Natürlich ist er stolz auf sein Heimatland. Auf die Strände. Die Landschaften. Das kulturelle Erbe. Ilias Galanos, 63 Jahre, dichter Schnurrbart, kantiges Gesicht, ist Deutschlandchef der griechischen Fremdenverkehrsbehörde. Wer Galanos in seinem Büro in der Frankfurter Innenstadt besucht, sieht all die bunten Broschüren, mit denen Griechenland um Touristen wirbt: Städtereisen nach Thessaloniki, Badeurlaub in Makedonien, Kreuzfahrten in der Ägäis, ein Besuch der 4000 Jahre alten Ruinen von Knossos.

Eines steht in den Werbeprospekten nicht: Griechenland könnte bald pleite sein.

300 Milliarden Euro Staatsschulden hat die Regierung in Athen angehäuft, der Finanzminister spricht vom Ausnahmezustand. Die internationalen Geldgeber trauen den Griechen nicht mehr, die Kreditwürdigkeit des Landes ist so schlecht wie die einer Bananenrepublik. Griechenland geht das Geld aus. Noch sitzt Ilias Galanos in seinem Arbeitszimmer im verschneiten Deutschland und schwärmt von seiner Heimat: "20 Grad! Plus, nicht minus!" Doch seine Regierung reagiert schon auf den drohenden Bankrott. Sie will ein Drittel der ausländischen Tourismusbüros dichtmachen. Auch Deutschland könnte es treffen.

Staatspleite! Für die meisten Menschen klingt das nach dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. Ein zahlungsunfähiger Staat hat kein Geld mehr für Feuerwehrleute und Polizisten, Lehrer und Krankenschwestern. Es fließt kein Strom, um Straßenbahnen anzutreiben. Nachts bleiben die Straßenlaternen aus. Wer an Staatspleiten denkt, der denkt an die Bilder der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre: an lange Schlangen vor öffentlichen Gebäuden, Banken und Geschäften. An Unruhen auf den Straßen. Dann fallen einem womöglich die Bilder der jüngsten Krawalle in Griechenland ein. Und auf einmal ist das Unvorstellbare real.

Was, wenn unsere Lieblingsurlaubsländer pleitegehen?

Ganz gleich, ob Griechenland, Spanien, Italien oder Portugal: Sie alle gelten finanziell als angeschlagen. 62 Milliarden Euro tragen deutsche Touristen jedes Jahr ins Ausland, davon mehr als 15 Milliarden in diese vier Länder. Jetzt, im deutschen Winter, buchen die Bundesbürger wieder ihren Sommerurlaub, sie hoffen auf Sonne und Wärme, wünschen sich Ruhe und Erholung. Was sich niemand wünscht: in einem fremden Land unterwegs zu sein und dann nicht mehr nach Hause zu kommen – weil die Flughäfen dicht sind. Weil Chaos herrscht.

So schlecht geht es den Mittelmeerstaaten, dass nun darüber diskutiert wird, ob ihnen die Deutschen nicht finanziell zu Hilfe eilen müssen. Ilias Galanos, der griechische Tourismusbeauftragte, hätte dann zwar ein Problem weniger. Aber Ilias Galanos, der Frankfurter Kommunalpolitiker, hätte eines mehr.

Seit zehn Jahren sitzt Galanos für die CDU im Stadtrat. Frankfurt geht es wie so vielen deutschen Kommunen, die in der Krise fast keine Einnahmen mehr haben, aber viele Ausgaben. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Ob Kindergärten, Schulen, Büchereien oder Schwimmbäder: Überall wird gekürzt. Und so sagt selbst Ilias Galanos: "Wir haben nichts zu verschenken."

Deutschland muss sparen, soll aber für die schwächeren Euro-Länder zahlen. Das ist die politische Brisanz an den drohenden Pleiten unserer Lieblingsurlaubsländer. In Berlin haben Angela Merkel und Guido Westerwelle einen Koalitionsvertrag unterzeichnet, von dem sie nun Stück für Stück abrücken müssen, weil er nicht finanzierbar ist – und gleichzeitig bildet die Bundesregierung eine Taskforce für Europas Bankrottkandidaten, um denen zur Not finanziell zu helfen. Die wenigsten Deutschen dürften das verstehen.