Frauenquote Platz machen, Männer!

Frankreich will seinen Unternehmen wieder einmal eine Frauenquote vorschreiben. Das passt vielen nicht

Keine Führungskräfte, aber "Botschafterinnen" des französischen Kosmetikkonzern L'Oreal: Die Schauspielerinnen Eva Longoria, Andie MacDowell and Kate Del Castillo (von links nach rechts) während einer Feier für das Unternehmen auf dem Walk of Fame in Hollywood

Keine Führungskräfte, aber "Botschafterinnen" des französischen Kosmetikkonzern L'Oreal: Die Schauspielerinnen Eva Longoria, Andie MacDowell and Kate Del Castillo (von links nach rechts) während einer Feier für das Unternehmen auf dem Walk of Fame in Hollywood

Es sei wichtig, dass es Zwänge gibt. Ohne solche Zwänge würden Frauen im Berufsleben nicht vorwärtskommen. Das sagt ein Mann. Jean-Claude Le Grand, Personalchef des französischen Kosmetikkonzerns L’Oréal. Er sitzt in seinem Pariser Büro und zitiert aus einer Liste: »56 unser Führungskräfte sind Frauen.« 37 Prozent der Abteilungsleiter seien weiblich, 15 Prozent des Vorstands und mehr als 20 Prozent des Aufsichtsrats. Dass Frankreich nun alle Großunternehmen zu einer ähnlichen Firmenpolitik verpflichten will, findet Le Grand gut: »Gemischte Teams sind kreativer und leistungsfähiger.« Bei L’Oréal kommen die meisten Patente aus Laboren, die paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sind.

Ende Januar wird das französische Parlament einen Gesetzentwurf diskutieren, der allen staatlichen und börsennotierten Unternehmen innerhalb von fünf Jahren einen Frauenanteil von 50 Prozent in ihren Aufsichtsräten vorschreibt. Andernfalls drohen Sanktionen, und sämtliche Beschlüsse der Kontrollgremien könnten für nichtig erklärt werden.

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Der Vorstoß kommt einer kleinen Revolution gleich. Denn innerhalb Europas belegt Frankreich – trotz der Berufstätigkeit von mehr als drei Vierteln aller Frauen – nur einen der hinteren Plätze, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht. Von den Aufsichtsräten der 500 größten Unternehmen sind nur acht Prozent Frauen. Deutschland schneidet mit zwölf Prozent allerdings nur wenig besser ab. Und das auch nur, weil die Seite der Arbeitnehmervertreter hierzulande auf mehr weiblichen Einfluss setzt. Den Spitzenplatz nimmt Norwegen ein, wo 2003 ein entsprechendes Gesetz eine Frauenquote von 40 Prozent in den Kontrollgremien vorschreibt.

Als Jean-François Copé, Fraktionsvorsitzender der konservativen französischen Regierungspartei UMP, den Vorschlag einbrachte, ließ er es an markigen Worten nicht fehlen. »Wir brauchen einen Elektroschock«, sagte er und meinte damit grundsätzlich das Zahlenverhältnis zwischen Männern und Frauen in den Betrieben. »Ein Unternehmen wird nicht in Konkurs gehen, weil es genauso viele Frauen wie Männer beschäftigt«, legte er nach.

»Man muss sich schon fragen, was die Männer plötzlich reitet«, sagt Armelle Carminati-Rabasse und lacht. Sie ist Personalchefin bei der Unternehmensberatung Accenture in Paris. Schließlich bezahlte ausgerechnet die UMP nach den Parlamentswahlen 2007 lieber rund fünf Millionen Euro Strafe, als sich an die seit 2000 geltende Vorgabe zu halten, wonach Frankreichs politische Parteien bei Wahlen ebenso viele Frauen wie Männer aufstellen müssen.

