Airbus Das wird teuer

Airbus will mehr Geld für den Militärtransporter A400M. Die Chancen stehen gut, dass das Unternehmen sich durchsetzt

Als sich für den Flugzeugbauer Airbus vergangenes Jahr die vage Möglichkeit auftat, den künftigen Regierungsjet des US-Präsidenten zu bauen, winkte Unternehmenschef Thomas Enders schnell ab. Zu teuer und aussichtslos sei es, gegen den Rivalen Boeing zu bieten. Prestigeobjekte sind Enders’ Sache nicht. Er gilt als kühler Stratege, der sich eher für Zahlen als für Ingenieurkünste begeistert.

Europas Regierungen sollten daher gewarnt sein. In diesen Wochen verhandeln sie mit Enders über die Zukunft des größten europäischen Rüstungsprojekts. Und »Major Tom« Enders gibt sich ganz so, als hätte er kein Problem damit, das gesamte Projekt fallen zu lassen. Bis Ende Januar fordert Enders von Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und anderen Regierungschefs Zugeständnisse in Milliardenhöhe; andernfalls würde der Bau des Militärfliegers A400M gestoppt. Dessen Entwicklung ist dem Unternehmen zu teuer geworden.

Anzeige

Ursprünglich dachten Politiker und die Manager von Airbus, sie könnten beim Bau des Flugzeugs auf den Rumpf ziviler Maschinen zurückgreifen. Doch die spezifischen Wünsche des Militärs waren kaum zu erfüllen. Mal schnell und mal langsam soll die Maschine fliegen, auf Asphalt, aber auch auf Sand landen können. Überfordert von so viel Extrawünschen, wurde der A400M bei den Airbus-Ingenieuren zum ungeliebten Kind.

Über fünf Milliarden Euro fehlen nun für die Serienfertigung. Allein Deutschland hat 60 dieser Transportflugzeuge bestellt, die nicht nur Soldaten, sondern auch Kräne, Panzer und Transporter in Krisenregionen bringen sollen. Die Bundeswehr kann auf solche Fähigkeit kaum verzichten. Noch weniger die Franzosen, Briten oder Spanier. Von Deutschland aus fliegen bisher 40 Jahre alte Transall-Maschinen an den Hindukusch – wegen der geringen Reichweite der Maschinen geht das nur mit Zwischenstopp. Auch die Traglast ist zu gering für die Anforderungen in den Krisengebieten dieses Jahrhunderts.

Wohl wissend, dass Rüstungsprojekte gern aus dem Ruder laufen, hatten die Regierungen bei Vertragsabschluss im Jahr 2003 vorgesorgt. Sogar eine Konventionalstrafe wurde ausgehandelt, die höchstens auf rund fünf Millionen Euro je Flieger beschränkt ist, sechs Prozent vom Listenpreis. »Wir waren dumm genug, diese Verträge zu unterschreiben«, sagt Enders rückblickend. Dumm genug, sie ohne Wenn und Aber zu erfüllen, will das Management aber wohl nicht sein.

Das Unternehmen hat inzwischen genug Druckmittel, um sich Verstöße gegen die Verträge erlauben zu können. Enders wirkt deshalb glaubwürdig, wenn er in der Öffentlichkeit in diesen Tagen den arroganten Manager gibt, der es sich leisten kann, auf das 20-Milliarden-Euro-Projekt A400M zu verzichten. In der Tat profitiert er noch immer von einem nie da gewesenen Boom in der Luftfahrtindustrie. Auch ohne einen einzigen weiteren Auftrag würden die Bänder in den Fabrikhallen erst in fünf Jahren stillstehen. In den vergangenen 12 Monaten lieferte das Unternehmen fast 500 Flugzeuge aus. Das sind so viele wie noch nie.

