30 Jahre Grüne Was den Grünen blühtSeite 2/2
In seinem jüngst erschienenen Buch Die Grünen macht sich der ehemalige Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, zum Sprachrohr der Lageranhänger. Er warnt seine Partei davor, eine »neue Funktionspartei der Mitte« zu werden – oder schlicht »beliebig«. Diesen Vorwurf weist Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung, zurück: Keine andere Partei würde so sehr wegen ihrer Inhalte gewählt. Ihr »unveräußerlicher Markenkern« sei klar profiliert: die Umweltkompetenz, das Anliegen eines selbstbestimmten Lebens und die Chancengerechtigkeit. Fücks’ Fazit: »Die Grünen sind eigenständig genug, ihre Themen sind stark genug, dass wir es wagen können, unterschiedliche Koalitionen einzugehen, ohne als beliebig wahrgenommen zu werden.« Das Kernprojekt einer ökologischen Transformation der Industriegesellschaft ließe sich nur umsetzen, wenn man auch lagerübergreifende Bündnisse eingehe: »Das Fünf-Parteien-System erlaubt keine Festlegung auf ein Modell.«
Wie aber lassen sich die kulturellen wie weltanschaulichen Vorbehalte gegen solche Koalitionen auflösen? Fücks rät zu »Transparenz und Ehrlichkeit«. Erfolge wie Niederlagen müsse man offenlegen: »Insbesondere bei lagerübergreifenden Koalitionen müssen wir intensiv mit unseren Mitgliedern und Anhängern reden.« Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, benennt eine noch klarere Bedingung: »Diese Bündnisse müssen eindeutig grüne Substanz tragen – sonst können wir gleich einpacken.«
Die NRW-Wahl wird nun zum Testfall für die grüne Strategiediskussion. An Rhein und Ruhr werden die Grünen wahrscheinlich eine Jamaika-Koalition ausschließen, sonst aber nichts. Womöglich wird dann die Übergangszeit für die Grünen ein Ende finden. Wenn Schwarz-Grün im größten Bundesland zustande käme, wenn es den Grünen gelänge, dieses Bündnis substanziell zu prägen und es so transparent nach außen zu präsentieren, dass die Skeptiker in den eigenen Reihen zumindest leiser würden, dann hätte dies etwas Erlösendes. Gelingt es nicht, etwas Ernüchterndes.
Weniger dynamisch als in der Strategiedebatte zeigen sich die Grünen beim Personal. Schon seltsam. Einst rotierten die grünen Spitzenleute so rasch, dass keine Zeit blieb, sich an Namen zu gewöhnen. Und heute ist alles erstarrt. Zwar ist mit Cem Özdemir an der Parteispitze im Spätherbst 2008 ein anderes Gesicht aufgetaucht, aber eben kein neues. Özdemir sprach schon öffentlichkeitswirksam über Integration und Bildung, als er 1994 im Bundestag auftauchte. 16 Jahre später spricht er immer noch darüber. Etwas wenig Breite für einen Vorsitzenden.
Das Personalproblem der Grünen äußert sich darin, dass die Alten nicht gehen wollen – und die Jüngeren zu wenig drängen. Gerade in Özdemirs Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen gibt es gute Leute, denen es gefällt, dort zu bleiben, wo sie sind. Ob Tarek Al-Wazir, Boris Palmer oder Volker Ratzmann: Mal passt es gerade nicht, mal ist es zu schön, mal kommt ein Kind – und immer fehlt der Biss. Das ist menschlich sympathisch und authentisch grün. Es führt aber dazu, dass die Grünen in den Spitzen ergrauen. Ein Wechsel täte gut. Nicht als Tribut an die mediale Zerstreuungsindustrie, sondern als Ideenschub.
Was fehlt, ist die Relevanz – das ist die Ironie der 30-jährigen Geschichte
Seit 30 Jahren sind die Grünen nun die Seismografen für Ökologie. Was aber kommt jetzt, da Umwelt Mainstream ist? Wo ist das Thema, das den Grünen neues Interesse beschert, sie wieder Avantgarde werden lässt? Hört man sich um unter grünen Frauen und Männern, so vernimmt man Schlagwörter wie Green New Deal, ressourcenschonendes Wachstum, grüne Technologie – und jede Menge Vorschläge für Debatten: über den Wachstumsbegriff, über die Frage, wie wir unter den Bedingungen der Globalisierung leben wollen, über Verzicht als Gewinn. Die Grünen tasten noch und suchen, debattierbereit und meinungsstark wie eh und je. Was fehlt, ist die Relevanz – und genau hier liegt die große Ironie ihrer 30-jährigen Geschichte.