Womöglich ist es das Umfragetief vor den im März anstehenden Regionalwahlen, das die Konservativen nun antreibt. »Dieses Mal haben wir eine echte Chance«, freut sich Carminati-Rabasse. Doch wie immer, wenn die Rede ist von Frauenquoten, fragen sich nun auch die Französinnen, ob man ihnen nicht womöglich einen Bärendienst erweist. »Natürlich ist es unangenehm, wenn eine Frau das Gefühl haben muss, dass sie wegen ihres Geschlechts engagiert wird«, sagt Roselyne Sands, Partnerin bei der Unternehmensberatung Ernst & Young. »Aber im Laufe der Zeit bin ich zu der Einsicht gelangt, dass die Abwesenheit von Frauen nicht bedeutet, dass es keine qualifizierten Kandidatinnen gibt. Männer haben einfach die besseren Netzwerke.«

Eine Einschätzung, die Sands mit den Absolventinnen und Absolventen der berühmten französischen Elitehochschulen teilt. In einer Umfrage unter mehr als 5000 Ehemaligen, denen üblicherweise das Tor zu den besten Jobs in Industrie und Verwaltung offensteht, sahen im vergangenen Herbst 75 Prozent der Frauen und immerhin 52 Prozent der Männer nur geringe Chancen, dass Frauen ohne ausdrückliche Förderung in Top-Positionen aufsteigen könnten. 71 Prozent der Franzosen könnten sich auch mit einer Quotenregelung anfreunden.

Leser-Kommentare
    • bibber
    • 16.01.2010 um 10:36 Uhr

    Die Frage ist ja, was es denn unter dem Strich bringen soll: das, was "Frau" ausmacht, ist meist fehl am Platze in Betrieben, soft skills und mehr Menschlichkeit eben. Wenn jetzt mehr Frauen Führungskräfte sein sollen, geht das womöglich nur deshalb, weil sie inzwischen ebenso skrupellos und auch selbstausbeuterisch sind wie Männer.
    Ich denke, es geht hier nur um "Nationalprestige", Statistik eben, man will besser dastehen.

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    in der eu

    die gentechnik-leiterin suzy renckens der eu-lebensmittelbehörde EFSA wechselt direkt zum agrokonzern syngenta in eine führende position,

    in ihrer ehemaligen position war die dame für die prüfung der anträge dieses und anderer unternehmen zuständig

    bestimmung

    "der allen staatlichen und börsennotierten Unternehmen innerhalb von fünf Jahren einen Frauenanteil von 50 Prozent in ihren Aufsichtsräten vorschreibt"

    warum gelten die 50% dann nicht auch für männer??

    in der eu

    die gentechnik-leiterin suzy renckens der eu-lebensmittelbehörde EFSA wechselt direkt zum agrokonzern syngenta in eine führende position,

    in ihrer ehemaligen position war die dame für die prüfung der anträge dieses und anderer unternehmen zuständig

    bestimmung

    "der allen staatlichen und börsennotierten Unternehmen innerhalb von fünf Jahren einen Frauenanteil von 50 Prozent in ihren Aufsichtsräten vorschreibt"

    warum gelten die 50% dann nicht auch für männer??

  1. Die Absichten sind sicherlich richtig - aber - per Gesetz wird man das wohl kaum ändern können.

    Und eine andere Frage:
    Nehmen wir an ich gründe theoretisch eine Firma - eine kleine - muss dann zum Beispiel eine Frau eingestellt werden?
    (Ach wenn sich keine mit entsprechenden Qualifikationen bewirbt)

    In der Schweiz dürfen Frauen gegen ihren Arbeitgeber klagen wenn sie weniger verdienen als ein Mann mit der gleichen Erfahrung und gleichen Position - die Beweislast liegt beim Unternehmen - das Unternehmen muss daher beweisen dass es nicht diskriminiert.

    Ich würde eine solche Regelung sonnvoller finden - für Gehalt als auch allgemeine Bewerbungen - vor allem wenn es um Vorstandspositionen geht sollte es sich recht schnell gherumsprechen welche Qualifikationen eine der "Neue" denn hat.

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    "In der Schweiz dürfen Frauen gegen ihren Arbeitgeber klagen wenn sie weniger verdienen als ein Mann mit der gleichen Erfahrung und gleichen Position - die Beweislast liegt beim Unternehmen - das Unternehmen muss daher beweisen dass es nicht diskriminiert."

    Das dumme an der Sache ist nur, dass über Gehalt in der Regel verhandelt wird (sofern es keinen Tarif gibt). Man verdient das, was man in der Verhandlung rausschlagen kann. Wenn sich die Frauen mit weniger zufrieden geben haben sie a) schlecht verhandelt oder b) Pech gehabt weil die Bedingungen in dem Moment ungünstig waren oder c) sie wissen nicht was ihre Kollegen verdienen (was mitunter oft vorkommt, in vielen Verträgen steht auch drin dass über Gehalt nicht gesprochen werden darf) und schätzen ihren Wert für das Unternehemn geringer als er möglicherweise ist.
    Letzeres halte ich für am wahrscheinlichsten, vor allem wenn man sich ansieht dass in typischen Frauenberufen unterdurchschnittlich wenig verdient wird. Beispiele: Krankenpflege, Altenpflege, Soziale Arbeit...

