Weltmacht USA »Es geht um eine Idee«
Wie soll die Welt der Zukunft aussehen? Die ehemalige amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice sieht keine Anzeichen für einen Niedergang der USA
© Tim Sloan/AFP/Getty Images

"An den Niedergang zu glauben, ist ein Fehler": Die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice
Condoleezza Rice war von 2005 bis 2009 US-Außenministerin. Seitdem lehrt sie wieder Politik in Stanford und arbeitet derzeit an zwei Büchern – über ihr Leben und die US-Außenpolitik. Ihr Gesprächspartner, ZEIT-Herausgeber Josef Joffe, unterrichtet ebenfalls Politik in Stanford, wo er sie 1999 kennengelernt hat.
Die ZEIT: Der Niedergang Amerikas hat wieder Konjunktur. »Die unglaublich schrumpfende Supermacht«, titelte das New York Times Magazine; ein Bestseller hieß: The Post-American World. Das 21. Jahrhundert werde Asien, vorweg China, gehören. Muss Amerika demnächst abdanken?
Condoleezza Rice: Nein, nicht zuletzt, weil diese Thesen einen Pappkameraden attackieren. Die USA waren nie die einzige Macht auf Erden. Wir mussten uns ständig mit anderen Mächten arrangieren. Denken Sie an die Sowjetunion im Zeitalter der »Bipolarität«. Wir dürfen aber keine dummen Fehler machen.
ZEIT: Welche?
Rice: Einer wäre es, tatsächlich an den Niedergang zu glauben. Das könnte uns dazu verleiten, der Welt den Rücken zu kehren und Verantwortung für den Rest zu verweigern. Wer übernimmt dann die Verantwortung? Russland? China?
ZEIT: Was wären andere dumme Fehler?
Rice: Wenn wir unseren Haushalt nicht in Ordnung brächten und den Schuldenberg nicht abbauten, zum Beispiel. Aber der »Aufstieg Asiens« ist bloß das jüngste Kapitel in der unendlichen Geschichte des amerikanischen »Niedergangs«. In den fünfziger und sechziger Jahren galt die Sowjetunion als kommende Nummer eins. Dann waren es Europa und Japan. Jetzt China und Indien.
ZEIT: In der Tat haben alle diese Staaten Amerika nicht verdrängen können. Aber irgendwann steht der Wolf doch vor der Tür.
Rice: Das glaube ich nicht. Vor allem weil Macht und Einfluss nicht nur mit wirtschaftlicher, sondern auch mit militärischer Stärke zu tun haben, mit diplomatischem Gewicht oder kultureller Ausstrahlung.
ZEIT: Dennoch: China wächst zweistellig und Amerika nur einstellig.
Rice: China ist nach wie vor ein sehr armes Land, auch wenn es beeindruckende Fortschritte macht. Als ich 1988 zum ersten Mal dort war, sah man auf den Straßen fast nur Fahrräder und Fuhrwerke. Diese Leistung darf man keineswegs unterschätzen. Es ist aber eine Art Entwicklungsland. Außerdem dürfen wir nicht in die Falle der Linearität tappen: dass es morgen so sein wird wie gestern. Es gibt viele Beispiele, wo ein Land anfänglich märchenhafte Wachstumsraten geschafft hat, weil es auf einem niedrigen Stand begonnen hat. Etwa Japan mit sehr hohem Wachstum in den Siebzigern, das dann abflachte und in den Neunzigern ins Negative kippte. Die gerade Linie ist kein zuverlässiger Prophet.
ZEIT: Warum denn nicht?
Rice: Japan hat mit seinem hohen Wachstum im Zeitalter der Industrialisierung gepunktet. Als aber das Informationszeitalter anbrach, sind die Japaner an Computer und Software mit den alten Methoden der staatlichen Industriepolitik herangegangen und haben sich auf Großcomputer gestürzt. Da bestand die Zukunft bereits aus PC und Internet – und die erforderte schnelles Umdenken und kreative Anpassung.
- Datum 18.01.2010 - 16:28 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.01.2010 Nr. 03
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"ZEIT: [...] Was hat denn Amerika, was China nicht hat?
Rice: Eine Vorstellung von der Geschichte – wo sie hingeht und hingehen soll –, [...]. In unserem Fall ist das die demokratische, die Idee der Freiheit, die über klassische Interessenpolitik hinausgeht und universelle Anziehungskraft entwickelt."
Ich wusste gar nicht, dass Mrs. Rice Märchen in Stanford unterrichtet.
In wie vielen Fällen nach dem 2. Weltkrieg hat denn der von den USA militärisch durchgesetzte Exportschlager Demokratie funktioniert ? Ich kenne keinen.
