Afghanistan-Debatte So lange wie nötig!Seite 4/4
Wie lange sollen wir denn noch bleiben?
Gegenfrage: Wie lange befindet sich die Bundeswehr bereits im Kosovo? Antwort: Seit dem 12. Juni 1999. Und sie wird dort noch eine Weile stationiert sein. Im Kosovo leben rund zwei Millionen Menschen, die beim Einmarsch der Nato-Truppen mehrere Monate Krieg hinter sich hatten. In Afghanistan leben 25 Millionen Menschen, von denen die meisten fast ihr ganzes Leben lang unter der Herrschaft von Warlords und Taliban oder im Bürgerkrieg gelitten haben. Die Infrastruktur im Kosovo war bei Kriegsende überaltert und marode, die afghanische komplett zerstört. Im Kosovo hat die internationale Staatengemeinschaft in den ersten fünf Jahren des Wiederaufbaus pro Kopf etwa 25-mal so viel investiert wie in Afghanistan. Staatsaufbau – selbst der bescheidenste – ist extrem teuer und langwierig. Wer also zu wenig und falsch investiert, muss umso länger bleiben.
Wie lange die Bundeswehr am Hindukusch bleiben sollte, lässt sich nicht exakt bestimmen. Es können drei, sechs oder noch mal acht Jahre sein. Die Dauer muss aber von der Stabilität in Afghanistan abhängen, nicht von der Nervosität in Berlin.
Muss sich da nicht einiges ändern?
Es hat sich bereits etwas Grundlegendes geändert. Unter dem neuen Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal, der den Schutz der Bevölkerung zur obersten Priorität erklärt hat, ist die Zahl der zivilen Opfer von Isaf und Regierungstruppen zurückgegangen. Es gibt deutlich weniger Luftangriffe, dafür aber mehr Kampfeinsätze von Bodentruppen. Der Preis für diesen positiven Strategiewechsel: Es sterben mehr Isaf-Soldaten.
Am Ende wird eben nicht das Militär diesen Kampf entscheiden, sondern die Frage, ob die Afghanen in den nächsten Jahren einen Staat zu Gesicht bekommen, der, so hässlich er auch sein mag, eine minimale Grundversorgung garantieren kann. Und ob sie einen Wirtschaftsaufschwung erleben, der, so kärglich er auch sein mag, einen Job als »Teilzeit-Taliban« nicht mehr attraktiv erscheinen lässt.
Das erfordert einen demonstrativen Kraftakt von Geberländern, internationalen Hilfsorganisationen und afghanischer Regierung, deren Zusammenspiel im neunten Jahr des Wiederaufbaus immer noch chaotisch ist. Es erfordert auch ein konsequentes Bekenntnis der Geberländer und Truppensteller, den Afghanen, aber auch ihrer eigenen Öffentlichkeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen. Kanada etwa leistet das, Deutschland nicht. Nicht weil die Bundesregierung nichts vorzuweisen hätte. Im Gegenteil, beim Aufbau der Infrastruktur und bei der Polizeiausbildung gibt es Fortschritte. Sondern weil sich diese Regierung wie schon ihre Vorgängerin scheut, mit den eigenen Bürgern über diesen Einsatz in eine offene Diskussion zu treten.
Noch eines sollte sich deshalb ändern: die Art der Debatte. Barack Obama hat in seiner Rede zum Afghanistaneinsatz im Dezember 2009 überfällige rhetorische Entschärfungen vorgenommen: Afghanistan ist kein endgame, das die USA unbedingt gewinnen müssen. Es ist nicht die größte terroristische Bedrohung auf diesem Planeten. Es ist auch nicht der Schauplatz, an dem sich das Schicksal der Nato entscheidet. Es ist der Ort, an dem sich zuallererst das Schicksal der Afghanen entscheidet.
- Datum 18.01.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.01.2010 Nr. 03
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Langsam frage ich mich wirklich warum ich diese Zeitung abboniert habe.Fuer mich gibt es nur eins Austritt aus der Nato und sofortigen abzug der deutschen Soldaten aus allen fremden Laendern.
Nie wieder soll ein deutscher Soldat in einem fremden Land stehen.
Und natuerlich sind wir genause Besatzungssoldaten in Afhanistan wie die Brits oder die Sowjets oder die Amis.
Können Sie noch mehr, als mit der Kündigung Ihres Abos (Rest der Menschheit: *huch!!!*) zu drohen? Argumentieren z.B.? Schon schwieriger, oder?
eigentlich schon alles gesagt was ich sagen wollte.Wenn es sie wirklich interessiert gegen sie bitte auf meine leon1 Seite.