    Wenn wir akzeptieren, dass unterschiedliche Berufsgruppen unterschiedlich verdienen (je nach wirtschaftlicher Lage - d.h. auch je nach Wettbewerb), dann müssen wir auch akzeptieren dass über Gehalt verhandelt wird.
    Wenn man das nicht akzeptiert, ist die letzte logische Konsequenz ein Einheitslohn je nach Qualifikationsstufe und das geht stark in Richtung Planwirtschaft.
    Ähnlich sehe ich das mit der Frauenqoute.

    "In der Schweiz dürfen Frauen gegen ihren Arbeitgeber klagen wenn sie weniger verdienen als ein Mann mit der gleichen Erfahrung und gleichen Position - die Beweislast liegt beim Unternehmen - das Unternehmen muss daher beweisen dass es nicht diskriminiert."

    Das dumme an der Sache ist nur, dass über Gehalt in der Regel verhandelt wird (sofern es keinen Tarif gibt). Man verdient das, was man in der Verhandlung rausschlagen kann. Wenn sich die Frauen mit weniger zufrieden geben haben sie a) schlecht verhandelt oder b) Pech gehabt weil die Bedingungen in dem Moment ungünstig waren oder c) sie wissen nicht was ihre Kollegen verdienen (was mitunter oft vorkommt, in vielen Verträgen steht auch drin dass über Gehalt nicht gesprochen werden darf) und schätzen ihren Wert für das Unternehemn geringer als er möglicherweise ist.
    Letzeres halte ich für am wahrscheinlichsten, vor allem wenn man sich ansieht dass in typischen Frauenberufen unterdurchschnittlich wenig verdient wird. Beispiele: Krankenpflege, Altenpflege, Soziale Arbeit...

    Wenn wir akzeptieren, dass unterschiedliche Berufsgruppen unterschiedlich verdienen (je nach wirtschaftlicher Lage - d.h. auch je nach Wettbewerb), dann müssen wir auch akzeptieren dass über Gehalt verhandelt wird.
    Wenn man das nicht akzeptiert, ist die letzte logische Konsequenz ein Einheitslohn je nach Qualifikationsstufe und das geht stark in Richtung Planwirtschaft.
    Ähnlich sehe ich das mit der Frauenqoute.

  2. ist bzg. Quote schon viiiel weiter:

    "Nach Protesten gegen eine Quotenregelung für Frauen an schwedischen Universitäten will die Regierung in Stockholm die Initiative wieder aussetzen - weil sie Studentinnen benachteiligt. Die Vorschriften, wonach es an schwedischen Universitäten möglichst die gleiche Anzahl von Männern und Frauen geben soll, habe in Wahrheit zu einer Diskriminierung von Studentinnen geführt, schrieb der schwedische Hochschulminister Tobias Krantz am Dienstag in einem Beitrag für die Zeitung "Dagens Nyheter". Gerade für bei Frauen beliebten Studiengängen wie Psychologie und Veterinärmedizin seien jüngst wegen der Quotenregelung bevorzugt Männer genommen worden, obwohl es mehr qualifizierte Frauen als Männer für die Studienplätze gegeben habe."

    Platz machen, Frauen? Denkste!

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    Was Schweden angeht, kann man auch sehr schön sehen, wie verkommen die Diskussion eigentlich von Seiten der Befürworter von Quoten geführt wird:

    Die Quote wird ausgesetzt, wenn in frauendominierten Berufen und Studiengängen Männer bevorzugt werden, wird aber als fair bezeichnet, wenn in männerdominierten Berufen Frauen bevorzugt werden.

    In Wirklichkeit ist es doch so, dass der Anteil von 12 % von Frauen an Aufsichtsratsposten sehr hoch ist, wenn man bedenkt, dass nur 16 % der Frauen hier in Deutschland überhaupt Vollzeit arbeiten wollen.

