Kultureller Imperialismus in "Avatar" Karl May und "Avatar"

Josef Joffe setzt sich die 3-D-Brille auf und sieht unterschwelligen Rassismus.

Verkörpert das Böse im Film "Avatar": Colonel Quaritch (Stephen Lang)

Verkörpert das Böse im Film "Avatar": Colonel Quaritch (Stephen Lang)

Die Kindheit kehrt zurück. Eine reale Mrs. Robinson, Vorname Iris, verführt wie in der Reifeprüfung vor 43 Jahren einen 19-Jährigen, begeht aber anders als Anne Bancroft im Film allerlei Unterschleif und treibt so ihren Mann, den nordirischen Regierungschef, in die Demission. Der 3-D-Blockbuster Avatar, der wohl Titanic als größten Kassenschlager aller Zeiten verdrängen wird, erinnert an unsere frühen Helden Tarzan und Winnetou.

Die Geschichte ist uralt. Sie handelt vom »edlen Wilden«, den schon Dryden und Pope, Diderot und Rousseau kannten. Er ist gut, schön und unverdorben; unsere Zivilisation ist korrupt, grausam und gierig. Tarzan lebt unter Dschungeltieren, die eigentlich die besseren Menschen sind. Winnetou ist der Apachen-Ritter im Lendenschurz, der von weißen Untermenschen gemeuchelt wird.

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In Avatar sind die Edlen die »Blauen«, die auf dem Planeten Pandora in Harmonie mit der Natur leben und diese als Gottheit verehren, weshalb das Vatikan-Blatt Osservatore Romano den Film pikiert gerügt hat – zu viel unchristlicher Pantheismus. Die Bösen sind die geldgeile Corporation und der durchgeknallte Marine-Colonel (wie im Vietnam-Epos Apocalypse Now), die mit ihren Overkill-Maschinen die Blauen zu vernichten suchen. Denn die wollen partout nicht von dem Baum weichen, der das kostbare »Unobtainium« (»Nichtzukriegium«) enthält. »Blut für Öl«…

Josef Joffe
Josef Joffe

ist Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er auch ihr Chefredakteur, gemeinsam mit Michael Naumann. Davor leitete er das außenpolitische Ressort der Süddeutschen Zeitung. Weitere Texte von ihm finden Sie hier

Die fast perfekte Computer-Animation wird den Film so revolutionieren wie einst Ton und Farbe. Die Botschaft ist absolut korrekt: wider Rassismus, Militarismus, Kapitalismus, für Natur- und Kulturenschutz. Und verlogen. Schon Thomas Hobbes hat das Leben im Naturzustand als »gemein, hässlich und kurz« gegeißelt. Die Indianer waren keineswegs friedlich und nobel; die Grausamkeit der Apachen im Krieg gegen andere Stämme war legendär. Tarzans Dschungel war kein anheimelnder Ort; die Natur, wo einer den anderen frisst, ist grundsätzlich kein Hort von Sitte und Anstand.

Aber das Verlogene geht tiefer, wie David Brooks in der New York Times anmerkt. Genauso wie Tarzan und Old Shatterhand ist der Blauen-Retter Jake Sully ein weißer Mann, ein »weißer Messias« aus einer technorationalistischen Zivilisation, der die Eingeborenen zum Sieg führt. Sie brauchen ihn und seine Instrumente (siehe »Henry-Stutzen«), um gegen die Bösen zu kämpfen. Edgar Rice Burroughs und Karl May schrieben in einer Ära, in der die »Überlegenheit des weißen Mannes« eisernes Dogma war. Der überkorrekte Avatar- Regisseur James Cameron ist in die gleiche Falle getappt. Auch Jake Sully ist ein Kultur-Imperialist, bloß ein guter, ohne den die Blauen verloren wären. Danke, Bwana.

So tief wie das teure Metall schlummert in diesem Film eine herablassende, ja rassistische Botschaft. Cameron verbeugt sich vor den edlen Wilden und reduziert sie doch zu Abhängigen. Tarzan und Old Shatterhand kehrten konsequenterweise in ihre »höhere« Zivilisation zurück, aber Jake Sully kommt garantiert wieder. Er und seine Prinzessin mit den wunderschönen gelben Augen haben schon 400 Millionen Dollar eingespielt. Mit den Sequels lässt sich im Kapitalismus mehr Geld machen als mit »Unobtainium« aus Pandora.

 
Leser-Kommentare
  1. ... gibt es natürlich nicht.

    Auf folgenden Vergleich kommen vermutlich nur pazifistische, langhaarige 9/11 Verschwörungstheoretiker:

    Pandora = Irak
    Unobtainium = Öl
    RDA = Halliburton / KBR
    RDA Security = Blackwater

    Oder ?

    Ich muss mich wiederholen:

    'Confessions of an economic hitman'

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    • DeNico
    • 17.01.2010 um 23:26 Uhr

    ... was Pazifismus, lange Haare und den glauben an eine 9/11 Verschwörungstheorie damit zu tuen haben.
    Soweit ich weis hatte Herr Joffe in letzter Zeit zumindest nicht mit Extentions experimentiert.

