sind enthalten. In Camp Zarafa in Botswana haben Sie vor Ihrem 120 Quadratmeter großen Zelt einen Pool und eine Veranda mit Blick auf einige unserer 9000 Elefanten. Sie können sich in eine Badewanne aus Kupfer legen oder unter freiem Himmel duschen. Ich denke, wir beweisen, dass High-End-Luxus und Ökologie kein Widerspruch sein muss.

ZEIT: Was ist denn so grün an Ihren Lodges?

Bell: Zarafa ist das erste Luxuscamp in Afrika, das ausschließlich mit selbst erzeugtem Solarstrom betrieben wird. Selbst unsere Eismaschinen werden von der Sonne versorgt. Die anderen Lodges benutzen Dieselgeneratoren, die jeden Tag mit Tonnen von CO2 die Atmosphäre verschmutzen. Unsere Jeeps in Zarafa fahren mit Frittieröl, das wir von Schnellrestaurants kaufen und reinigen lassen. Dieser Biotreibstoff hat die geringste Schadstoffemission. Das Mobiliar des Camps wurde aus alten Mahagonibäumen gefertigt, die in Indonesien vom Tsunami entwurzelt worden waren. Und da wir erfolgreich nach Wasser gebohrt haben, sind Mineralwasserflaschen aus Plastik verboten.

ZEIT: Sie betreiben zwei Camps in Kenia. Trotz zahlloser Schutzmaßnahmen gibt es auch dort immer weniger Löwen. Woran liegt das?

Bell: Vor 25 Jahren gab es pro Quadratkilometer einen Massai, heute sind es 25. Die Massai sind Rinder- und Ziegenhirten. Sie töten Löwen, weil diese Raubtiere Jagd auf ihr wertvollstes Eigentum machen. Um diese Logik zu durchbrechen, zahlen wir den Massai eine Entschädigung für jedes ihrer getöteten Tiere. Für eine Kuh bekommen sie von uns 200 Dollar, für eine Ziege 30 Dollar. Die einzige Bedingung lautet: Hände weg von den Löwen! Dieses Programm kostet uns 175.000 Dollar im Jahr, aber das Ergebnis ist es wert. Früher haben die Massai in unserem Gebiet 40 Löwen im Jahr getötet, im vergangenen Jahr nur noch einen. Weil sie vom Safari-Tourismus kaum profitieren, sind die Massai heute ärmer als vor 20 Jahren. Um das zu ändern, machen wir 4500 Massaifamilien zu Teilhabern unserer Lodge Ol Donyo Wuas. Sie bekommen von uns 4,5 Prozent des Jahresumsatzes, um Schulen und Krankenstationen zu finanzieren. Auf diese Weise ist jedem Massai klar, dass es in seinem Interesse liegt, Löwen zu schützen, statt zu töten. So werden Jäger allmählich zu Tierschützern.

ZEIT: Sie deklarieren Ihre Projekte auch als Entwicklungshilfe. Ist das nicht Schönfärberei?

Bell: Seit 1960 sind rund 2,3 Billionen Dollar Entwicklungshilfe nach Schwarzafrika geflossen, ohne dass sich dadurch die Lebensumstände der Menschen verbessert haben. Das Gros der Hilfsgelder ist auf den Konten korrupter Staatsfunktionäre gelandet. Noch mehr Geld zu zahlen wäre falsch, denn Schuldenerlass und Budgethilfen fördern nur Unselbstständigkeit und Passivität. Indem wir die Menschen zu Teilhabern machen, lernen sie, unternehmerisch zu denken und Initiative zu entwickeln. Die Lektion lautet: Je zufriedener die Gäste der Lodge, desto mehr Geld bekomme ich. Dazu bieten wir Bildungsprojekte an. Einige Camps werden zum Beispiel einmal im Jahr für eine Woche geschlossen, um dort junge Einheimische zu Fotojournalisten auszubilden. Meine Partner, die Filmemacher Dereck und Beverly Joubert, leiten die Kurse. Bessere Lehrer kann man sich nicht wünschen.