Zugleich hat der Airbus-Chef genug Baustellen im Unternehmen. Die mühsam in Gang gekommene Serienfertigung des A380 könnte ebenso gut den Einsatz zusätzlicher Ingenieure vertragen wie die Entwicklung des kleineren Langstreckenjets A350. Hier fordern Fluggesellschaften Erstattungen, wenn Zeitpläne nicht eingehalten werden. Finanziell würde sich für Airbus eine Konzentration auf den zivilen Bereich unter dem Strich also lohnen – trotz aller eingebauten Vertragsstrafen beim A400M.

Leser-Kommentare
  1. ...die Regierungen hätten früh auf Antonov umsteigen können wurde auch überlegt - aber nein man muss EADS und Airbus füttern...

    Ich schlage vor die Regierung kündigt bei Airbus und verlangt Milliarden zurück - die Strafe die im Vertrag festgelegt wurde.

    Stattdessen werden Antonov Maschinen gekauft - die fliegen, funktionieren und sind robust - ach, und billiger sind sie auch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Antonow AN-70 erfüllt das Pflichtenheft nicht ansatzweise. Zudem sind die verwendeten Techniken zum Großteil noch aus der Steinzeit des Flugzeugbaus.

    Dann sind die Lieferländer politisch unzuverlässig. Ein No-Go für Rüstungsgüter.

    Nicht zuletzt gibt es keine Möglichkeit zu Kompensationsgeschäften.

    All das sieht bei C130 und C17 aus den USA vollkommen anders aus.

    Daher scheidet die AN-70 als Möglichkeit aus.

    Die Antonow AN-70 erfüllt das Pflichtenheft nicht ansatzweise. Zudem sind die verwendeten Techniken zum Großteil noch aus der Steinzeit des Flugzeugbaus.

    Dann sind die Lieferländer politisch unzuverlässig. Ein No-Go für Rüstungsgüter.

    Nicht zuletzt gibt es keine Möglichkeit zu Kompensationsgeschäften.

    All das sieht bei C130 und C17 aus den USA vollkommen anders aus.

    Daher scheidet die AN-70 als Möglichkeit aus.

    • StefT
    • 06.01.2010 um 16:46 Uhr

    "Zum Zeitpunkt der Einführung des A400M wird auf dem Weltmarkt, bezogen auf die Fähigkeitsforderungen, kein vergleichbares Transportflugzeug angeboten"

    Das ist Blödsinn. Die korrekte Alternativ-Lösung ist eine Kombination aus C-130J und C-17.

    Die C-130J ist eine eine moderne, neu gebaute Version der Hercules, die außerdem leistungsfähiger als die Transall ist. Höhere Nutzlast und vier Triebwerke.

    Die C-17 ist leistungsfähiger als der A400M. Ein strategischer Transporter, der auch taktisch geflogen werden kann.

    Großbritannien braucht den A400M am wenigsten, da man dort inzwischen sechs C-17 hat. Eine siebte Maschine wurde gerade bestellt. Darüber hinaus hat man über 20 C-130J. Kanada und Australien haben ebenfalls beide Modelle.
    Das Problem ist eher, dass selbst wenn man jetzt diese Maschinen bestellen würde, man immer noch bis 2013 und später auf die Lieferung warten musste, da vor allem die C-130J beliebt ist um die alten Hercules zu ersetzen.

    Aber dazu wird es sowieso nicht kommen. Rüstungspolitik ist in Deutschland (aber auch Frankreich) in erster Linie Industriepolitik. Es geht nur darum, dass die Sachen aus Europa kommen. Was die Truppe tatsächlich braucht interessiert niemanden wirklich. Siehe auch die Entscheidung zu Heron-Drohnen gegenüber der wesentlich attraktiveren Predator-B/Reaper.

  2. Da ist zeit.de offenbar einem PR-Mitarbeiter von EADS auf den Leim gegangen, denn so schlecht kann man nicht recherchieren.