Die Grünen haben sich einst gegründet als eine Anti-Parteien-Partei, eine politische Kraft, die ihr Heil allein in der Opposition zu finden glaubte. Nun müssen sie an die Macht, damit aus dem Suchen ein Finden wird, damit sie eine Zukunft haben.
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- Datum 13.01.2010 - 10:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.01.2010 Nr. 03
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"ressourcenschonendes Wachstum, grüne Technologie – und jede Menge Vorschläge für Debatten: über den Wachstumsbegriff, über die Frage, wie wir unter den Bedingungen der Globalisierung leben wollen, über Verzicht als Gewinn"
Genau das sind doch die zentralen Fragen, die uns in Zukunft beschäftigen werden. Sollten die Grünen es schaffen, diese Aspekte wirksam in die öffentliche Debatte einzubringen, dürfte fehlende Relevanz nicht das Problem sein. Ernsthafte Bemühungen, insbesondere im Hinblick auf eine kritische Diskussion des Wachstumsbegriffs und der Lebensbedingungen in einer globalisierten Welt, kann ich bisher jedoch bei keiner Partei erkennen.
Die Grünen haben ihren Absprung längst verpasst. Sie sind in die Ideologiefalle getappt im Grunde genauso wie die SPD. Letztlich, weil sich die Linken Ideologen durchgesetzt haben.
Das steht pragmatischer Politik im Wege.
Auch sind sie entzaubert, seit nicht nur Klimawandelforscher Manipulation und gezielte Diskreditierung wissenschaftlicher Gegner betrieben haben.
Auch die nüchternen Erkenntnisse bezüglich so mancher "grüner" Vorstellungen, dass sie bei näherer Betrachtung immer häufiger alles andere, aber nicht umweltförderlich sein können.
Zuletzt bleibt die Erkenntnis, dass die Grünen den Umweltchutz nicht erfunden haben, sie lediglich verstärkend und populistisch erfolgreich waren. Das war z.T. nötig, wegen der z.T. bornierten und ignoranten Haltung des Establishments der damaligen Zeit.
Doch wird immer deutlicher, dass sie diesen zu Recht bekämpften Einstellungen letztlich nur eine ebenso bornierte und ignorante Gegenposition gegenübergestellt haben. Ein überzeugendes gesellschaftliches Alternativmodell haben sie nie besessen bzw. haben sie der Macht und dem Einfluss mittels Verbänden geopfert.
Heute sind sie vielfach nur weitere Kostgänger des Staates, die immer häufiger neue Aufreger benötigen, um ihre Existenz zu rechtfertigen, auch wenn sie fragwürdig sind.
H.
koalieren, sondern kollabieren.
Das haben sie verdient.
...schreibt die Zeit!
Es mag richtig sein, dass inzwischen auch bei den großen Volksparteien CDU/CSU und SPD die Erkenntnis angekommen ist, dass sich ganz ohne ökologische Zielsetzungen keine Wahl mehr gewinnen läßt.
Aber heißt das auch, dass Umweltschutz von den anderen politischen Parteien in vergleichbarer Weise als Priorität gesehen wird wie es die Grünen tun?
Doch wohl eher nicht. Die SPD ist nach wie vor eng verbunden mit der Kohleförderung und stellt sich gegen den Abbau der ökologisch völlig unsinnigen Subevntionen in diesem Bereich.
Die CDU/CSU stellt sich nicht gegen die Verlängerung der Restlaufzeiten und lässt ein den Grünen ebenbürtiges Engagement für die erforderliche Umstellung unserer Energieerzeugung vermissen. Stattdessen denkt man über eine Kappung der Solarfrderung nach.
Fazit: Nur wo grün draufsteht, ist auch wirklich grün drin...