ZEIT: Wie begegnen Sie Korruption und Vetternwirtschaft in Schwarzafrika?

Bell: Statt zu klagen, will ich Ihnen zwei großartige Ausnahmen nennen. Der unbesungene Held des Naturschutzes in Afrika ist Ian Khama, der Präsident von Botswana. Er hat 40 Prozent seines Landes zu Naturschutzgebieten gemacht, die vorbildlich gemanagt werden. Er lässt keinen Massentourismus zu und hat 800 mit Helikoptern ausgerüstete Elitesoldaten abgestellt, die Wilderer verfolgen. Ein zweites Vorbild ist Paul Kagame, der Präsident von Ruanda.

ZEIT: Bei Ruanda denkt man unwillkürlich an den von Hutus verübten Genozid, bei dem 800.000 Tutsis ermordet wurden. Wie wollen Sie Luxusreisende in ein so verrufenes Land locken?

Bell: Ich verstehe Ihren Reflex. Ruanda war lange das Herz der Finsternis. Aber der Völkermord ist 15 Jahre her. Heute ist Ruanda ein Rechtsstaat ohne nennenswerte Kriminalität oder Korruption. Das ist eine echte Sensation.

ZEIT: Was planen Sie in Ruanda?

Bell: Es gibt weltweit nur noch 700 Berggorillas. Die meisten leben im Volcanoes National Park in Ruanda. In den vergangenen 80 Jahren ist ihr Lebensraum von 800.000 auf 16.000 Hektar geschrumpft, weil man den Regenwald abgeholzt hat, um Landwirtschaft zu betreiben. Wir sind dabei, rund um den Nationalpark 3600 Hektar Land zu kaufen, das wir in Regenwald zurückverwandeln. Durch den vergrößerten Lebensraum wird es dort in einigen Jahren 35 Prozent mehr Berggorillas geben.

ZEIT: Reichen ein paar Menschenaffen aus, um Touristen ins Land zu locken?

Bell: Ich kenne mich in der Fauna ein wenig aus, und glauben Sie mir: Berggorillas aus nächster Nähe zu beobachten zählt zu den berührendsten Erlebnissen, die man in der Tierwelt haben kann – und zu den exklusivsten, denn die Regierung lässt pro Tag höchstens 56 Touristen in den Nationalpark. Wir bauen am Rande des Parks eine luxuriöse Lodge mit sechs Doppelzimmern, die pro Nacht 2000 Euro kosten werden. Die Gewinne fließen in weitere Landkäufe rund um den Nationalpark.

ZEIT: Ein Hotel mit sechs Zimmern soll Landkäufe im großen Stil finanzieren?

Bell: Den Großteil des Kapitals bringen wir durch den Verkauf unserer Carbon-Bonds auf. Indem wir Regenwald aufforsten, wird eine Menge CO2 in Sauerstoff umgewandelt. Wenn Sie ein Autohersteller in Wolfsburg oder Detroit sind, der große Mengen CO2 in die Atmosphäre pumpt, kaufen Sie unsere Bonds, um den von Ihnen angerichteten Umweltschaden auszugleichen. Das gleiche Modell bieten wir Fluglinien und Reiseveranstaltern an. Das US-Magazin National Geographic bietet von Februar an seinen Lesern unsere Bonds zum Kauf an. Wer mit dem Wohnmobil eine Tour von Alaska nach Kap Hoorn unternimmt, kann so den CO2-Ausstoß seiner Reise neutralisieren.

ZEIT: Ihre Initiativen machen Sie für einige zur Hassfigur. Stimmt es, dass Ihr Leben bedroht wurde?

