Gesundheitskarte Ewig im Test
Seit acht Jahren wird über die elektronische Gesundheitskarte gestritten. Investoren verlieren langsam die Geduld
Eine Wohnsiedlung am Rande der 100.000-Einwohner-Stadt Siegen am südlichen Zipfel Nordrhein-Westfalens, weiß verputzte Fassaden, schwarze Schieferdächer. In einem kleinen Büro sitzt Nils Finkernagel, 32, zwei Computer, Ikea-Stühle und ein paar Produktproben füllen das Arbeitszimmer. Er ist Geschäftsführer des Startup-Unternehmens MaxiDoc mit zehn Mitarbeitern. Knapp 150 Kilometer südlich, in Walldorf bei Mannheim, in nicht ganz so idyllischer Lage sitzt die InterComponentWare AG (ICW). Inhaber ist Dietmar Hopp, SAP-Mitbegründer und einer der reichsten Männer des Landes. Eines haben die beiden gemein: Sie wollen mit der elektronischen Gesundheitskarte Geld verdienen.
Derzeit werden die ersten Karten in Köln und Düsseldorf ausgegeben. Sie speichern vorerst nur Daten wie Name, Alter und Versicherungsstatus des Patienten. Äußerlich unterscheiden sie sich kaum von den bisherigen Krankenversichertenkarten. Nur dass ein Foto des Besitzers die Vorderseite schmückt. Das soll Missbrauch verhindern. Doch irgendwann wird die neue Karte mehr können als die alte: Mit ihr soll man dann zum Beispiel elektronische Rezepte einlösen können. Der Apotheker müsste dann nicht mehr mühsam die Krakelschrift des Arztes entziffern und das Rezept hinterher einscannen, um es mit der Krankenkasse abzurechnen. Arztbriefe könnten auch gleich elektronisch verschickt werden.
50 bis 60 Milliarden Euro neuen Umsatz verspricht die Karte
Das Wichtigste jedoch: Die Karte könnte als Schlüssel für eine elektronische Patientenakte dienen, in der an zentraler Stelle alle wichtigen Untersuchungsergebnisse wie Blut- und Röntgenbilder und sonstige Befunde gespeichert werden. Arzt und Patient könnten mit einem elektronischen Heilberufsausweis und der Gesundheitskarte auf die Daten zugreifen, wenn der Patient diese freigibt. »Insbesondere für chronisch Kranke, die von mehreren Ärzten behandelt werden, ist das wichtig. Denn in der Vergangenheit sind viele Daten verloren gegangen oder wurden doppelt erhoben«, erklärt Franz-Joseph Bartmann, Vorstand der Bundesärztekammer.
Doch Kritiker sperren sich gegen diese Funktionen. Zu teuer, zu unsicher, zu unpraktisch, sagen sie. Deshalb ruht die größte technische Sozialreform Deutschlands zurzeit. Gesundheitsminister Philipp Rösler stoppte Ende Oktober die weitere Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte und will das weitere Vorgehen prüfen. Doch kommen wird die Karte, das ist im Sozialgesetzbuch festgelegt. Nur wie und wann ist im Moment noch ungewiss,
Um schließlich alle Funktionen erfüllen zu können, ist der Aufbau eines riesigen Netzes zwischen rund 80 Millionen Patienten, 100.000 Arztpraxen, über 20.000 Apotheken und 2000 Krankenhäusern notwendig. Telematikinfrastruktur nennt sich das Ganze. Und für diesen Aufbau ist die Gematik, die Gesellschaft für Telematikanwendungen im Gesundheitswesen, zuständig. Sie besteht aus Gesellschaftern der Spitzenverbände im Gesundheitswesen.
