Es ist einsam geworden auf dem Zivilflugplatz des Pazifikhafens Manta in Ecuador. Das 80-Millionen-Dollar-Baby von gegenüber ist weg. Im September hat das Pentagon sein dortiges Hightechzentrum für satellitengestützte elektronische Spionage räumen müssen. Ecuadors Präsident Rafael Correa wollte den Vertrag für den bis dahin einzigen Luftwaffenstützpunkt der USA in Südamerika nicht verlängern. Wer in den Jahren zuvor in Manta landete, konnte sie nicht übersehen, die Awacs-Maschinen, die Herkules-Transporter und den KC-135 Stratotanker für das Auftanken in der Luft. Sie benutzten dieselbe Rollbahn wie die Passagierflugzeuge. Für wöchentlich rund 25 Aufklärungsmissionen.

Wohin die führten, wusste nicht einmal das ecuadorianische Verteidigungsministerium. Dort erfuhr die ZEIT nur so viel: Bei jedem Start saß vorschriftsmäßig ein einheimischer Co-Pilot im Cockpit. Nach wenigen Minuten, wenn die Maschine den ecuadorianischen Luftraum verlassen hatte, wurde er stets in einen Raum ohne Fenster komplimentiert. Erst beim Landeanflug bat man ihn wieder ins Cockpit. In den Stunden dazwischen wollen die Luftfahnder vor allem Kokain-, aber auch Heroinverstecke in der Ostpazifikregion aufgespürt haben. So die offiziellen Erfolgsmeldungen.

Dass Hunderte Flüge pro Jahr auch andere Ziele hatten, bezweifelte in Südamerika niemand. Gewissheit aber gibt es erst jetzt. Denn in Ecuadors Nachbarland Kolumbien hat der dortige rechtskonservative Präsident Álvaro Uribe den USA als Ersatz für Manta gleich sieben Stützpunkte überlassen. Das Abkommen wurde nach seiner Unterzeichnung am 31. Oktober nur in groben Umrissen bekannt. Doch hatte die US-Luftwaffe bereits im Mai beim Kongress 46 Millionen Dollar für den Ausbau des Hauptstützpunkts Palanquero mitten in Kolumbien beantragt.

Ihre Begründung: "Der Ausbau dieses Ortes gibt uns eine einzigartige Gelegenheit, vollumfängliche Operationen in einer kritischen Subregion unserer Hemisphäre durchzuführen, in der Sicherheit und Stabilität ständig bedroht sind von terroristischen Aufständen, die den Drogenhandel finanzieren, von Anti-US-Regierungen, endemischer Armut und häufigen Naturkatastrophen." Palanquero sei "lebensnotwendig, um die US-Mission in Kolumbien und überall im Aufgabengebiet des US-Südkommandos (U.S. Southcom) zu unterstützen, die ganz Lateinamerika umfasst". Die Entwicklung des Stützpunkts werde die Kapazität für Geheimdienstoperationen, Spionage und Aufklärung erhöhen. Auch gewinne man "die globale Reichweite", um einen schnellen Kriegseinsatz durchführen zu können.

Das war deutlich genug, aber kaum einer nahm es wahr. Und plötzlich, Mitte November, wurde die erste Antragsbegründung durch ein zweites Dokument abgelöst. Verschwunden waren alle Hinweise auf Operationen von globaler Reichweite. Herausgestellt wurde die zentrale Lage Palanqueros für die Drogenbekämpfung.

Dumm nur, dass sich im Internet gleichzeitig ein Weißbuch der US-Luftwaffe zur Strategie der globalen Mobilität finden ließ. Unter Punkt zwölf, "Südamerika-Strategie", heißt es: "Bisher konzentrierten sich die Sicherheitsbemühungen in Lateinamerika auf die Anti-Drogen-Mission. Diese Mission verlangte keine Luftbrücken. Inzwischen zeigt U.S. Southcom Interesse an einem Standort auf dem südamerikanischen Kontinent, der für Anti-Drogen-Einsätze und für mobile Operationen benutzt werden könnte (…). U.S. Southcom hat Palanquero (…) als Standort dafür ausgemacht. Von hier aus kann fast die Hälfte des Kontinents von den C-17 ohne Auftanken abgedeckt werden." Wenn auch der Zielort Treibstoff biete, könnten diese Flugzeuge "den gesamten Kontinent abdecken".

Pech für Präsident Uribe, dass sein eigener Staatsrat das Abkommen in einem vernichtenden, allerdings nicht bindenden Gutachten verurteilte. Die Vereinbarung erlaube jederzeit Zusätze oder Änderungen. Sie ermögliche weitere Stützpunkte und das Einsickern einer "unbekannten Personenzahl". Auch könnten die USA "grenzenlos" und umsonst Satellitenstationen einrichten und Drittländer observieren. 

"Unsere Nachbarländer argwöhnen", so der kolumbianische Historiker Gonzalo Sánchez, "dass es hier langfristig nicht um Drogen geht. Die USA wollen vor allem den Amazonasraum mit seinen Ressourcen und die aufsteigende Weltmacht Brasilien im globalen Netz der Kontrolle haben." Kein Wunder, dass sich Kolumbien inzwischen alle Nachbarn zum Feind gemacht hat.

Christian Schmidt-Häuer, langjähriger Korrespondent in Prag, Moskau und auf dem Balkan, berichtet jede Woche von seinen Beobachtungen rund um den Erdball