Bell: Mehr als ein Dutzend Mal. Es wurden auch Politiker bestochen mit dem Ziel, uns aus dem Land zu werfen. Für Jagdfanatiker ist Great Plains der Antichrist. Sie demolieren unsere Jeeps und Flugzeuge, und einmal ging der Hass so weit, dass man nachts mit AK-47-Maschinenpistolen auf unsere Unterkünfte schoss. Wir hören auch häufig den Satz: »Durch euer Jagdverbot stehlt ihr unseren Kindern das Essen.« Dabei sind Jagden ökonomischer Irrsinn. In Tansania zahlt man beispielsweise 4900 Dollar Gebühr, um einen Löwen abschießen zu dürfen. Ein lebender Löwe bringt durch Fotosafaris 13,5-mal mehr Profit.

ZEIT: Ihre Gegner argumentieren, dass Jagen Naturschutz sei.

Bell: Die Wirklichkeit sieht so aus: Man treibt nachts Tiere aus den Reservaten auf das eigene Gelände und steckt die Abschussgebühren in die Tasche. Hinzu kommt, dass es Jäger auf die Prachtexemplare einer Gattung abgesehen haben. Damit schwächen sie den Genpool der Tiere, weil sich dann Mittelmaß mit Mittelmaß paart.

ZEIT: Sie bauen auch in Indien und auf den Seychellen. Was hat ein Safari-Mann wie Sie auf den Seychellen verloren?

Bell: Experten sagen voraus, dass es dort wegen der Meereserwärmung in 50 Jahren kaum noch Fische geben wird. Deshalb haben wir mit Alphonse eine Insel gepachtet, die von 5000 Meter tiefem Wasser umgeben ist, das entsprechend kühler ist. Alphonse wird eine Art Arche Noah werden, nicht nur für Fische, sondern auch für Vögel wie den Seychellendajal, von dem es nur noch 150 gibt.

ZEIT: Ein Seychellendajal ist nicht gerade eine touristische Sensation.

Bell: Würden Sie sich für das Fischen mit Fliegen interessieren, würden Sie beim Namen Alphonse in Verzückung geraten, denn die Gewässer vor der Küste gehören zu den weltbesten Revieren. Zusammen mit den Postkartenstränden der Insel ergibt das genügend Potenzial für Platin-Tourismus. Wir bauen gerade ein kleines, sehr exklusives Hotel, das von sechs Luxusvillen aus Bambus umgeben sein wird, die wir an Privatleute verkaufen. Für die Stromerzeugung nutzen wir ausschließlich Wind, Sonne und Wellen. Alphonse wird die ökologisch vorbildlichste Insel der Welt.

ZEIT: Sie wollen Fische retten und veranstalten Angeltourismus. Das klingt hirnrissig.

Bell: Wir haben strikte Vorschriften erlassen. Pro Tag dürfen nur zehn Personen mit Fliegen fischen, und das auch nur sechs Monate im Jahr. Die Regel Nummer eins für alle lautet: Jeder gefangene Fisch ist sofort wieder freizulassen.

ZEIT: Auf Ihrer Website soll man bald nachlesen können, was bei der Umsetzung Ihrer Projekte alles schiefgegangen ist. Warum dieser Masochismus?

Bell: Unsere Parks sind als Blaupausen gedacht. Jeder ist eingeladen, uns zu kopieren. Statt Copyright sagen wir »copy left«. Wer aber andere auffordert, etwas nachzumachen, muss offen über Fehler reden, die er gemacht hat.

ZEIT: Was ist die wichtigste Lektion, die Sie in den letzten drei Jahren gelernt haben?

Bell: Mein Partner Dereck Joubert lebt für jeden seiner Tierfilme bis zu sechs Jahre im Busch. Neulich sagte er zu mir: »Wenn man nicht jede Nacht um drei Uhr aufwacht, weil man von seinem Projekt stranguliert wird, soll man nicht anfangen.«

Interview: Sven Michaelsen

 
Leser-Kommentare
  1. Ein super Artikel! Bitte mehr davon!