    1) Es gibt sehr wohl Alternativen zum A400M, die vermutlich auch schneller in nennenswerter Stückzahl zur Verfügung stehen könnten.
    Die modernisierte Lockheed C-130 ist für den taktischen Einsatz den A400M- Fähigkeiten ebenbürtig bis überlegen (mit dieser Ladeklappe kann ein A400M maximal 10-Tonnen-Fahrzeuge unter Feldbedingungen entladen, da kann die C130 mehr). Kosten pro Stück, 50 Mio. Euro.
    Mit der C-17 Globemaster III (heute Boeing) hat man für den strategischen Transport auch etwas besseres, als den A400M. Für Massen-Stückgut und Personen auf der Langstrecke und die Tankerfunktion ist fast immer ein A330 MRTT die effizientere Wahl.

    Es gibt also sehr wohl eine praxiserprobte Alternative zum A400M. Ein Mix aus verschiedenen Flugmustern hätte auch den Vorteil, dass jedes Flugmuster ihre Aufgabe richtig und günstiger kann. Die Möchtegern Eier legende Woll- Milch- Fett- Sau A400M kann alles ein bisschen, aber nichts richtig. Mit einem Flottenmix aus 100 C 130, 40 C17 und 40 A330 MRTT würde man der Truppe eine wesentlich bessere Ausrüstung hinstellen, als mit 180 A400M. Dieser Flottenmix würde dann auch noch mit ca. 15 Milliarden Euro billiger. Auch die Betriebskosten wären besser, vorausgesetzt, Europa verfällt nicht wieder in Kleinstaaterei.

    Es gibt sehr wohl eine günstigere und bessere Alternative zum A400M.

  3. 2) Die Budgetüberschreitung von EADS liegt bei 11-12 Mrd. Euro, nicht bei "über 5 Mrd". 5-6 Mrd. Euro ist der Betrag, den EADS zusätzlich vom Steuerzahler haben will.

    3) Die Transall spielt für den Transport Deutschland- Afghanistan keine nennenswerte Rolle. Die C160 sind für den taktischen Transport in Afghanistan. Bis Afghanistan (bzw. Usbekistan) fliegt man mit Airbus A310, AN124, IL76 etc. Es wäre vollkommen unsinnig, den relativ teuren Kurzstreckenflieger Transall auf der Langstrecke einzusetzen.

    4) EADS kann sich einen Ausstieg aus dem A400M Projekt nicht leisten. EADS würde dann zukünftig als Rüstungslieferant wegfallen, denn finanzielle Desaster wie beim EF2000, Tiger, NH90 werden sich die Finanzminister nicht mehr gefallen lassen. Herr Enders blufft da, und viele gehen ihm auf den Leim. Zudem hat vieles der Mehrkosten mit Misswirtschaft zu tun. Auch das verschweigt Herr Enders.

    5) Industriepolitisch (= die Arbeitsplätze im Land halten), entgleiten EADS gerade die Argumente. Denn das Pentagon würde gern im Rahmen eines Kompensationsgeschäftes in Europa Heerestechnik einkaufen, da hier europäische Unternehmen zahlreiche interessante Produkte im Angebot haben. Der wirtschaftspolitische Deal wäre eben: Europa kauft Flugzeuge in den USA, die USA kaufen Heerestechnik in Europa. Beide haben günstiger bessere Ausrüstung, beide haben trotzdem keine Arbeitsplatzverluste.

  4. In der Realität ist die Verhandlungsposition von EADS also bei weitem nicht so gut, wie der bluffende Herr Enders und seine PR-Abteilung behaupten. Die Schwachstellen, auf die er hoffen kann, sind lediglich inkompetente luschenhafte Politiker.

    Äh, OK, die Chancen von Herrn Enders stehen gut, wieder mal den Steuerzahler über den Tisch zu ziehen.

  5. Die Antonow AN-70 erfüllt das Pflichtenheft nicht ansatzweise. Zudem sind die verwendeten Techniken zum Großteil noch aus der Steinzeit des Flugzeugbaus.