    Na ja - wie ich neulich hörte, wird an einigen Universitäten Männern schon ganz explizit gesagt, dass sie sich auf Professorenstellen erst gar nicht bewerben sollen, da sie auf Grund der Quoten sowieso keine Chancen haben.

    Sind eigentlich nur die Politiker verblödet oder wir Männer insgesamt, dass wir uns das von ein paar Weibern gefallen lassen?

    Der Kabarettist Richling -
    http://www.youtube.com/wa... - behauptet ja "beides" ...

    Was Schweden angeht, kann man auch sehr schön sehen, wie verkommen die Diskussion eigentlich von Seiten der Befürworter von Quoten geführt wird:

    Die Quote wird ausgesetzt, wenn in frauendominierten Berufen und Studiengängen Männer bevorzugt werden, wird aber als fair bezeichnet, wenn in männerdominierten Berufen Frauen bevorzugt werden.

    In Wirklichkeit ist es doch so, dass der Anteil von 12 % von Frauen an Aufsichtsratsposten sehr hoch ist, wenn man bedenkt, dass nur 16 % der Frauen hier in Deutschland überhaupt Vollzeit arbeiten wollen.

    Na ja - wie ich neulich hörte, wird an einigen Universitäten Männern schon ganz explizit gesagt, dass sie sich auf Professorenstellen erst gar nicht bewerben sollen, da sie auf Grund der Quoten sowieso keine Chancen haben.

    Sind eigentlich nur die Politiker verblödet oder wir Männer insgesamt, dass wir uns das von ein paar Weibern gefallen lassen?

    Der Kabarettist Richling -
    http://www.youtube.com/wa... - behauptet ja "beides" ...

  3. Was für armselige Wesen müßten Frauen sein, wenn sie denn nur per Dekret in Ämter und Posten geschoben werden müßten und Männer nur durch ihr biologisches Geschlecht außen vor halten könnten.

    Wäre ich eine Frau, ich stände auf den Barrikaden.

  4. Eine Quote bei uns würde eindeutig gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoßen

    • febbs
    • 16.01.2010 um 13:13 Uhr

    Tja, da wird nun einfach das Pendant zu den inkompetenzbefördernden Klüngelkreisen der Männer eingefordert.
    Die Erfahrungen welche ich bisher mit der Geschlechterquote machen durfte war das sie IMMER Menschen in Verantwortungsposition gehoben hat, welche der Ausfüllung von selbiger einfach nicht gewachsen waren. Wogegen für diese Position kompetentere Leute nicht zum Zug kamen.
    Beides ist in der Regel sehr frustrierend: Klüngelkreis und Geschlechterquote.

    Ich spreche mich nicht im konservativen Sinne gegen eine Geschlechterquote aus.
    Für mich ist sie schlicht ein hinderliches nicht mehr zeitgemäßes emanzipatorisches Werkzeug.
    Da für den Jahrgang 1988 die Gleichberechtigung einfach selbstverständlich ist.

  5. Was Schweden angeht, kann man auch sehr schön sehen, wie verkommen die Diskussion eigentlich von Seiten der Befürworter von Quoten geführt wird:

    Die Quote wird ausgesetzt, wenn in frauendominierten Berufen und Studiengängen Männer bevorzugt werden, wird aber als fair bezeichnet, wenn in männerdominierten Berufen Frauen bevorzugt werden.

    In Wirklichkeit ist es doch so, dass der Anteil von 12 % von Frauen an Aufsichtsratsposten sehr hoch ist, wenn man bedenkt, dass nur 16 % der Frauen hier in Deutschland überhaupt Vollzeit arbeiten wollen.

    Na ja - wie ich neulich hörte, wird an einigen Universitäten Männern schon ganz explizit gesagt, dass sie sich auf Professorenstellen erst gar nicht bewerben sollen, da sie auf Grund der Quoten sowieso keine Chancen haben.

    Sind eigentlich nur die Politiker verblödet oder wir Männer insgesamt, dass wir uns das von ein paar Weibern gefallen lassen?

    Der Kabarettist Richling -
    http://www.youtube.com/wa... - behauptet ja "beides" ...

    Antwort auf "Schweden"
  6. Da aufgrund der demographischen Entwicklung der Anteil der arbeitenden Bevölkerung immer mehr abnimmt, werden die Unternehmen um jeden halbwegs qualifizierten Mitarbeiter froh sein. Diskriminierung werden die sich langfristig gar nicht mehr leisten können.

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