Stattdessen wurden demokratisch gewählte Regierungen mit Hilfe des CIA gestürzt, weil diese sich gegen bestimmte Wirtschaftsinteressen des Westens stellten (e.g. Iran, Chile). Daraufhin wurden Diktatoren eingesetzt (Schah. Pinochet), die ihr Volk brutalst unterdrückten. Eine recht eigenwillige Interpretation vom Export der 'Demokratie', Mrs. Rice.
Die Wirklichkeit sieht anders aus:
'Confessions of an economic hitman':
http://www.youtube.com/wa...
'Why we fight':
http://www.youtube.com/wa...
Bei allem hier verbreiteten Antiamerikanismus sollte man geschichtlich zumindest bei der Wahrheit bleiben, nur weil sie, wie sie sagen keinen weiteren geglueckten Demokratieexport kennen, heisst es ja nicht, dass es diesen nicht gibt, da waere zum Beispiel Suedkorea zu nennen! Und zu behaupten die USA haetten eine demokratisch legitimierte Regierung im Iran gestuerzt ist schlichtweg falsch, sie spielen hier vermutlich auf den iranischen Premierminister Mossadegh an, dieser war jedoch zum Zeitpunkt der CIA Operation nicht mehr legitimer Ministerpräsident da er sich der verfassungskonformen Entlassung durch den Shah widersetzte und im Gegenteil rechtswidrig auf Teile der Armee gestuetzt im Amt blieb! Letzt endlich haben die USA nur geholfen die damalige verfassungsgemaeße Ordnung im Iran durchzusetzen.
Bei allem hier verbreiteten Antiamerikanismus sollte man geschichtlich zumindest bei der Wahrheit bleiben, nur weil sie, wie sie sagen keinen weiteren geglueckten Demokratieexport kennen, heisst es ja nicht, dass es diesen nicht gibt, da waere zum Beispiel Suedkorea zu nennen! Und zu behaupten die USA haetten eine demokratisch legitimierte Regierung im Iran gestuerzt ist schlichtweg falsch, sie spielen hier vermutlich auf den iranischen Premierminister Mossadegh an, dieser war jedoch zum Zeitpunkt der CIA Operation nicht mehr legitimer Ministerpräsident da er sich der verfassungskonformen Entlassung durch den Shah widersetzte und im Gegenteil rechtswidrig auf Teile der Armee gestuetzt im Amt blieb! Letzt endlich haben die USA nur geholfen die damalige verfassungsgemaeße Ordnung im Iran durchzusetzen.
Trotz vieler bewundernswerter Leistungen hatte Amerika, dessen Anziehungskraft nunmehr erloschen ist, noch nie eine Idee anzubieten. Es verfolgt nur seine eigene Interessenpolitik, getarnt durch Schlagworte wie Freiheit und Demokratie. Das allein ist Amerikas Vorstellung von der Geschichte.
Beeindruckend, wie unerschütterlich doch der Glaube an einen "demokratischen Irak" sein kann. Fast krankhaft würde ich sagen, die Frau hat immer noch nicht eingesehen, dass die USA in wenigen Monaten den Irak mit eingekniffenem Schwanz verlassen werden. "Hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich werde ich am Ende Recht behalten".
Man muss alle anderen Aussagen von Rice vor dem Licht dieser charakterlichen Schwäche betrachten. Dann stellt man fest, dass die Realität eigentlich gar nicht so wichtig ist, sondern nur das zählt was die eigenen Thesen zu untermauern scheint.
Na sieh mal einer an was ich soeben gefunden habe:
Condoleezza Rice wirkt am Putsch gegen die demokratisch gewählte Hamas mit:
http://www.vanityfair.com...
Auf Deutsch:
http://www.wsws.org/de/20...
Die Zeit sollte Kriegsverbrechern nicht als Platform dienen.
Das sehe ich auch so.
Ekelhaft!
Das sehe ich auch so.
Ekelhaft!
Das sehe ich auch so.
Ekelhaft!
Zu dem Gaza "Drama" kann ich Ihnen Baende berichten , passt jedoch nicht direkt zu diesem Interview. Eine sehr kompliziertes Komplott...
Ich bin sicher , dass auch Herr Joffe ueber dieses Interview ganz perplex gewesen sein muss. Eine gute Seite kann ich dem arroganten Gerde von Fr. Rice allerdings abegewinnen. Wenn noch meher intellektuelle Amerikaner so denken wie Fr. Rice, ist der rasche Untergang nicht mehr aufzuhalten.
Iniqua numquam regna perpetuo manent
Ungerechte Reiche waehrenn niemals ewig.
auch sonst währt auf dieser welt gar nichts ewig. noch nicht mal der sessel, auf dem sie gerade sitzen.
das ist ja gerade das schöne. bloß alle tun so, als ob.
auf die paar tausend billionen jährchen kommt's dem kosmos eh nicht an.
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