Debatte um Margot Käßmann Käßmanns Salz

In der Debatte um den deutschen Truppeneinsatz in Afghanistan stellt sich Christoph Dieckmann an die Seite der EKD-Ratsvorsitzenden

Zum rühmlichen Erinnern der 1989er Wende gehört der Begriff »friedliche Revolution«. Selten vergessen wird ein Lob der DDR-Kirchen, deren christlicher Antimilitarismus moralisch half, das SED-Regime und die Ost-West-Konfrontation zu überwinden. Olle Kamellen? Im Jahre 2010 scheint es, dass Deutschlands wahrer Chef für Auswärtige Angelegenheiten nicht der Außenminister ist, sondern der für »kriegsähnliche Zustände«.

Gescholten wird Bischöfin Margot Käßmann, die in ihrer Dresdner Neujahrspredigt sagte: »Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan.« Und in einem Interview mit der Berliner Zeitung wagte sie jene vermutlich vaterlandsverräterischen Sätze, die Deutschlands Freiheitsverteidigern am Hindukusch geradezu die Bibel in den Rücken rammten: Was in Afghanistan geschehe, sei »in keiner Weise zu rechtfertigen. (…) Es gibt keinen gerechten Krieg.« Ungescholten, unzitiert blieb diese Passage: »Wir sind auch der drittgrößte Rüstungsexporteur. Wir verdienen auch noch an den Kriegen, die wir dann beklagen.«

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Vor zwanzig Jahren habe ich Deutschlands Einheit nicht ersehnt, aus zwei Gründen. Ich fürchtete neuen Nationalismus (gottlob zu Unrecht?) und eine Militarisierung der künftigen deutschen Außenpolitik, vor der damals Günter Gaus in einem prophetischen Spiegel- Essay warnte. Gaus unvergessenes Fazit: »Der Unerschrockene mag es eine Normalisierung nennen.« Es befreit, zu hören, dass Margot Käßmann zu den Erschrockenen zählt. Jesus war kein Normalpolitiker. »Ihr seid das Salz der Erde«, sagt er in der Bergpredigt. »Wenn aber das Salz stumpf wird, womit soll mans salzen?«

 
Leser-Kommentare
  1. In der DDR hatte die Kirche vor 20 Jahren für alle deutlich – vermutlich in den ganzen Jahren vorher auch schon eher unspektakulär – reflektiert Stellung zu wesentlichen gesellschaftlichen Fragen bezogen. Dies ist auch immer schon die genauestens respektierte Tradition in der Bundesrepublikgewesen. Die Beachtung dieser Tradition war bislang quasi ein wesentlicher Bestandteil des „raison d'être“ der Bundesrepublik.

    Es ist eine der Hauptaufgaben der Kirche, jenseits jeglicher Konfession, Stellung zu nehmen zu gesellschaftlichen und politischen Problemen, ohne Ansehen von Staat und Regierung, ohne Ansehen von Presse und Popularität, von individueller Ansicht oder kollektivem „Mainstream“. Der Staat hat nicht das geringste Recht, die Kirche bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe einzuschüchtern oder einzuschränken.

    Das anmaßende Herbeizitieren eines der wichtigsten Repräsentanten der Kirche in Deutschland verursacht im Verhältnis Kirche-Gesellschaft so eine erhebliche Schieflage. in der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit werden hier mindestens zwei rote Ampeln überfahren.

    Der Respekt vor einer der wichtigsten gesellschaftlichen Instanz der Wertevermittlung, der Kirche, wird staatlicherseits konterkariert, unterhöhlt.
    Die für ein Gemeinwesen unverzichtbare Achtung vor dem Staat wird konterkariert und unterhöhlt, wenn Vertreter bestimmter Staatsorgane unbekümmert und unbeschwert staatliches Handeln dem öffentlichen Verdacht dummdreister Flegelhaftigkeit aussetzen.

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    Frau Käßmann hat mit ihrem Dienstphaeton nur eine rote Ampel überfahren!

    Frau Käßmann hat mit ihrem Dienstphaeton nur eine rote Ampel überfahren!

    • upcno
    • 15.01.2010 um 20:01 Uhr

    ist wohl der dümmste Satz den ich je gehört habe. Sogar ohne Krieg ist Frieden ohne Waffen kaum denkbar oder tragen die Polizisten in Frau Käßmanns umfeld keine 9mm.
    Ansonsten noch zwei Zitate die im Alter mit der christlichen Religion gut mithalten können:
    Wer den Frieden will der rüste zum Krieg (Vegetius)
    Der Krieg ist der Vater aller Dinge (Heraklit)

    Wer Waffen, Rüstungsgüter etc. Abschaffen will, sollte tunlichs nichts besitzen was für irgendwen, der eine Waffe hat, reizvoll sein könnte. Da Deutschland aber sehr reich ist, sollten wir auch in der Lage sein, uns zu Verteidigen und zwar mit WAFFEN!!!!

    P.S. @Nr. 1 Die Kirche ist eine Körperschaft des Staats, also kann er durchaus mitreden - schließlich zahlt er auch dafür

  2. "Die Kirche ist eine Körperschaft des Staats, also kann er durchaus mitreden - schließlich zahlt er auch dafür"

    NOTWENDIGE KORREKTUR:

    "In Deutschland sind die als öffentlich-rechtliche Körperschaften anerkannten Kirchen berechtigt, DIE BEITRÄGE IHRER MITGLIEDER in Form der Kirchensteuer einzuziehen.“
    Quelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_(Organisation)

    "Als Körperschaftsstatus bezeichnet man im deutschen Staatskirchenrecht den besonderen Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) eigener Art, welchen Religions- und areligiöse Weltanschauungsgemeinschaften nach Art. 140 Grundgesetz in Verbindung mit Art. 137 Abs. 5 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) erlangen können. […] Der „Körperschaftsstatus“ […] macht die Religionsgemeinschaften dagegen nicht zu einem Teil des Staates. […] Keine Voraussetzung ist dagegen eine besondere Loyalität zum Staat. Es bleibt vielmehr der Religionsgemeinschaft überlassen, ob sie den Staat unterstützt, sich ihm gegenüber neutral oder aber kritisch verhält. Das Grundgesetz sehe eine Zusammenarbeit des Staates mit den Religionsgemeinschaften zum Teil ausdrücklich vor und lasse sie in weiteren Bereichen zu. Ob sie derartige Angebote annehmen oder Distanz zum Staat wahren möchten, bleibe aber ihrem religiösen Selbstverständnis überlassen.
    Quelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Körperschaftsstatus

    Publicola

  3. Frau Käßmann hat mit ihrem Dienstphaeton nur eine rote Ampel überfahren!

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