    • Guido3
    • 11.01.2010 um 10:00 Uhr

    Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Die unvergleichliche Natur Afrikas verkommt durch diesen Luxustourimus immer mehr zu einem exklusiven Erlebnis für Reiche. Normalverdiener haben keine Chance mehr, diese unglaubliche Natur zu erleben.

    Beispiel Botswana: Die Lodges im Norden kosten 1000-2000 USD pro Tag. Daneben gibt es im Chobe- und Moremi-Nationalpark (zusammen so groß wie ganz Schleswig-Holstein) insgesamt Stellplätze für nur 51 Camper. Im letzten Jahr haben diese Campsites 3 EUR pro Person gekostet. Dieses Jahr sind es bis zu 50 USD pro Person. Mit 4 Personen zahlt man zahlt man 200 USD. Und es gibt nichts, was diese Preise rechtfertigt. An Infrastruktur gibt es ein Klohäuschen und sonst nichts. Kein Strom, kein Licht, null Personal da, null Ranger da, kein Zaun oder sonstige baulichen Maßnahmen, von Pool o.ä. ganz zu schweigen. Und die tolle Natur/Wildnis rechtfertigt die Campsite-Preise auch nicht, denn dafür zahlt man noch mal extra Eintrittsgebühren.

    Es gibt einen ziemlich intelligenten Spruch: Wir schützen nur, was wir lieben. Und wir lieben nur, was wir kennen. In diesem Sinne verhindert eine ausschließliche Fokussierung auf den Luxustourismus eine Sensibilisierung breiterer Massen für den Naturschutz. Wer einmal den Stolz und die Aura eines 250kg-Löwen-Paschas in freier Natur erlebt hat, wird das für höchst schützenswert halten. Wer nur die psychisch und physisch völlig degenerierten Löwen im Zoo kennt, wird nicht so sensibilisiert für das Thema sein.

  2. Der Ansatz, ökologische Initiativen so auszurichten, dass sie sich ökonomisch tragen (und vielleicht sogar einen Profit abwerfen, der reinvestiert werden kann, um das Engagement u verbreitern), ist sicherlich sehr zu begrüßen. Auch ist es für den nachhaltigen Bestand eines Projekts sicherlich sehr vorteilhaft, die lokale Bevölkerung einzubinden.
    Eine Lücke im System scheint es allerdings noch zu geben: Indirekt verursacht der Betreiber erhebliche CO2-Emissionen, die durhc die An- Und Abreise der Gäste verursacht werden. Werden ein Teil der eingenommenen CO2-Zertifikate auch auf diese Emissionen verrechnet? Das wäre vorbildlich.
    Zu dem Einwand meines Vor-Kommentators: Wenn sch ein Afrika-Urlaub für die breite Masse realisieren ließe, wäre das System doch sehr schnell überlastet. Ich war selbst auch noch nicht in Afrika. Aber ich bin sehr einverstanden damit, dass sowas teuer ist, wenn dadurch gewährleistet wird, dass die Umweltbelastung durch Tourismus einigermaßen überschaubar bleibt.
    Es gibt kein Grundrecht auf Afrika-Safaris. Statt so anthropozentrisch zu denken, sollten wir anfangen damit zu erkennnen, dass dem menschlichen Anspruchsdenken Grenzen gesetzt werden müssen, wenn wir die Artenvielfalt unseres Planeten erhalten und den Klimawandel in den Griff bekommen wollen.

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    • Guido3
    • 11.01.2010 um 14:58 Uhr

    «Aber ich bin sehr einverstanden damit, dass sowas teuer ist, wenn dadurch gewährleistet wird, dass die Umweltbelastung durch Tourismus einigermaßen überschaubar bleibt.»

