Medien "Tropfen im Meer"

Im Interview verteidigt der NDR-Intendant die "Tagesschau"-App gegen die heftige Kritik von außen

DIE ZEIT: Haben Sie sich schon mit den neuen Anwendungen von Bild und Welt des Springer-Verlags auf dem iPhone vertraut gemacht?

Lutz Marmor: Ich hab mir über die Feiertage ein iPhone ausgeliehen und ein bisschen damit herumgespielt. Bild- und Welt -Applikationen hab ich mir, ehrlich gesagt, nicht runtergeladen. Wenn man die Papierausgaben hat, braucht man das nicht.

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ZEIT: Springer-Chef Mathias Döpfner fürchtet, dass Sie das Geschäft mit den bezahlbaren Angeboten durch die Tagesschau -App kaputt machen.

Marmor: Das sehe ich nicht so. Zumal sich das Angebot der Tagesschau von dem der Bild nicht nur inhaltlich stark unterscheiden wird. Unser Schwerpunkt liegt auf dem, was wir am besten können: bewegte Bilder.

ZEIT: Warum regen sich die Verleger dann so auf?

Marmor: Die heftigen Reaktionen haben uns überrascht. Es gibt ja jede Menge kostenfreie Nachrichtenangebote von Privaten als App fürs iPhone, zum Beispiel von stern, n-tv oder N24, aber auch von T-Online. Schmeichelhaft, dass der Marke Tagesschau so viel zugetraut wird. Aber dass wir einen ganzen Markt für kostenpflichtige Anwendungen plattmachen könnten, ist ernsthaft nicht anzunehmen.

ZEIT: Springer-Chef Döpfner spricht von Tausenden Arbeitsplätzen, die Sie bedrohen. 

Marmor: Wenn man die Jahreskosten eines solchen Arbeitsplatzes mit 40.000 bis 50.000 Euro bewertet, müssten Sie zur Refinanzierung von 1000 Arbeitsplätzen auf 40 bis 50 Millionen Umsatz mit den Apps kommen. Das halte ich für unrealistisch. Ich habe Verständnis für Sorgen der anderen Seite, aber eine App ist wie ein Tropfen Wasser im Ozean des Internets. Sie wird nicht marktentscheidend sein.

ZEIT: Warum haben Sie sich die Tagesschau-App nicht, wie für neue telemediale Angebote vorgesehen, vom Rundfunkrat genehmigen lassen?

Marmor: Einspruch – es ist kein neues Angebot. Weil man schon jetzt alle Inhalte vom iPhone abrufen kann, die wir bald auch mit der App zur Verfügung stellen werden, braucht es keinen Dreistufentest. Wir machen gar nichts Neues, sondern aus drei Klicks einen. Es wird einfacher, komfortabler.

ZEIT: Wie viel kostet das?

Marmor: Einmalig fällt ein niedriger fünfstelliger Betrag für die Entwicklung an.

ZEIT: Gehört eine App zur Grundversorgung?

Marmor: Wir haben nicht nur einen Grundversorgungsauftrag, sondern auch eine Bestands- und Entwicklungsgarantie. Und wenn etwas zur Grundversorgung gehört, dann ja wohl die Tagesschau. Ihre Inhalte sollten auf allen relevanten Ausspielwegen zugänglich sein. Das schließt die Vielfalt auf dem iPhone ein.

Die Fragen stellte Anna Marohn

 
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