Afghanistan-Debatte So lange wie nötig!
Was wollen wir da noch? Die Zustimmung zum Einsatz in Afghanistan nimmt ab, die Regierung duckt sich weg. Doch auf viele Fragen der Kriegsgegner gibt es gute Antworten. Ein Überblick
In zwei Wochen, am 28. Januar 2010, treffen sich im Lancaster House in der Londoner City die Repräsentanten von 43 Staaten, um über ihre Strategie in Afghanistan zu beraten. Die Bundesregierung wird dabei unter Druck geraten, mehr Soldaten zu schicken und auch mehr Geld zu geben.
Die Kanzlerin und ihr Vize werden also aufs diplomatische Drahtseil klettern müssen: Den Alliierten müssen sie zeigen, wie viel Deutschland in Afghanistan ohnehin schon tut und tun wird, während sie der eigenen Bevölkerung signalisieren wollen, dass alsbald viel weniger zu tun sein wird, vor allem viel weniger Militärisches. Doch unabhängig davon, wie es Angela Merkel und Guido Westerwelle am Abend des 28. Januar ausdrücken werden – fest steht schon jetzt: Deutschland wird am Hindukusch noch sehr lange Verantwortung übernehmen und sich eher mehr als weniger engagieren.
Derweil nimmt die Zustimmung zu dem Einsatz ab, nicht erst seit dem Angriff vom 4. September 2009 auf die Tanklastzüge in der Nähe von Kundus. Immer öfter und dringlicher werden Fragen gestellt, die den Sinn der Sache bezweifeln: Warum sind wir da drin? Was wollen wir denn da? Wie lange soll das dauern?
Mit anderen Worten: Der demokratische Widerspruch verschärft sich. Darum gibt die Londoner Konferenz Anlass, nein, darum gebietet sie es, noch einmal grundlegend den deutschen Einsatz in Afghanistan zu diskutieren.
Worüber reden wir eigentlich?
In Afghanistan wird derzeit etwas äußerst Ungewöhnliches versucht, nämlich ein Land wiederaufzubauen – und dort zur gleichen Zeit einen Krieg zu führen. Es handelt sich nicht nur, vielleicht nicht mal in erster Linie, aber eben auch um einen Krieg.
Den Afghanistaneinsatz einen Krieg zu nennen ist mehr als eine semantische Frage, mehr auch als ein Zugeständnis an das Empfinden der Soldaten. Wer Krieg sagt, muss wissen, was er sich damit einhandelt: tote Soldaten, tote Gegner, tote Zivilisten und die Gefahr, dass Krieg als Mittel jedes Ziel verunklart, wenn nicht konterkariert. Kriege schaffen sich stets ihre eigene Unübersichtlichkeit, sie sind nie bloß rational, auch die Vernünftigen können um den Verstand gebracht werden; Krieg zermürbt nicht allein den Gegner, sondern oft auch die eigenen Soldaten und die eigene Bevölkerung.
Darum ist die bellizistische Vision von einem chirurgischen, rationalen Krieg ebenso illusionär wie die Idee vom ganz und gar gerechten. Krieg beinhaltet immer das moralisch Ungeheuerliche. Wer sich trotzdem dafür ausspricht, muss all das wissen. Wer es nicht wissen will, sollte Pazifist werden. Und wer dachte, dass die Bundeswehr nicht wirklich Krieg würde führen müssen, weil sie im Norden Afghanistans aktiv ist und nicht im schwer umkämpften Süden, der wurde eines Besseren belehrt. Zwar hat Deutschland dem Druck widerstanden, im Süden mitzukämpfen, doch kam im vergangenen Jahr der Krieg in den Norden.
Wer verteidigt noch den Einsatz in Afghanistan?
Die Deutschen lassen sich nach all dem, was sie im letzten Jahrhundert verbrochen und erlitten haben, gottlob nur noch schwer davon überzeugen, Krieg zu führen. Der argumentative Aufwand, um sie bei der Stange zu halten, ist entsprechend hoch.
- Datum 18.01.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.01.2010 Nr. 03
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Langsam frage ich mich wirklich warum ich diese Zeitung abboniert habe.Fuer mich gibt es nur eins Austritt aus der Nato und sofortigen abzug der deutschen Soldaten aus allen fremden Laendern.
Nie wieder soll ein deutscher Soldat in einem fremden Land stehen.
Und natuerlich sind wir genause Besatzungssoldaten in Afhanistan wie die Brits oder die Sowjets oder die Amis.
Können Sie noch mehr, als mit der Kündigung Ihres Abos (Rest der Menschheit: *huch!!!*) zu drohen? Argumentieren z.B.? Schon schwieriger, oder?
eigentlich schon alles gesagt was ich sagen wollte.Wenn es sie wirklich interessiert gegen sie bitte auf meine leon1 Seite.
