Katastrophen in den Alpen : Achtung, Lawinengefahr!

Die Schneefälle der vergangenen Wochen haben das Risiko an den Alpenhängen erhöht. Eine Typologie der Katastrophen
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Dokument herunterzuladen © Foto: Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images; Grafik: Dieter Duneka

Wie gefährlich Schnee sein kann, erlebten 1999 die Bewohner im österreichischen Galtür. Eine Lawine erdrückte 31 Menschen. Weltweit sterben jedes Jahr rund 200 Menschen durch Lawinen, die Hälfte davon in den Alpen.

Die Todesursachen sind unterschiedlich: Manche Skifahrer werden mitgerissen und prallen gegen Felsen.

Andere werden von der schieren Schneemasse erdrückt oder ersticken, weil ein Schnee-Luft-Gemisch mit Hochgeschwindigkeit in ihre Lungen gelangt.

Eine Staublawine lässt große Luftdruckschwankungen entstehen, vorne Hochdruck, hinten Sog, und wirkt wie ein Tornado: geknickte Bäume, abgedeckte Häuser.

Lawinen entstehen fast immer an Hängen mit einem Gefälle zwischen 30 und 50 Grad. Auf der Nordhalbkugel setzt sich die Schneedecke wegen der geringen Sonneneinstrahlung an Nordhängen nur langsam. Dadurch bleiben Gefahren länger erhalten. Südhänge dagegen erhalten mehr Sonneneinstrahlung – was die Schneedecken stabilisiert. Im Frühjahr ist die Situation jedoch oft eine andere. Dann erhalten insbesondere Südhänge soviel Sonne, dass das entstehende Schmelzwasser die Verbindungen in der Schneedecke lösen kann – nasse Frühlingslawinen donnern zu Tal.*

Trotz des menschlichen Leids – Lawinen bedeuten nicht nur Verderben. Im Gegenteil, nach Niedergängen erhalten Flora und Fauna die Chance zum Neubeginn. Nach wenigen Jahren ist der Artenreichtum in den Schneisen der Zerstörung besonders hoch.

Eine Infografik zu verschiedenen Lawinenarten können Sie hier herunterladen.

*Anm. d. Red.: An dieser Stelle hieß es zunächst, dass die Gefahr von Lawinen auf der Nordhalbkugel an Südhängen generell höher sei. Das ist falsch. Der Text wurde entsprechend geändert.

lIllustration: Dieter Duneka
Montage: Katrin Guddat
Recherche: Urs Willmann
Quelle: WSL-Institut für Schnee- und  Lawinenforschung SLF, Davos/Schweiz

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4 Kommentare Kommentieren

nordhänge sind gefährlicher

muss dem vorposter recht geben. schmelzwasser an südhängen löst zwar im frühjahr große lawinen aus, diese fließen dann jedoch relativ langsam zu tal und werden von größeren geländeformen relativ leicht aufgehalten, die wenigsten solcher nassschneelawinen erreichen siedlungen. für schifahrer, die die größte gruppe innerhalb der lawinenopfer darstellen sind sie eine geringe gefahr, auch, weil sie erst nachmittags, wenn die erwärmung den schnee ohnehin schon 'unattraktiv' gemacht hat durch ihr eigenes gewicht ausgelöst werden.
nordhänge sind gefährlicher, da hier die spannungen in der schneedecke besser erhalten bleiben, die in südlichen expositionen durch die sonneneinstrahlung und die daraus folgende setzung abgebaut werden. dazu kommt, das an nordhängen häufiger labile schichten und auch gleitschichten zu finden sind. eine gleitschicht kann zum beispiel eingeschneiter oberflächenreif darstellen, eine labile schicht aufbauend umgewandelter schnee, der aufgrund von temperaturunterschieden zwishcen boden und schneeoberfläche entsteht, auch dieser prozess ist nordseitig stärker.
ich bitte diesen artikel zu überarbeiten, eine gute quelle hierfür wäre zum beispiel 'munter 3*3 lawinen', das auch in der österreichischen bergführerausbildung verwendet wird.
grüße aus österreich