Bischöfin Käßmann "Ich träume davon, mich irgendwann ins Private zurückzuziehen"
Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, glaubt an Motivation durch Träume und wünscht sich mehr gesellschaftliche Verantwortung und mehr Ruhe für sich.
© Georg Hohenberg

Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche
Der Satz »Ich habe einen Traum« ist für mich biografisch sehr wichtig. Als Schülerin in den USA habe ich eine Hausarbeit über Martin Luther King geschrieben. Die Beschäftigung mit diesem Menschen, der aus seinem Glauben heraus zum politischen Engagement gelangte, hat in mir Interesse geweckt, Theologie zu studieren. Kings Rede 1963 in Washington ist einer der stärksten Texte des 20. Jahrhunderts. Und der Einzug der Obamas ins Weiße Haus zeigt: Träume können wahr werden!
Margot Käßmann war Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Seit Januar 2011 ist sie Gastprofessorin an der Ruhr-Universität Bochum mit dem Forschungs- und Lehrschwerpunkt der Ökumene und Sozialethik. Sie hat mehrere Bücher geschrieben.
Der Traum von Gerechtigkeit, Frieden, der Bewahrung der Schöpfung hat mich schon als junge Frau begeistert. Ich weiß, viele werden abwinken und mich als naive Weltverbesserin bezeichnen. Aber die Welt braucht Träumer, die darauf hoffen, dass es irgendwann Nahrung für alle geben könnte, Obdach, Bildung und Gesundheitsversorgung für jedes Kind. Solche Träume bilden das Gewebe, das die Welt zusammenhält. Träume können uns motivieren, Verantwortung zu übernehmen. Die Bibel ist voller Träume. Hätte Joseph nicht geträumt, dass sieben magere Jahre auf ihn zukommen, hätte er nicht sieben fette Jahre lang vorgesorgt. Sosehr ich an Gottes zukünftige Welt glaube: Schon diese Welt kann verändert und verbessert werden! Wir können etwas bewegen, als Kirche, aber auch als Individuen. Ein Beispiel: Kürzlich habe ich gelesen, dass der Durchschnittsdeutsche täglich 220 Minuten fernsieht. Es wäre traumhaft, wenn jeder für nur zwanzig Minuten den Fernseher ausschalten und diese Zeit einem alten oder pflegebedürftigen Nachbarn widmen würde. Ich träume von einem neuen Zusammengehörigkeitsgefühl. Und ich träume davon, dass mehr Menschen in unserem Land erfahren, dass sie im christlichen Glauben eine Lebenshaltung finden können. Ich erlebe viele entwurzelte Menschen, die Orientierung suchen. Unsere Kirche kann ein Ort für sie sein, ein Ort mit weit offenen Türen.
Beruflich habe ich alles erreicht, was eine Theologin in diesem Land erreichen kann. Auch wenn die Arbeit als Ratsvorsitzende nicht unbedingt ein Traumjob ist. Er bringt ein heftiges Maß an Öffentlichkeit und Verantwortung mit sich, mein privates Leben wird dadurch sehr eingeschränkt. Ich träume davon, mich irgendwann wieder mehr ins Private zurückziehen zu können. Aber das wird wohl noch zehn Jahre dauern. Sosehr ich meinen Beruf liebe – ich muss nicht unbedingt bis 68 arbeiten. Der Vorruhestand ist für mich eine reizvolle Vorstellung. Eine Herabsetzung des Rentenalters würde mich persönlich freuen.
Ich hoffe, dass ich, so Gott will, noch eine Lebensphase ohne Berufsdruck erleben werde. Eine Phase, in der ich ausgiebig lesen, schreiben, joggen, schwimmen kann, all das, wofür jetzt so wenig Zeit bleibt. Und ich träume davon, Großmutter zu werden. Mit vier Töchtern stehen meine Chancen ja ganz gut. Von großen persönlichen Veränderungen träume ich ansonsten nicht, ich bin sehr glücklich mit meinem Leben. Und dankbar für die Freiheit, in der ich lebe. Sie ist für viele Frauen in der Welt leider nur ein Traum.
