Genügend Nahrung zu gewinnen, ist oft mühsam © Ted Aljibe/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Die Landwirtschaft muss wachsen, um den Welthunger zu stillen. Zugleich muss sie aber auch klimafreundlicher werden. Wie soll das gehen?

Joachim von Braun: Auf der einen Seite erzeugt Landwirtschaft Treibhausgase, auf der anderen Seite werden durch den Klimawandel Armut und Hunger zunehmen. Ohne Klimawandel rechnen wir im Jahr 2050 mit 113 Millionen unterernährten Kindern auf der Welt. Berücksichtigt man die Klimaszenarien, werden es mehr als 140 Millionen sein. Sieben Milliarden Dollar sind allein erforderlich, um den zusätzlichen Hunger zu verhindern.

ZEIT: Mehr Geld! Das ist eine wohlfeile Forderung. Was konkret soll denn damit geschehen?

Von Braun: Mittelfristig ist Wasser das wichtigste Thema. Die Welt ist bei den Wasservorräten am allerungleichsten: Afrika muss beispielsweise Tausende kleiner Staudämme bauen, um Wasser aufzufangen. Schaut man sich an, wie viel Wasser pro Kopf gespeichert wird, unterscheiden sich Amerika und Europa von Afrika um den Faktor hundert.

ZEIT: Und wie lassen sich die Emissionen in der Landwirtschaft reduzieren?

Von Braun: Die Bodenbewirtschaftung hat den größten Einfluss darauf, wie viele Treibhausgase erzeugt werden. Die Haut der Erde hat Krebs. Viele Böden werden falsch genutzt und ausgebeutet, sie sind versalzen, haben Nährstoffdefizite. Diesen Hautkrebs zu heilen muss als globale Aufgabe verstanden werden, auch in Deutschland. Der neue Bio-Ökonomierat der Bundesregierung nimmt sich dieser Frage an.

China pflegt seine Beziehungen zu Afrika, um Rohstoffe zu beschaffen. Klicken Sie auf das Bild, um mehr zu lesen! © Amos Gumulira/AFP/Getty Images

ZEIT: Eine weitere Bedrohung des Klimas stellen die weltweiten Rinderbestände dar. Die sondern gewaltige Mengen des Treibhausgases Methan ab.

Von Braun: Wir müssen die Haltung von Wiederkäuern im großen Stil auch in den Entwicklungsländern verändern. Die klimafreundlichste Kuh ist – so paradox das klingt – diejenige mit den höchsten Milcherträgen. Bezogen auf den Liter Milch, erzeugt sie weit weniger Methan. Auch in der Futter- und Weidewirtschaft steckt Einsparpotenzial. Nicht zuletzt ist die Züchtungsforschung gefordert. Der Verdauungstrakt einer Kuh des 21. Jahrhunderts muss nicht notwendigerweise viele methanproduzierende Mikroben enthalten.

ZEIT: Bleiben als dritter großer Klimafaktor die Reisfelder der Welt. Auch sie setzen Methan frei.

Von Braun: Beim Reisanbau gibt es gute Ideen: die Staunässe auf den Feldern vermeiden, weniger Pflanzenteile vermodern lassen und damit weniger Methan erzeugen.

ZEIT: Wer soll das bezahlen?

Von Braun: Aus dem Kopenhagener Klimainnovationstopf müssen entsprechende Mittel fließen.

ZEIT: Reicht es denn, Geld zu geben? Bauern gelten doch landläufig als traditionsverhaftet, manche beschimpfen sie sprichwörtlich als stur.

Von Braun: Bauern gehören zu den weltweit am meisten unterschätzten Innovatoren. Ich war neulich in Gujarat, einer Region Indiens, die jedes Jahr zehn Prozent Ertragssteigerung aufweist, die höchste Rate weltweit. Ich habe dort mit jungen Kleinbauern unter einem Baum gesessen und diskutiert. Was machen sie besser als andere? Sie nutzen ihr Wasser optimal und setzen auf das beste Saatgut. Woher sie davon wussten? Aus dem Fernsehen. Die Männer fahren auf ihren Mopeds bis zu 300 Kilometer weit, um das beste Saatgut zu bekommen. Ich könnte viele solcher Geschichten erzählen, etwa von den Frauen in Afrika, die für mich zu den erfolgreichsten Innovatoren überhaupt gehören.