"Drei Jahrzehnte nach dem Entstehen der Ökopartei ist die Republik ergrünt. Der Zeitgeist ist grün"
Das kann nur als ein schlechter Witz bezeichnet werden. Oder als ein Zeichen der gesellschaftlichen und geistigen Inzucht, wenn man sich nur unter Gleichgesinnten bewegt.
Die Grünen waren vor 20 Jahren wichtig, weil sie den Umweltschutz zum Thema machten. heute ist Umweltschutz für alle ein Thema und damit die Grünen überflüssig.
Dazu kommt, dass sie nicht mehr das sind, was sie einmal waren, sondern eine etablierte Partei, die noch dazu 2001 mit der Zustimmung zum Angriffskrieg gegen Afghanistan einen essentiellen Punkt ihres Programms um des Machterhaltes Willen verraten haben. Ein weiterer ihrer Programmpunkte, "Multikulti", hat sich als böser Schuss in den Ofen erwiesen. Und was sie heute noch bringen, schrammt ständig am Rande der Realsatire dahin.
Also: Weg damit in den Mülleimer der Geschichte!
Fokko vom Fantasy-Blog/Selbstversorger-Blog
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http://fokko.wordpress.com/
http://selbstversorger-bl...
Wieder mal ein gehässiger Artikel gefolgt von gehässigen Kommentaren. Streitkultur mag ja demokratisch sein, aber an keinem ein gutes Haar lasen führt doch zu nichts. Sehen wir es doch besser mal realistisch.
KEINE PARTEI ist so intelligent, wenn es um Umweltfragen geht. Der Green New Deal war mehr als genial. Schade, dass populismus von Rechts gesieht hat.
KEINE PARTEi setzt sich offensiv für das Leid von mehreren millionen deutsche und europäische Tiere ein. Abschaffung der Massentierhaltung, verminderung der Tierversuche und Verbandsklagerecht sind nur wenige Ziele der Grünen, während SPD, CDU und FDP nur so tun als würden sie was für den Tierschutz tun.
Die Grünen müssen weitehrin pragmatische Politik machen, sie sollten nur endlich wieder wagen Träumen zu folgen. Es sit wichtig eien Vision, ein Ziel zu haben, um nicht in Verirrungen zu geraten, wie Kriegsbeteiligung und viel zulangsamen Atomausstieg. Sollange die Grünen nur in Koalitionen regieren können (was sich wohl nie ändern wird), ist die gefahr groß, die Wurzeln zu verlieren. Natürlich gibt es an jeder Partei einiges auszusetzen, aber wenn ich die Grünen mit CDU und FDP vergleiche, sind die Grünen Gottgleich ;) Humanismus, Feminismus, Tierrechte, Umweltbewusstsein und Freiheitsliebend.
Also liebe Grünen: Ich wünsche euch alles gute zum 30. und hoffe, dass ihr in den nächsten 30 Jahren noch weit mehr für Deutschland tut als ihr es bisher ohnehin getan habt!
Die Grünen sagen seit 30 Jahren die richtigen Sachen, wurden dafür mit Göbbels und Co. verglichen, Ökospinner oder gar Ökoterroristen genannt. War Umweltschutz für alle anderen Parteien (vor allem für schwarz-gelb) für sehr lange Zeit nur eine Sache, die der Wirtschaft schadet, so hatten die Grünen schon lange erkannt, dass es auch der Wirtschaft viel mehr schadet, wenn man keinen Umweltschutz betreibt.
Heute haben die Leugner von gestern, also Merkel und Co., sich auch ein grünes Deckmäntelchen gegeben um Wählerstimmen zu gewinnen. Aber auch heute wird nachhaltiger Umweltschutz von scharz-gelb effektiv verhindert, nach aussen hin gibt man sich allerdings als Umweltschützer, siehe Kopenhagen. Aber sobald es ernst wird und wirkliche Maßnahmen ergriffen werden müßten (z.B. Tempolimit, keine Zulassung mehr von "Spritmonstern" usw.), dann wird wie bisher vor den "edlen Parteispendern" aus der Wirtschaft gekuscht. Zum Glück für schwarz-gelb hat man die Sprinerpresse hinter sich, die immer mal wieder gerne Propaganda-Kampagnen gegen dioe Grünen fährt, siehe z.B. die gefälschten Fotos der BILD von Trittin auf einer angeblichen "Gewaltdemo".
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