Aufgezeichnet von Jörg Böckem
- Datum 09.01.2010 - 18:16 Uhr
- Serie Ich habe einen Traum
- Quelle ZEITmagazin, 07.01.2010 Nr. 02
- Kommentare 62
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... auch mein Traum, wenn diese Frau sich möglichst bald ins Private zurückziehen würde.
Ich teile die Träume von Frau Käßmann (soweit sie über das Persönliche hinausgehen) - sie helfen auch manchen abschätzigen Kommentar, der hier auftaucht, besser auszuhalten. Und Gott sei Dank folgen dann ja auch noch manch wertschätzende Kommentare.
Ich teile die Träume von Frau Käßmann (soweit sie über das Persönliche hinausgehen) - sie helfen auch manchen abschätzigen Kommentar, der hier auftaucht, besser auszuhalten. Und Gott sei Dank folgen dann ja auch noch manch wertschätzende Kommentare.
nur wird dieser Traum für immer mehr Menschen in einer ernüchternden Realität von Armut, Ausgrenzung und erzwungener Abstinenz von der gesellschaftlichen Teilhabe münden, wenn es so weiter geht wie jetzt und in absehbarer Zukunft!
Während Frau Käßmann an motivierende Träume glaubt, müssen immer mehr Bürger resigniert daran glauben und sich von ihren Träumen verabschieden. Keine Chance mehr auf Teilhabe auf Augenhöhe, stattdessen winken Hartz und Altersarmut.
Ach könnte sich Frau Käßmann doch stark machen für die Benachteiligten unserer Gesellschaft und damit dagenen wirken, dass sich diese Gesellschaft immer weiter sozial spaltet. Dahin wirken, dass sich aus einer Gesellschaft, in der beinah jeder gegen jeden antreten und kämpfen muss und die immer mehr Mitmenschen ausgrenzt, zu einer Gemeinschaft wird, in der es wieder Freude macht mit einander zu leben und sich gegenseitig solidarisch zu unterstützen!
Auf diesem Wege würde sie obendrein auch noch den Weg des Nazareners beschreiten, der seinen Platz an der Seite der Hilfebedürftigen und Ausgestoßenen sah und für diese eintrat; Den Weg einer echten Teilhabe auf gleicher Augenhöhe für alle Menschen...
...dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Sie beschreiben es sehr genau. Allerdings ist es mit beten und träumen nicht getan.
Aber vielleicht hört Frau Käßmann, die ja eine recht sympatische Frau ist, mit dem Träumen auf und tritt wortstark in der Realität für eine gerechtere Welt ein.
...dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Sie beschreiben es sehr genau. Allerdings ist es mit beten und träumen nicht getan.
Aber vielleicht hört Frau Käßmann, die ja eine recht sympatische Frau ist, mit dem Träumen auf und tritt wortstark in der Realität für eine gerechtere Welt ein.
...dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Sie beschreiben es sehr genau. Allerdings ist es mit beten und träumen nicht getan.
Aber vielleicht hört Frau Käßmann, die ja eine recht sympatische Frau ist, mit dem Träumen auf und tritt wortstark in der Realität für eine gerechtere Welt ein.
es bedarf schon etwas mehr als einem himmelwärts gerichtete Blick und einiger flehender Worte zum Herren.
Allerdings ist Frau Käßmann eine einflussreiche Frau und hat die Möglichkeit sich mit ihren Worten an eine große Masse von Mitbürgern zu wenden und diese zu überzeugen, dass in Berlin seit einiger Zeit eine Koalition von kaltherzigen Hasardeuren am Werk ist, mit dem primären Ziel, immer mehr und noch mehr Kohle von den vielen dort unten, an die wenigen dort oben zu schaufeln, um den Preis von millionenfachem Leid, Armut und der gnadenlosen Zerstörung unser aller Lebensraums!
Sie kann sich selbst einbringen und mit an einem ebenso bahnbrechenden wie längst überfälligen Paradigmenwechsel mitarbeiten; Dem Übergang von einem ausbeuterischen krebsgleichen Gesellschaftssystem ohne Beispiel in der Geschichte der Menschheit, hin zu einer lebenswerten Gemeinschaft des Mit- und Füreinanders und der angemessenen Teilhabe aller Menschen an deren Früchten.