Auf die technische Alleskönnerkarte hofft in erster Linie der Bundesverband der Informationswirtschaft und Telekommunikation, kurz Bitkom. Rund 50 Unternehmen des Branchenverbandes sind in irgendeiner Form an dem Milliardenprojekt beteiligt. Nach einer Studie der europäischen Kommission birgt die Vernetzung des Gesundheitswesens ein Umsatzpotenzial von 50 bis 60 Milliarden Euro – klar, dass die deutschen IT-Unternehmen mitverdienen möchten.
»Es ist schade, dass das Projekt in Deutschland so langsam vorankommt«, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. »Andere Länder sind viel schneller.« In Deutschland geht das Projekt immerhin ins achte Jahr, und die Unternehmen hoffen immer noch auf die Vergabe der Aufträge.
- Datum 14.01.2010 - 07:16 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.01.2010 Nr. 03
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könnte so aussehen: Man führt ein zentralistisches System ein, in dem ALLE Diagnosen, med. Prozeduren etc. gespeichert sind. Jeder Patient ist dort mit einem Pseudonym, einer von mir aus langen Zufallszahl identifiziert. Niemand kann sagen, wer dieser Patient ist, da seine tatsächlichen, persönlichen Daten wie name, Anschrift, etc. nur und ausschliesslich auf einer Checkkarte vorhanden sind, die der Arzt zur Identifikation nutzt und alle Daten über das Internet zu diesem Patienten herunterlädt.
Wenn man nur ein Zehntel des Geldes, das in die elek. Gesundheitskarte steckt in ein solches, zentralistisches, pseudonymisiertes System stecken würde, würde man ein top System erhalten, und man hätte gleichzeitig ein Register für ALLE Krankheiten in Deutschland. Wir kriegen es ja nicht mal hin, ein Krebsregister aufzubauen.
PINs für Patienten, PINs für Apotheker, PINs für den Arzt. Die vergisst doch jeder sofort. Und dann noch Softwarelizenzen und einen Kartenleser (oder mehrere) für mehrere hundert Euro das Stück. Jeder Patient braucht auch diesen Kartenleser und die Software für zuhause! Das ist doch eine reine Gelddruckmaschine, mehr nicht.
"50 bis 60 Milliarden Euro neuen Umsatz verspricht die Karte"
"340 Millionen Euro hat die IT-Branche insgesamt investiert."
»Die aktuelle gesundheitspolitische Lage rechtfertigt keine weiteren Investitionen« sagt die Industrie
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Röntgenbilder, Genanalysen, Lebenserwartungswahrscheinlichkeiten, etc wabern durchs Netz.
„Viele Ärzte sehen die ärztliche Schweigepflicht in Gefahr und befürworten deshalb USB-Sticks, die jeder bei sich tragen könnte in Form einer Scheck-Karte.“
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"Daimler, die Deutsche Bahn oder Lidl – sie alle haben illegal Informationen über Krankheiten der Mitarbeiter aufbewahrt." Und das leider sogar OHNE "Gesundheits-Scheckkarte" !!!
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"Bei Testläufen in Flensburg schnitt die Karte schlecht ab. Zwei Drittel der Patienten vergaßen ihre Geheimnummer, das Abrufen der elektronischen Rezepte kostete viel Zeit und blockierte den Praxisalltag."
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Übreigens: Apotheker können die "Krakelschrift" Ihrer Ärzte sehr wohl lesen.(Manche Ärzte sind technisch schon so auf der Höhe, dass sie ein Rezept gleich im Behandlungszimmer ausdrucken können und nur noch ihren "Krakelhaken drunterzusetzen brauchen)
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Die Nichtakzeptanz des Patienten sollte über die Nichteinführung des (von der Industrie bereits verworfenen) Unsinns endgültig entscheiden!!
Gruß Max Stockhaus
das ist doch beschlossen. Die geplante Vergläserung des Menschen mit Gesundheits-, Verhaltens- und Einkommensdaten lässt zwar dem Besitzer das scheinbare Recht, die Karte zu zeigen, wann er will, aber er muss sie ja auch in bestimmten Situationen zeigen, und die Daten sind nun mal zusammengeführt vorhanden. Die beauftragten Firmen stoßen sich gesund, aber der negative Nachhaltigkeitseffekt dieser Veränderung wiegt auch ordentlich. http://viereggtext.blogsp...
