Stilkolumne

Wie Barack Obamas Stunde schlägt

Tillmann Prüfer über Präsidenten-Uhren

Was Barack Obama bestimmt nicht beabsichtigt hat: Dass Leute die Jorg Gry 6500 Chronograph kaufen wollen

Was Barack Obama bestimmt nicht beabsichtigt hat: Dass Leute die Jorg Gry 6500 Chronograph kaufen wollen

Zurzeit werden allerlei Barack-Obama-Bilanzen gezogen. Der Mann ist ja erst vor einem Jahr Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Es wird gezählt, wie viele Friedensnobelpreise er eingesammelt hat. Bewertet, ob er sich der Terrorgefahr stellen kann. Ob er genügend Einfluss in der Wirtschaft geltend gemacht hat und ob sein Urlaub auf Hawaii schön war. Auf jeden Fall lässt sich konstatieren: In der Uhrenindustrie hat der Staatschef deutliche Spuren hinterlassen.

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Barack Obama wusste schon früh um die Symbolträchtigkeit von Armbanduhren. Deshalb lässt er die Schweizer TAG Heuer, die er als Senator trug, zu Hause, seit er Staatschef ist. Wahrscheinlich weiß er nur zu gut, dass er Gefahr laufen würde, als neues Markengesicht einer Uhrenmanufaktur gesehen zu werden. Stattdessen wählte er eine Uhr, die völlig unverdächtig war, als Markenstatement verstanden zu werden. Seine Bodyguards hatten sie ihm aus dem Souvenirshop des Secret Service mitgebracht. Es ist ein Modell einer kleinen Marke Namens Jorg Gray.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Die Uhr »6500 Chronograph« gibt es kaum im Einzelhandel, sie wurde als Geschenkmodell vertrieben, an Firmen, die (wie der Secret Service) ihr Logo aufs Ziffernblatt drucken konnten. Diese Uhr hat noch nicht einmal ein mechanisches Werk. In ihr pulst ein billiges Quarzherz. Die Botschaft, die Barack Obama damit in die Welt tragen wollte, war: Mir ist es völlig egal, was für eine Uhr ich trage, sie muss mir nur die Zeit anzeigen.

Das sieht die betreffende Firma allerdings anders. Sie schaltet Anzeigen, in denen sie die »Präsidenten-Uhr« proklamiert. Inzwischen gibt es ein Modell mit Obama-Gravur. Stolz zählt man auf der Grey-Website auf, bei welchen Gelegenheiten Obama schon mit dieser Uhr gesehen worden ist. Bei der Wahlfeier, bei der Inauguration und in der darauf folgenden Ballnacht, alles historische Momente. Wie kann eine Uhr, die überall dabei ist, nicht historisch sein? Mittlerweile hat Jorg Gray eine Internetseite www.barackswatch.com und wirbt: »Yes You Can… wear the same watch as the President«. Man betrachtet sich selbst als so etwas wie der Hoflieferant des Weißen Hauses.

Hier also die Bilanz des ersten Jahres von Obamas Präsidentschaft: Barack Obama ist vielleicht der mächtigste der Mann Welt. Die Macht, nicht von einer normalen Quarzuhr vereinnahmt zu werden, hat er nicht.

 
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Leser-Kommentare

  1. 1. Super!

    Schöner Artikel, herrliche Pointe zum Schluss!

    • 18.01.2010 um 23:18 Uhr
    • wp

    Warum immer vom "mächtigsten Mann der Welt" geredet wird? Die wirkliche Macht haben der Senat und Kongress. Da wird das Geld bewilligt und damit indirekt auch über Kriege & Operationen, Gesundheitssystem usw entschieden. Der Präsident darf artig bitte bitte sagen, mehr aber auch nicht.

  2. Das gefällt mir gut, dass nun auch mal auch die Uhr in das Zentrum des Interesses rückt. Ich habe während meiner Dienstzeit immer eine "RICHARD LANGE" von A.LANGE & SÖHNE getragen. Ein sehr schönens Instrument. Zum Glück wurde ich nicht so vereinnahmt, wie einige meiner Amtskollegen der Neuzeit.

    Euer Helmut

    http://www1.alange-soehne...

    • 19.01.2010 um 12:37 Uhr
    • ben_

    Was man alle zusammenbringen kann, wenn man nur will …

  3. Wozu - zumindest in dieser exponierten Position - überhaupt eine Uhr tragen?

    Das Nichttragen einer Uhr wäre doch viel erfrischender.

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