Technik im Trend Unsere Tippsen-IdentitätSeite 2/2

Im Unterschied zu Username und Passwort kann das Tippverhalten nicht einmal freiwillig weitergegeben werden. Apraxa, eine Genossenschaft von über 2000 Anwälten, nutzt Psylock, um sicherzustellen, dass ihre teure juristische Datenbank wirklich nur von zahlenden Mitgliedern und nicht auch von deren Freunden und Verwandten aufgerufen wird. Beim Download von Musik und Filmen oder bei der Nutzung kostenpflichtiger E-Learning-Angebote wäre eine eindeutige Identifizierung berechtigter Nutzer ebenso interessant.

»Am Anfang war der Widerstand extrem hoch«, erinnert sich die Apraxa-Prokuristin Christel Pfeil. Doch selbst die kritischen Juristen überzeugte die Zuverlässigkeit des Systems schnell.Es lernt sogar mit. Wenn ein Erstsemester im Verlauf des Studiums immer schneller tippt oder die Finger eines alternden Anwalts unter Rheuma zu leiden beginnen, erkennt die schlaue Software die schleichende Veränderung und stellt sich darauf ein. Selbst ein Wechsel des Computers oder der Tastatur macht kein Problem.

Anders sieht es allerdings bei einem gebrochenen Finger aus – oder beim Umstieg von zwei auf zehn Finger. Auch auf den winzigen Knöpfen eines Handys oder mit der ungewohnten Buchstabenanordnung auf einer französischen oder spanischen Tastatur lässt sich das gewohnte Tippverhalten nicht mehr reproduzieren. Und wer beim Sektempfang im Büro zu tief ins Glas blickt, scheitert anschließend womöglich am eigenen Login. Wahrscheinlich ist das dann aber auch besser so.

 
Leser-Kommentare
  1. Allen Lesern der "Zeit" ein gesegnetes neues Jahr!
    In Ihrem Artikel wurde versehentlich ein falscher Gründer der Psylock GmbH genannt. Gründer und Erfinder der Psylock Tippbiometrie ist Prof. Dr. Dieter Bartmann. Seine Methode der Authentisierung mittels Tippverhalten wurde unter anderem mit dem "Deutschen IT-Sicherheitspreis 2008", einem der höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreise, ausgezeichnet.

    • Ranjit
    • 20.03.2010 um 17:09 Uhr

    Als Kennwortersatz angewandt ist diese Technik sicher vorteilhaft.

    Jedoch könnte dieses System auch für die Identifizierung von Personen im Netz benutzt werden. Aufwändig und nicht universell andwendbar, aber anwendbar genug um besorgniserregend zu sein.

    Ähnliches funktioniert auch mit Stilerkennungssoftware. Ist ein Text nur lang genung und liegen einige Proben des Schreibstils vor, so kann auch damit der Schreiber identifiziert werden.

    Derartige Möglichkeiten in den Händen von Unternehmen und Regierungen sind hoch problematisch.

    Aber auch in direkter Anwendung ist es bezeichnend, dass das System primär eingesetzt wird um ultra-restriktive Copyrightbestimmungen durchzusetzen.

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    Kein Vorteil ohne Nachteil, keine Erfindung, die nicht zu guten UND üblen Zwecken eingesetzt werden kann.
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    Für notorische Passwortvergesser wie mich, die deswegen ihre Sicherheit mit einfachen und immergleichen Passwörtern auf's Spiel setzen eine gute Sache.

    Kein Vorteil ohne Nachteil, keine Erfindung, die nicht zu guten UND üblen Zwecken eingesetzt werden kann.
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    Für notorische Passwortvergesser wie mich, die deswegen ihre Sicherheit mit einfachen und immergleichen Passwörtern auf's Spiel setzen eine gute Sache.

  2. Kein Vorteil ohne Nachteil, keine Erfindung, die nicht zu guten UND üblen Zwecken eingesetzt werden kann.
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    Für notorische Passwortvergesser wie mich, die deswegen ihre Sicherheit mit einfachen und immergleichen Passwörtern auf's Spiel setzen eine gute Sache.

    Antwort auf "Gruselig"

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