Jeder vernünftig denkende Mensch versucht es zu vermeiden, seine persönlichen Daten wie Geburtstag, Name, Anschrift im Internet bekannt zu geben. Nun sollen auch noch hoch sensible Daten wie die Krankengeschichte irgendwo zentral gespeichert werden und dann soll man dem System blind vertrauen?? Nein, ich bin nicht dafür!
Meiner Meinung nach sollte jeder freiwillig entscheiden können, ob er seine Daten irgendwo zentral abspeichern lassen möchte oder nicht. Ich bin auch dafür, dass irgendwo die gesamten Daten der verschiedenen Ärzte gesammelt werden sollten, um Doppelbehandlungen, ungewünschte Medikamentenwechselwirkungen oder Fehlindikationen etc. auszuschließen. Doch meine persönliche Krankheitsgeschichte möchte ich auf einem Datenträger gespeichert haben, den nur ich besitze und bei dem nur ich bestimmen kann, wer diese Daten lesen darf. (Gesichert mit Passwort) Zudem sollten die Daten in eine sinnvolle Ordnung gebracht werden, so dass bestimmte Personen nur die für sie relevanten Daten zu sehen bekommen. Es sollte also möglich sein nur die Krankenkasse, Name, Alter und Wohnort anzeigen zu lassen und stigmatisierende Diagnosen ausblenden zu können, wenn sie für die aktuelle Behandlung irrelevant sind.
Beispiel: der Burnout vor 6 Jahren spielt keine Rolle bei der Behandlung einer Grippe oder eines gebrochenen Beines.
Zudem hat der Patient auch selbst die Möglichkeit, seine Krankengeschichte einzusehen.
Leider beteiligt sich auch die "Zeit" an der Unsitte, das
religiös/mataphysische "ewig" für "lange dauernd" zu ver-
wenden.
hinter einer persönlichen digitalen Krankenakte ist sicher gut, kann diese doch unsinnige Mehrfachuntersuchungen und Fehler durch schlechte Kommunikation zwischen den behandelnden Personen vermeiden helfen. Das spart spürbar Kosten und unterstützt ggf. Diagnose, Therapie und Genesung.
Leider war das Gesundheitsministerium mit dieser Aufgabe in den letzten Jahren offenbar hoffnungslos überfordert. Wer das Thema über die Jahre verfolgt hat, konnte die derzeitige Entwicklung schon frühzeitig ahnen. Das ist wirklich frustrierend!
ich sehe nur einen Sinn und Zweck für diese Geschichte.
Der Sinn ist, noch mehr Geld zu verdienen.(und wer ist das dann und was macht er mit diesem Geld?) Und der Zweck ist wie oben schon gesagt, den gläsernen Bürger zu schaffen.
Niemand würde sich so einer Arbeit aussetzen wo es kein Geld zu verdienen gibt bzw. nicht KONTROLLE zu erreichen ist..Das gilt für die oberen 10'000.
Geld-Macht. Es ist immer wieder GELD-MACHT was manche Menschen dazu treibt und nichts anderes.
Hier geht es nicht um das/die Wohlergehen/Zufriedenheit des Einzelnen. sondern schlicht.......um Geld und Macht.
"Insbesondere für chronisch Kranke, die von mehreren Ärzten behandelt werden, ist das wichtig."
Die Republik ist ja auch vollgestopft mit chronisch Kranken, die von mehreren Ärzten behandelt werden.
"Wenn Sie in Uralub fahren, brauchen Sie doch einen grossen Kofferraum!" sagte mein Autohändler. Später fiel mir ein, dass ich ja immer auf die Malediven fliege.
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