    Ich kann mich einigen meiner Vorkommentatoren nur anschließen, offenbar hat der gute Mann den Film micht wirklich gesehen. Ich meine dies ist die Zeit und nicht irgendein Provinzblättchen...
    1.:
    Unobtanium und nicht unobtainium, wen der Autor sich schon auf WIKKIPEDIA und andere Seiten verlässt dann soll er auch korrekt zitieren, nämlich das es sich hierbei klassischer Weise um eine Art handelt in einem Film, meistens ein B Movie eine halbwegs plausible Erklärung für eine ansonsten hanebüchene Geschichte zu liefern. Allerdings gibt es auch Ausnahmen wie z.Bsp. in The Core wo das "UBoot" das ins Erdinnere fährt eben aus einem Metall Namens Unobtainium.
    Aber Camerons Film auf eine Stufe mit B Movies zu stellen ist schon ein Ding
    2.: Die Na´vi werden keinesfalls als die edlen Wilden gezeichnet, nur als jemand der nicht weichen will für die wirtschaftlichen Interessen eines Stärkeren, fragen wir mal die Leute in Cgina die in den letzten Jahren zwangsumgesiedelt worden sind, die hätten wahrscheinlich auch gerne einen wie Jake Sully gehabt. Und ich sehe SUlly nicht als "weissen Messias" sondern als jemand der nachdem er die Kultur und Lebensweise der "anderen" kennengelernt hat seine Beweggründe und die moralischen Aspekte seines Handelns hinterfragt und sich dann auf die für ihn richtige Seite stellt.

    Aber solche Kommentatoren wie Herr Joffe fragen wahrscheinlich auch in Godzilla nach der Intention des Filmes...

    • DeNico
    • 17.01.2010 um 23:26 Uhr

    ... was Pazifismus, lange Haare und den glauben an eine 9/11 Verschwörungstheorie damit zu tuen haben.
    Soweit ich weis hatte Herr Joffe in letzter Zeit zumindest nicht mit Extentions experimentiert.

    Ich kann mich einigen meiner Vorkommentatoren nur anschließen, offenbar hat der gute Mann den Film micht wirklich gesehen. Ich meine dies ist die Zeit und nicht irgendein Provinzblättchen...
    1.:
    Unobtanium und nicht unobtainium, wen der Autor sich schon auf WIKKIPEDIA und andere Seiten verlässt dann soll er auch korrekt zitieren, nämlich das es sich hierbei klassischer Weise um eine Art handelt in einem Film, meistens ein B Movie eine halbwegs plausible Erklärung für eine ansonsten hanebüchene Geschichte zu liefern. Allerdings gibt es auch Ausnahmen wie z.Bsp. in The Core wo das "UBoot" das ins Erdinnere fährt eben aus einem Metall Namens Unobtainium.
    Aber Camerons Film auf eine Stufe mit B Movies zu stellen ist schon ein Ding
    2.: Die Na´vi werden keinesfalls als die edlen Wilden gezeichnet, nur als jemand der nicht weichen will für die wirtschaftlichen Interessen eines Stärkeren, fragen wir mal die Leute in Cgina die in den letzten Jahren zwangsumgesiedelt worden sind, die hätten wahrscheinlich auch gerne einen wie Jake Sully gehabt. Und ich sehe SUlly nicht als "weissen Messias" sondern als jemand der nachdem er die Kultur und Lebensweise der "anderen" kennengelernt hat seine Beweggründe und die moralischen Aspekte seines Handelns hinterfragt und sich dann auf die für ihn richtige Seite stellt.

    Aber solche Kommentatoren wie Herr Joffe fragen wahrscheinlich auch in Godzilla nach der Intention des Filmes...

  2. sehr geehrter Herr Joffe,

    unterschwellige Botschaften hin, Thomas Hobbes her.... Fakt ist, ohne Jake Sully wären die Nav'i, um es plakativ auf den Punkt zu bringen, plattgemacht worden.

    Debatten über die Feinheiten pädagogischen Wertigkeiten kann man nur führen, wenn man überlebt.

    Entscheidende Hilfe nicht anzunehmen, bzw. den Stolz vor die Vernunft zu stellen, kann man meiner Meinung nach durchaus als dämlich bezeichnen. Wir leben schließlich in einer, wie nennt es die "Zeit" gerne, postheroischen Gesellschaft.

    Mit freundlichen Grüßen

    • bibber
    • 16.01.2010 um 18:38 Uhr

    Alles andere finden Sie ja auch nur bei "Star Trek", sonst nirgendwo, früher nicht und nachher auch nirgends mehr. Gene Rhoddenberrys Star Trek war die große Ausnahme. Allerdings war auch bei "Star Trek" der amerikanische Chauvinismus sehr durchscheinend, alles militärische war mit US-amerikanischer Symbolik durchsetzt, und natürlich waren sie immer die Sieger und hatten immer die bessere Technologie.