Auf diesem Wege wäre es ihr womöglich sogar vergönnt in die Weltgeschichte einzugehen, als eine treibende Kraft bei der Errettung soo vieler Menschen aus unwürdigen Zuständen, aus furchtbarer Angst und bitterer Not sowie der Erhaltung der Natur, wie wir sie kennen, schätzen, zum Leben brauchen und lieben gelernt haben :-)))
Ist nicht all dies "nebenbei" auch der eigentliche Auftrag unseres christlichen Religionsstifters, den Frau Käßmann damit wieder aufgreifen könnte und umzusetzen helfen würde?!!
es bedarf schon etwas mehr als einem himmelwärts gerichtete Blick und einiger flehender Worte zum Herren.
Allerdings ist Frau Käßmann eine einflussreiche Frau und hat die Möglichkeit sich mit ihren Worten an eine große Masse von Mitbürgern zu wenden und diese zu überzeugen, dass in Berlin seit einiger Zeit eine Koalition von kaltherzigen Hasardeuren am Werk ist, mit dem primären Ziel, immer mehr und noch mehr Kohle von den vielen dort unten, an die wenigen dort oben zu schaufeln, um den Preis von millionenfachem Leid, Armut und der gnadenlosen Zerstörung unser aller Lebensraums!
Sie kann sich selbst einbringen und mit an einem ebenso bahnbrechenden wie längst überfälligen Paradigmenwechsel mitarbeiten; Dem Übergang von einem ausbeuterischen krebsgleichen Gesellschaftssystem ohne Beispiel in der Geschichte der Menschheit, hin zu einer lebenswerten Gemeinschaft des Mit- und Füreinanders und der angemessenen Teilhabe aller Menschen an deren Früchten.
Auf diesem Wege wäre es ihr womöglich sogar vergönnt in die Weltgeschichte einzugehen, als eine treibende Kraft bei der Errettung soo vieler Menschen aus unwürdigen Zuständen, aus furchtbarer Angst und bitterer Not sowie der Erhaltung der Natur, wie wir sie kennen, schätzen, zum Leben brauchen und lieben gelernt haben :-)))
Ist nicht all dies "nebenbei" auch der eigentliche Auftrag unseres christlichen Religionsstifters, den Frau Käßmann damit wieder aufgreifen könnte und umzusetzen helfen würde?!!
und Überforderung, im und durch das Amt. Aber es hindert Frau Käßmann niemand - und das sage ich ohne Zynismus - sich ins "Privatere" zurückzuziehen, wenn Ihr die Rolle zu viel wird.
ich träumte, dass offensichtlich naive Menschen, wie Frau Käßmann, sich endlich den Realitäten dieser Welt stellen.
Denn nur wer die Realität erkannt hat, kann sie zum besseren ändern. Die Wunschrealität eines verträumten Mädchens mag ja schön sein, sie macht die Welt aber nicht besser.
Erst wenn wir erkennen, dass viele Menschen voller Egoismus, Herrschsucht, Eitelkeit, Faulheit und archaischer Triebhaftigkeit sind, können wir die Welt so gestalten, dass sie Tag für Tag ein wenig besser wird und Laster im Zaum hält.
Durch Verleugnung der Realitäten dieser Welt landen wir im Chaos. Nur wenn wir den Menschen sagen, dass Werte, die sie konsumieren wollen, erst geschaffen werden müssen, werden sie die Welt durch Schaffung von Wohlstand besser machen.
Nur wenn wir den Jungen Starken klar machen, dass auch sie einmal alt und gebrechlich sind, werden sie sich um Alte und Schwache kümmern und den Sinn christlicher Soziallehre verstehen. Nur wenn wir, notfalls mit Waffengewalt, Despoten und Mördern entgegen treten und sie stoppen, werden mögliche Nachahmer merken, dass sie mit ihrem menschenverachtenden Tun nicht durchkommen.