    Das funktioniert so nicht. Luxus-Lodges dürfen da fast ohne Ende gebaut werden. Diese haben logischerweise pro Gast einen viel höheren Ressourcenverbrauch als Camper. Viele dieser Lodges liegen beispielsweise sehr abgelegen und der größte Teil des täglichen Bedarfes wird mit Kleinflugzeugen eingeflogen - so wie die Gäste auch. Umweltfreundlich sieht anders aus. Bei einer Behörde von Botswana konnte man auch mal eine Studie abrufen, laut der die Luxuslodges weit weniger zur heimischen Wirtschaft beitragen, als man aufgrund der exorbitanten Preise annehmen könnte. Fast alles, was diese Lodges verbrauchen, kommt aus dem Ausland. Die Besitzer sitzen auch fast immer im Ausland, so dass Gewinne ebenfalls ins Ausland abfließen.

    Die Umweltbelastung durch Camper wurde schon bisher durch ein knappes Angebot begrenzt. Es gab eben nur Plätze für maximal 51 Camper in einem riesigem Gebiet. Es gibt nun noch die gleiche Anzahl an Plätzen, aber die Preise wurden teilweise um mehr als 1000 Prozent erhöht, ohne dass das der Umwelt zugute kommt.

    • Guido3
    • 11.01.2010 um 14:58 Uhr

    «Aber ich bin sehr einverstanden damit, dass sowas teuer ist, wenn dadurch gewährleistet wird, dass die Umweltbelastung durch Tourismus einigermaßen überschaubar bleibt.»

    Das funktioniert so nicht. Luxus-Lodges dürfen da fast ohne Ende gebaut werden. Diese haben logischerweise pro Gast einen viel höheren Ressourcenverbrauch als Camper. Viele dieser Lodges liegen beispielsweise sehr abgelegen und der größte Teil des täglichen Bedarfes wird mit Kleinflugzeugen eingeflogen - so wie die Gäste auch. Umweltfreundlich sieht anders aus. Bei einer Behörde von Botswana konnte man auch mal eine Studie abrufen, laut der die Luxuslodges weit weniger zur heimischen Wirtschaft beitragen, als man aufgrund der exorbitanten Preise annehmen könnte. Fast alles, was diese Lodges verbrauchen, kommt aus dem Ausland. Die Besitzer sitzen auch fast immer im Ausland, so dass Gewinne ebenfalls ins Ausland abfließen.

    Die Umweltbelastung durch Camper wurde schon bisher durch ein knappes Angebot begrenzt. Es gab eben nur Plätze für maximal 51 Camper in einem riesigem Gebiet. Es gibt nun noch die gleiche Anzahl an Plätzen, aber die Preise wurden teilweise um mehr als 1000 Prozent erhöht, ohne dass das der Umwelt zugute kommt.

    • Guido3
    • 11.01.2010 um 14:58 Uhr

    «Aber ich bin sehr einverstanden damit, dass sowas teuer ist, wenn dadurch gewährleistet wird, dass die Umweltbelastung durch Tourismus einigermaßen überschaubar bleibt.»

    Das funktioniert so nicht. Luxus-Lodges dürfen da fast ohne Ende gebaut werden. Diese haben logischerweise pro Gast einen viel höheren Ressourcenverbrauch als Camper. Viele dieser Lodges liegen beispielsweise sehr abgelegen und der größte Teil des täglichen Bedarfes wird mit Kleinflugzeugen eingeflogen - so wie die Gäste auch. Umweltfreundlich sieht anders aus. Bei einer Behörde von Botswana konnte man auch mal eine Studie abrufen, laut der die Luxuslodges weit weniger zur heimischen Wirtschaft beitragen, als man aufgrund der exorbitanten Preise annehmen könnte. Fast alles, was diese Lodges verbrauchen, kommt aus dem Ausland. Die Besitzer sitzen auch fast immer im Ausland, so dass Gewinne ebenfalls ins Ausland abfließen.

    Die Umweltbelastung durch Camper wurde schon bisher durch ein knappes Angebot begrenzt. Es gab eben nur Plätze für maximal 51 Camper in einem riesigem Gebiet. Es gibt nun noch die gleiche Anzahl an Plätzen, aber die Preise wurden teilweise um mehr als 1000 Prozent erhöht, ohne dass das der Umwelt zugute kommt.

