Verkörpert das Böse im Film "Avatar": Colonel Quaritch (Stephen Lang) © 20th Century Fox

Die Kindheit kehrt zurück. Eine reale Mrs. Robinson, Vorname Iris, verführt wie in der Reifeprüfung vor 43 Jahren einen 19-Jährigen, begeht aber anders als Anne Bancroft im Film allerlei Unterschleif und treibt so ihren Mann, den nordirischen Regierungschef, in die Demission . Der 3-D-Blockbuster Avatar, der wohl Titanic als größten Kassenschlager aller Zeiten verdrängen wird, erinnert an unsere frühen Helden Tarzan und Winnetou.

Die Geschichte ist uralt. Sie handelt vom "edlen Wilden", den schon Dryden und Pope, Diderot und Rousseau kannten. Er ist gut, schön und unverdorben; unsere Zivilisation ist korrupt, grausam und gierig. Tarzan lebt unter Dschungeltieren, die eigentlich die besseren Menschen sind. Winnetou ist der Apachen-Ritter im Lendenschurz, der von weißen Untermenschen gemeuchelt wird.

In Avatar sind die Edlen die "Blauen", die auf dem Planeten Pandora in Harmonie mit der Natur leben und diese als Gottheit verehren, weshalb das Vatikan-Blatt Osservatore Romano den Film pikiert gerügt hat – zu viel unchristlicher Pantheismus. Die Bösen sind die geldgeile Corporation und der durchgeknallte Marine-Colonel (wie im Vietnam-Epos Apocalypse Now), die mit ihren Overkill-Maschinen die Blauen zu vernichten suchen. Denn die wollen partout nicht von dem Baum weichen, der das kostbare "Unobtainium" ("Nichtzukriegium") enthält. "Blut für Öl"…

Die fast perfekte Computer-Animation wird den Film so revolutionieren wie einst Ton und Farbe. Die Botschaft ist absolut korrekt: wider Rassismus, Militarismus, Kapitalismus, für Natur- und Kulturenschutz. Und verlogen. Schon Thomas Hobbes hat das Leben im Naturzustand als "gemein, hässlich und kurz" gegeißelt. Die Indianer waren keineswegs friedlich und nobel; die Grausamkeit der Apachen im Krieg gegen andere Stämme war legendär. Tarzans Dschungel war kein anheimelnder Ort; die Natur, wo einer den anderen frisst, ist grundsätzlich kein Hort von Sitte und Anstand.

Aber das Verlogene geht tiefer, wie David Brooks in der New York Times anmerkt. Genauso wie Tarzan und Old Shatterhand ist der Blauen-Retter Jake Sully ein weißer Mann, ein "weißer Messias" aus einer technorationalistischen Zivilisation, der die Eingeborenen zum Sieg führt. Sie brauchen ihn und seine Instrumente (siehe "Henry-Stutzen"), um gegen die Bösen zu kämpfen. Edgar Rice Burroughs und Karl May schrieben in einer Ära, in der die "Überlegenheit des weißen Mannes" eisernes Dogma war. Der überkorrekte Avatar- Regisseur James Cameron ist in die gleiche Falle getappt. Auch Jake Sully ist ein Kultur-Imperialist, bloß ein guter, ohne den die Blauen verloren wären. Danke, Bwana.

So tief wie das teure Metall schlummert in diesem Film eine herablassende, ja rassistische Botschaft. Cameron verbeugt sich vor den edlen Wilden und reduziert sie doch zu Abhängigen. Tarzan und Old Shatterhand kehrten konsequenterweise in ihre "höhere" Zivilisation zurück, aber Jake Sully kommt garantiert wieder. Er und seine Prinzessin mit den wunderschönen gelben Augen haben schon 400 Millionen Dollar eingespielt. Mit den Sequels lässt sich im Kapitalismus mehr Geld machen als mit "Unobtainium" aus Pandora.