    Dann sind die Lieferländer politisch unzuverlässig. Ein No-Go für Rüstungsgüter.

    Nicht zuletzt gibt es keine Möglichkeit zu Kompensationsgeschäften.

    All das sieht bei C130 und C17 aus den USA vollkommen anders aus.

    Daher scheidet die AN-70 als Möglichkeit aus.

    Antwort auf "Dumme Regierungen..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ADoria
    • 06.01.2010 um 22:44 Uhr

    ... wovon Sie schreiben! Wahrscheinlich sind Sie Geflügelzüchter und haben weitläufig daher auch mit Luftverkehr zu schaffen.
    Ich empfehle die Folien auf den Seiten 28 und 29.

    http://www.fzt.haw-hambur...

    • ADoria
    • 06.01.2010 um 22:44 Uhr

    ... wovon Sie schreiben! Wahrscheinlich sind Sie Geflügelzüchter und haben weitläufig daher auch mit Luftverkehr zu schaffen.
    Ich empfehle die Folien auf den Seiten 28 und 29.

    http://www.fzt.haw-hambur...

  6. ... aber ich stimme Ihnen bei diesem Thema in allen Punkten zu.

    Nebenbei bemerkt, wäre Boing vermutlich richtig scharf darauf den europäischen Staaten 30, 40 oder 50 C-17 zu liefern. Denn die Produktionsstätte für die C-17 ist seit 2009 nicht ausgelastet und sollte eigentlich schon längst geschlossen werden. Ein Auftrag über 10 weitere C-17 soll die Produktion bis 2013 strecken, reduziert aber nochmals die Auslastung, die auf ca. 15-17 Maschinen p.a. ausgelegt ist. Entsprechend könnte Europa also mit ca. 10 Maschinen p.a. rechnen... ab sofort.

    Auch erwähnenswert ist die Tatsache, dass seit mehr als 10 Jahren über 200 C-17 bereits weltweit ohne nennenswerte Probleme bei den westlichen Luftwaffen und Alliierte im Einsatz sind. Daher kann man Ganz im Gegensatz zum A400M davon ausgehen, dass es keine Kinderkrankheiten mehr gibt und die Produktion auch beherrscht wird... (siehe Kabelbäume beim A380!)

    Also: Daumen drücken, dass der EADS der A400M um die Ohren fliegt!

  7. Mit der Argumentation der EADS habe ich große Probleme. Ein Festpreis ist ein Festpreis.

    Beim Festpreis tragen beide Partner Risiken. Der Unternehmer, wenn der Festpreis nicht reicht und der Kunde, wenn er zu viel bezahlen muss, weil die Entwicklung billiger wurde.
    Hätte EADS den Kunden Geld angeboten, wenn der A400M viel billiger als vorgesehen wird. Wohl kaum.

    Normalerweise läuft ein Preisbildungsverfahren so:
    Der Kunde beschreibt, was er haben will.
    Der Lieferant beschreibt auf dieser Basis, was er liefern will und nennt einen Preis und einen Termin.
    Wenn im Laufe der Entwicklung Zusatzwünsche vom Kunden kommen, werden auch die Erweiterungen preislich und terminlich kalkuliert und vereinbart.
    Wenn ein Projekt zu komplex ist, dann vereinbart man erst eine Analysephase, für die auch ein Preis zu entrichten ist. Am Ende der Analysephase wird ein Festpreis und der Termin für die Lieferung benannt.

    Die gesamten genannten Gründe für die Kostensteigerung liegen im Risiko von EADS.

    Bei den echten Kosten können Firmen manipulieren. Da arbeitet ein Mitarbeiter zwischenzeitlich an einer Fehlerbeseitigung in einem Projekt, für die es kein Geld gibt, schreibt aber seine Zeiten auf das Projekt, an dem er normalerweise arbeitet. Um Wieviel die Entwicklung des A400M wirklich teurer wurde, wird sich nie 100% nachprüfen lassen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service