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    Stimme Ihnen in vielen Dingen zu, aber die von Ihnen genannte Preiserhöhung stimmt nicht. Campen und Eintritte in die Nationalparks (und Chobe und Moremi sind im Norden, insoweit ist Ihre Anmerkung in #1 irreführend) ist schon lange teuer, vor allem für Non-residents. Auch gehören doch einige der Lodges Menschen, die in Botswana leben und dort ihr Geld versteuern (anders als z.B. in Tanzania wo Überweisungen für Übernachtungen und Touren direkt auf die Cayman Island o.Ä und das Konto des US Inhabers gehen. Und das Schöne an den Camps ist dass es KEINE pools etc gibt, sondern man in der Natur pur (soweit möglich) und Nachbarschaft von Löwe und Hyäne ist . Recht hat ein Mitkommentator der erwähnt, dass immer mehr Luxus Lodges entstehen, und dieses Botswana Vorbild (Klasse statt Masse, bei gleichbleibneden Einnahmen) in den Nachbarländern teilwiese sogar von staatlicher Seite (z.B. Namibia) kopiert wird. Naturerlebnisse nur noch für Superreiche, ich weiß nicht.

    Stimme Ihnen in vielen Dingen zu, aber die von Ihnen genannte Preiserhöhung stimmt nicht. Campen und Eintritte in die Nationalparks (und Chobe und Moremi sind im Norden, insoweit ist Ihre Anmerkung in #1 irreführend) ist schon lange teuer, vor allem für Non-residents. Auch gehören doch einige der Lodges Menschen, die in Botswana leben und dort ihr Geld versteuern (anders als z.B. in Tanzania wo Überweisungen für Übernachtungen und Touren direkt auf die Cayman Island o.Ä und das Konto des US Inhabers gehen. Und das Schöne an den Camps ist dass es KEINE pools etc gibt, sondern man in der Natur pur (soweit möglich) und Nachbarschaft von Löwe und Hyäne ist . Recht hat ein Mitkommentator der erwähnt, dass immer mehr Luxus Lodges entstehen, und dieses Botswana Vorbild (Klasse statt Masse, bei gleichbleibneden Einnahmen) in den Nachbarländern teilwiese sogar von staatlicher Seite (z.B. Namibia) kopiert wird. Naturerlebnisse nur noch für Superreiche, ich weiß nicht.

    • carol
    • 13.01.2010 um 20:13 Uhr

    viele möglichkeiten die natur zu schützen und davon zu profitieren dürfte es nicht geben. bei einer massentauglichen umsetzung damit die menschen sensibilisiert werden sehe ich den naturschutz nicht.

    ausserdem

    muss man nicht unbedingt einen löwen in natura gesehen haben um die umwelt zu schätzen! vor der haustür gibt es genug zu bewundern und zu beschützen!
    wer diesen wert nicht erkennt, braucht auch keine tiere in afrika bewundern.

    jedoch stimmt es mich auch ein wenig unzufrieden, dass nur bestverdiener zu den "bewunderern" gehören dürfen. die müssen das geld auch irgendwo eingenommen haben- und das fällt bekanntlich nicht vom himmel, sondern kommt grösstenteils aus ultraharter ökonomie.

    wenn ich so darüber nachdenke, dann ist es unzweifelhaft die natur zu beschützen. so sehr, dass eigentlich niemand da rein darf. wenn, dann soll auch richtig abgedrückt werden.