Ich träumte, dass wir wieder eine evangelische Kirche haben, die Halt gibt, die Menschen ihr Dasein tagtäglich ein wenig erträglicher macht und keinen Zeitgeistpopulismus betreibt. Ich träumte von einer EDK- Ratsvorsitzenden, die den Unterschied zwischen einem Kirchenführer einer Politikerin verstanden hatte.
Dann wachte ich auf und sah Frau Käßmann.
oder wollen wir stattdessen weiter meckern, wie schlimm alles ist? Resignieren bringt keine Punkte, ein Leben nach friedlichen Träumen allerdings schon.
Jeder kann seine Welt etwas verbessern: Sich für andere Menschen stark machen, Toleranz und Mitgefühl zeigen, Lächeln und 10 Prozent seines Weihnachtsgeldes oder der Weihnachtswünsche für eine gute Sache spenden.
Die Bibel-Märchen benötigt man nicht unbedingt, man muss lediglich Verstand und Herz einsetzen. Am Ende spricht doch das Herz die gleiche Sprache. Warum also die Worte von Frau Kässmann in Frage stellen? Einfach von dem Teil inspieren, der anspricht und nicht verleumden und eigene Sprüche klopfen!
es bedarf schon etwas mehr als einem himmelwärts gerichtete Blick und einiger flehender Worte zum Herren.
Allerdings ist Frau Käßmann eine einflussreiche Frau und hat die Möglichkeit sich mit ihren Worten an eine große Masse von Mitbürgern zu wenden und diese zu überzeugen, dass in Berlin seit einiger Zeit eine Koalition von kaltherzigen Hasardeuren am Werk ist, mit dem primären Ziel, immer mehr und noch mehr Kohle von den vielen dort unten, an die wenigen dort oben zu schaufeln, um den Preis von millionenfachem Leid, Armut und der gnadenlosen Zerstörung unser aller Lebensraums!
Sie kann sich selbst einbringen und mit an einem ebenso bahnbrechenden wie längst überfälligen Paradigmenwechsel mitarbeiten; Dem Übergang von einem ausbeuterischen krebsgleichen Gesellschaftssystem ohne Beispiel in der Geschichte der Menschheit, hin zu einer lebenswerten Gemeinschaft des Mit- und Füreinanders und der angemessenen Teilhabe aller Menschen an deren Früchten.
Auf diesem Wege wäre es ihr womöglich sogar vergönnt in die Weltgeschichte einzugehen, als eine treibende Kraft bei der Errettung soo vieler Menschen aus unwürdigen Zuständen, aus furchtbarer Angst und bitterer Not sowie der Erhaltung der Natur, wie wir sie kennen, schätzen, zum Leben brauchen und lieben gelernt haben :-)))
Ist nicht all dies "nebenbei" auch der eigentliche Auftrag unseres christlichen Religionsstifters, den Frau Käßmann damit wieder aufgreifen könnte und umzusetzen helfen würde?!!
"Auch wenn die Arbeit als Ratsvorsitzende nicht unbedingt ein Traumjob ist. Er bringt ein heftiges Maß an Öffentlichkeit und Verantwortung mit sich, mein privates Leben wird dadurch sehr eingeschränkt. Ich träume davon, mich irgendwann wieder mehr ins Private zurückziehen zu können."
Kaum zu glauben!
Für Frau Käßmann, ihres Zeichens seit kurzem erste Frau an der Spitze der EKD, ist der Job kein Traumjob – sie will ins Private abtauchen, ausgiebig lesen, schreiben, joggen, schwimmen und ... vermutlich Apfelkuchen backen.
Das ist ihr Traum?
Für viele Frauen ist dies hierzulande nicht nur ein Traum, jedoch wie Frau K. an anderer Stelle klarstellen musste:
"Die Gleichberechtigung ist erst erreicht, wenn durchschnittliche Frauen in Führungspositionen sind."
... und vom Rückzug ins Private träumen?
Da bekommt der Begriff "Traumjob" doch eine völlig neue Dimension.
wäre doch gut, wenn all die mittelmäßigen ( mit Tendenz gegen 0) Männer von den 'Jobs' nur noch träumen könnten!
wäre doch gut, wenn all die mittelmäßigen ( mit Tendenz gegen 0) Männer von den 'Jobs' nur noch träumen könnten!
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