    Man darf von einem US-amerikanischen Film keine nicht-chauvinistische
    Sichtweise auf Amerika erwarten, und es ist genau dieser Chauvinismus, der mich am allermeisten an US-Amerika stört, weshalb ich dort nicht mehr hinfahre. Sie sind eben in allem besser, oder? Hollywood macht technisch und künstlerisch viele sehr gute Filme, aber auf den geistigen Extrakt darf man nicht so genau schauen, "die Moral von der Geschicht"
    Es liegt wohl daran, daß es "Gods Own Cauntry" ist und Religiösität ist ja durchsetzt mit Chauvinismus. Der US-Amerikaner kann allerdings nichts für seinen Chauvinismus, da er das selbst gar nicht bemerkt, so selbstverständlich ist es ihm. Das ist ja gerade das Abstoßende.

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    War das jetzt eine Satire oder ist ihr dumpfer (unbegründeter!) Anti-Amerikanismus wirklich ihre Antwort auf einen Pseudo-Rassismus bei Star Trek und Co.? Können Sie vielleicht kein Englisch oder haben Sie sonstige Einschränkungen, Vorurteile abbauen zu können? Tut mir Leid, normalerweise bin ich nicht so forsch, aber bei solchen Kommentaren ballt sich mir die Faust in der Tasche...

    War das jetzt eine Satire oder ist ihr dumpfer (unbegründeter!) Anti-Amerikanismus wirklich ihre Antwort auf einen Pseudo-Rassismus bei Star Trek und Co.? Können Sie vielleicht kein Englisch oder haben Sie sonstige Einschränkungen, Vorurteile abbauen zu können? Tut mir Leid, normalerweise bin ich nicht so forsch, aber bei solchen Kommentaren ballt sich mir die Faust in der Tasche...

  3. Schön dass Herr Joffe nacherzählt, was Brooks in der NYT vorerzählt. Nur, wird es davon besser?
    Die pc-getriebene Rassismus-Keule auf Cameron billigen plot anzusetzen ist genau so ein Ersatzkrieg wie der um die rauchende Darstellerin.
    Der Film mag technisch genial sein, die Geschichte ist wie oft genug recht platt, aber der Vorwurf weder Hobbes zu berücksichtigen, noch den (blauen) natives die höheren Weihen zu verleihen, der geht als überspannte Erwartung bei derartigen Filmen völlig an der Realität vorbei.
    Und wo in der realen modernen Welt konnten denn technologisch rückständige natives ohne zumindest Lehrer, Ausbilder, Lieferanten oder Unterstützer aus der entwickelten Welt zu haben, einen Konflikt gewinnen?

  4. Hallo,

    man fragt sich ob der Autor den Film gesehen hat.

    Am Ende stehen die Einheimischen mit dem Rücken zur Wand, auch Jake weit weg von einem Sieg. Den Sieg erzielt der Mega-Organismus (Pandora), der die zentrale Aussage des Films ist.

    "Cameron verbeugt sich vor den edlen Wilden und reduziert sie doch zu Abhängigen."

    Abhänig ja, aber nicht von Jake Sully. Unabhängig davon wie man den Film findet, bitte das nächste mal den Film ansehen bevor man eine Kritik dazu schreibt und den Inhalt des Films praktisch komplett falsch wiedergibt.

    Sehr enttäuschend für das Niveau der Zeit.

    Stephan Schmidt

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    Das dürfte nun schon der vierte Artikel auf Zeitonline zu diesem Film sein. Die Meinung, dass die Bilder beeindruckend und der Inhalt lahm sind, scheint weit verbreitet. Warum wird das immer wiedergekäut? Der Film hat doch nun schon so viel Geld eingespielt. So viel Aufmerksamkeit hat dieser mMn durchschnittliche Film einfach nicht verdient.

    Das dürfte nun schon der vierte Artikel auf Zeitonline zu diesem Film sein. Die Meinung, dass die Bilder beeindruckend und der Inhalt lahm sind, scheint weit verbreitet. Warum wird das immer wiedergekäut? Der Film hat doch nun schon so viel Geld eingespielt. So viel Aufmerksamkeit hat dieser mMn durchschnittliche Film einfach nicht verdient.

  5. Das dürfte nun schon der vierte Artikel auf Zeitonline zu diesem Film sein. Die Meinung, dass die Bilder beeindruckend und der Inhalt lahm sind, scheint weit verbreitet. Warum wird das immer wiedergekäut? Der Film hat doch nun schon so viel Geld eingespielt. So viel Aufmerksamkeit hat dieser mMn durchschnittliche Film einfach nicht verdient.

    Antwort auf "Film gesehen?"
  6. In dem Film verlieren die Idioten. Ich mag es, wenn Idioten verlieren. Das ist es, was für mich zählt.

    • Jantdm
    • 16.01.2010 um 19:40 Uhr

    Dieser Artikel, da muss ich den Kommentatoren vor mir beipflichten, ist leider mal wieder argumentativ total daneben.
    Das Mineral heißt bei Cameron übrigens "Unobtanium".

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