Ich moechte mich hier nicht wiederholen.
eigentlich schon alles gesagt was ich sagen wollte.Wenn es sie wirklich interessiert gegen sie bitte auf meine leon1 Seite.
Ich moechte mich hier nicht wiederholen.
Wir sind aus mindestens zwei Gruenden Besatzungssoldaten.
Ersten weil wir uns so auffuehren ( siehe Kundus) und zweitens weil sie nicht ernsthaft behaupten koennen das die amerikanische Marionettenregierung in Kabul die legitimen Interessen des afghanischen Volkes vertritt nach all den
Wahlbetruegereien.
Deutsche Soldaten die dennoch nach Afgahnistan gehen sind entweder geldgeil oder Tottel oder beides.
eigentlich schon alles gesagt was ich sagen wollte.Wenn es sie wirklich interessiert gegen sie bitte auf meine leon1 Seite.
Ich moechte mich hier nicht wiederholen.
Der Einsatz der Deutschen in Afghanistan ist vor allem Zweies: ein enormer Wirtschaftsfaktor, der eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen bei der Bundeswehr und in der Rüstungsindustrie sichert, und ein willkommener Spielplatz für Offiziere. Ich habe neulich das Strahlen in den Augen zweier solcher beobachten dürfen, als sie sich über Einsatzmethoden von iregendwelchen neuartigen "Effektoren" unterhielten ... wie im Kindergarten. Armes Afghanistan.
Ich finde ein paar wesentliche Informationen fehlen im Artikel. Deutschland hat sich zwar entschieden in Afghanistan zu intervenieren, dies allerdings erst nachdem die Amerikaner "auf eigene Faust" einen Krieg mehr oder weniger durchgeführt und eine neue Regierung eingesetzt hatten. Die International Security Assistance Force, ISAF wurde zumindest offiziell nur als "Sicherheits- und Aufbautruppe" präsentiert. Meiner Meinung nach impliziert der Artikel warum auch immer, dass "die Deutschen und ihre Regierung" sich für die Beteiligung am Einmarsch in Afghanistan ausgesprochen hätten.
Für mich ist der jetzige Umfang des Einsatzes nicht zufriedenstellend. Die Taliban werden nicht direkt genug angegriffen und der Aufbau Afghanischer Sichheitsstrukturen geht nur schleppend voran. Der fatale Luftangriff spiegelte die militärische Unterpräsens wieder. Erst durch das Ausbreiten der Taliban in der "deutschen Zone" entstand der Eindruck der Notwendigkeit eines Exempels.
Anderseits ist ein Abzug ebenfalls eine Option. Eine Notwendigkeit für den Krieg besteht nicht, der Preis ist definitiv hoch und der Nutzen des halbgaren Einsatzes ungewiss. Darum: Raus oder richtig rein.
der Autor noch zehn Rechtfertigungsseiten dranhängen würde -ich bliebe unverändert bei der Ansicht, dass wir in der mittelasiatischen Stein- und Sandbüchse nichts verloren haben. Ferner wage ich schon jetzt die Prognose, dass unsere Jungs früher oder später unverrichteter Dinge abziehen und ein fortbestehend instabiles Afghanistan zurücklassen werden.
Dass dieser Ausstieg nicht überstürzt und ungeordnet geschehen kann, leuchtet mir ein. So viel Zeit muss sein. Pacta sunt servanda! Gleichwohl wird am Ende keines der Ziele erreicht werden, die einst (und vom obigen Autor erneut) formuliert wurden.
Und die Trauer über das Misslingen wird sich bemerkenswerterweise in Grenzen halten, und zwar aus einem einfachen Grund: die Nato steht nämlich nicht zum Nationbuilding am Hindukusch, sondern um ihre aufgeblasenen militärischen Strukturen zu rechtfertigen, die sie weiterhin aufrecht erhält, obgleich ihr natürlicher Feind, der Warschauer Pakt, längst Geschichte ist. Folgeaufträge mussten also her, weshalb man sich unterdessen munter "Out of Area" tummelt.
Der militärisch-industriell-politische Komplex hat hier ganze Arbeit geleistet. Denn kaum ein Bürger stellt sich noch die naheliegende Frage, wofür brauchen wir eigentlich noch so viele Soldaten in Europa. Und wie fein die einschlägigen Kreise hier gearbeitet haben, wird jedem Interessierten spätestens dann aufgehen, wenn beim Airbus-Transporter A400 finanziell (ohne öffentlichen Aufschrei) nachgebessert werden wird.
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