Ich moechte mich hier nicht wiederholen.
eigentlich schon alles gesagt was ich sagen wollte.Wenn es sie wirklich interessiert gegen sie bitte auf meine leon1 Seite.
Ich moechte mich hier nicht wiederholen.
Wir sind aus mindestens zwei Gruenden Besatzungssoldaten.
Ersten weil wir uns so auffuehren ( siehe Kundus) und zweitens weil sie nicht ernsthaft behaupten koennen das die amerikanische Marionettenregierung in Kabul die legitimen Interessen des afghanischen Volkes vertritt nach all den
Wahlbetruegereien.
Deutsche Soldaten die dennoch nach Afgahnistan gehen sind entweder geldgeil oder Tottel oder beides.
eigentlich schon alles gesagt was ich sagen wollte.Wenn es sie wirklich interessiert gegen sie bitte auf meine leon1 Seite.
Ich moechte mich hier nicht wiederholen.
Der Einsatz der Deutschen in Afghanistan ist vor allem Zweies: ein enormer Wirtschaftsfaktor, der eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen bei der Bundeswehr und in der Rüstungsindustrie sichert, und ein willkommener Spielplatz für Offiziere. Ich habe neulich das Strahlen in den Augen zweier solcher beobachten dürfen, als sie sich über Einsatzmethoden von iregendwelchen neuartigen "Effektoren" unterhielten ... wie im Kindergarten. Armes Afghanistan.
Ich finde ein paar wesentliche Informationen fehlen im Artikel. Deutschland hat sich zwar entschieden in Afghanistan zu intervenieren, dies allerdings erst nachdem die Amerikaner "auf eigene Faust" einen Krieg mehr oder weniger durchgeführt und eine neue Regierung eingesetzt hatten. Die International Security Assistance Force, ISAF wurde zumindest offiziell nur als "Sicherheits- und Aufbautruppe" präsentiert. Meiner Meinung nach impliziert der Artikel warum auch immer, dass "die Deutschen und ihre Regierung" sich für die Beteiligung am Einmarsch in Afghanistan ausgesprochen hätten.
Für mich ist der jetzige Umfang des Einsatzes nicht zufriedenstellend. Die Taliban werden nicht direkt genug angegriffen und der Aufbau Afghanischer Sichheitsstrukturen geht nur schleppend voran. Der fatale Luftangriff spiegelte die militärische Unterpräsens wieder. Erst durch das Ausbreiten der Taliban in der "deutschen Zone" entstand der Eindruck der Notwendigkeit eines Exempels.
Anderseits ist ein Abzug ebenfalls eine Option. Eine Notwendigkeit für den Krieg besteht nicht, der Preis ist definitiv hoch und der Nutzen des halbgaren Einsatzes ungewiss. Darum: Raus oder richtig rein.
der Autor noch zehn Rechtfertigungsseiten dranhängen würde -ich bliebe unverändert bei der Ansicht, dass wir in der mittelasiatischen Stein- und Sandbüchse nichts verloren haben. Ferner wage ich schon jetzt die Prognose, dass unsere Jungs früher oder später unverrichteter Dinge abziehen und ein fortbestehend instabiles Afghanistan zurücklassen werden.
Dass dieser Ausstieg nicht überstürzt und ungeordnet geschehen kann, leuchtet mir ein. So viel Zeit muss sein. Pacta sunt servanda! Gleichwohl wird am Ende keines der Ziele erreicht werden, die einst (und vom obigen Autor erneut) formuliert wurden.
Und die Trauer über das Misslingen wird sich bemerkenswerterweise in Grenzen halten, und zwar aus einem einfachen Grund: die Nato steht nämlich nicht zum Nationbuilding am Hindukusch, sondern um ihre aufgeblasenen militärischen Strukturen zu rechtfertigen, die sie weiterhin aufrecht erhält, obgleich ihr natürlicher Feind, der Warschauer Pakt, längst Geschichte ist. Folgeaufträge mussten also her, weshalb man sich unterdessen munter "Out of Area" tummelt.
Der militärisch-industriell-politische Komplex hat hier ganze Arbeit geleistet. Denn kaum ein Bürger stellt sich noch die naheliegende Frage, wofür brauchen wir eigentlich noch so viele Soldaten in Europa. Und wie fein die einschlägigen Kreise hier gearbeitet haben, wird jedem Interessierten spätestens dann aufgehen, wenn beim Airbus-Transporter A400 finanziell (ohne öffentlichen Aufschrei) nachgebessert werden wird.
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