  3. ... so traurig das auch klingen mag, dass es heutzutage wohl eher naiv ist zu glauben, dass sich Umweltschutz, durch Good-will und die Nettigkeit vom Menschen betreiben lassen. In Deutschland hat die Regierung vielleicht noch einen Teil ihrer Gewalt übrig, um ohne große kapitalistische Zuwendungen, umweltpolitische Maßnahmen durchzusetzen... zumindest ist das in einem modernen Staat wünschenswert. In Afrika hingegen und den meisten anderen Staaten der Welt, sind solche Situationen wie bei uns Utopie.
    Es gibt kaum Großunternehmer bzw. Unternehmen, die völlig selbstlos irgendwo Geld für den guten Zweck reinstopfen ohne dabei etwas zu verdienen. Das nennt man auch Öffentlichkeitsarbeit. Selbst wenn der Verdienst nicht Finanziell gedacht ist, sondern fürs Image.
    Viele Reiche Menschen entwickeln sich zu selbstsüchtigen von Verfolgungswahn geplagten Indiviuden, die an nichts außer sich selbst denken. Da ist doch mal positiv von solchen Personen zu lesen, die beim Versuch Geld zu verdienen tatsächlich etwas bewirken.
    Der Mann weiß was er tut und wovon er spricht und sicherlich sind die An- und Abreise Emmissionen nicht toll... aber wenn sein Zukauf von Land etwas für die Tiere tut, dann bitte... weiter so und mehr.
    Ich halte es auch für absolut gerechtfertigt, dass es einen gewissen Preis hat, wieviel Luxus man dabei braucht sei dahingestellt.
    Fortsetzung...

  4. Ich habe selbst für eine kleine Hotelgruppe in Südafrika gearbeitet und kam auch in den Genuss, ein- zweimal eine dieser Lodges zu besuchen und die wilden Tiere zu sehen stimme aber Komentar Nr 5 voll und ganz zu:
    "ausserdem

    muss man nicht unbedingt einen löwen in natura gesehen haben um die umwelt zu schätzen! vor der haustür gibt es genug zu bewundern und zu beschützen!
    wer diesen wert nicht erkennt, braucht auch keine tiere in afrika bewundern."

    Um den Wert einer Unternehmung, wie der im Artikel genannten, zu verstehen, kann man ja mal vergleichen...
    RIU Hotels z.B. baut ein Hotel und Golf Resort auf den Kapverdischen Inseln, wobei das Land, ja die ganze Insel drumherum völlig austrocknet, während der Golfplatz vor Grüne alles übertrifft. Ob das Resort auf den Inseln ist, oder auf Malle, spielt da gar keine Rolle.
    Also bevor man hier neidisch auf das naturnahe Unternehmen des Mr Bell reagiert, sollte man doch mal die "Hotelgruppen und Tourismusunternehmen für Jedermann" ins Visier nehmen... Das ist auch ein Grund warum ich mich der großen Hotelerie abgewendet habe, weil das Gros dieser Industrie immernoch rücksichtslos erschließt und überall neu baut wo es möglich ist, bzw. wo ein paar Millionen helfen die Baurechte zu kriegen, anstatt nachhaltige Gebietsanalysen zu betreiben, und vielleicht erstmal das ausnutzt was sowieso schon da ist und dementsprechend Umweltgerecht baut.

  5. 8.

    Stimme Ihnen in vielen Dingen zu, aber die von Ihnen genannte Preiserhöhung stimmt nicht. Campen und Eintritte in die Nationalparks (und Chobe und Moremi sind im Norden, insoweit ist Ihre Anmerkung in #1 irreführend) ist schon lange teuer, vor allem für Non-residents. Auch gehören doch einige der Lodges Menschen, die in Botswana leben und dort ihr Geld versteuern (anders als z.B. in Tanzania wo Überweisungen für Übernachtungen und Touren direkt auf die Cayman Island o.Ä und das Konto des US Inhabers gehen. Und das Schöne an den Camps ist dass es KEINE pools etc gibt, sondern man in der Natur pur (soweit möglich) und Nachbarschaft von Löwe und Hyäne ist . Recht hat ein Mitkommentator der erwähnt, dass immer mehr Luxus Lodges entstehen, und dieses Botswana Vorbild (Klasse statt Masse, bei gleichbleibneden Einnahmen) in den Nachbarländern teilwiese sogar von staatlicher Seite (z.B. Namibia) kopiert wird. Naturerlebnisse nur noch für Superreiche, ich weiß nicht.

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