»Tablet« ist das Technik-Modewort des noch jungen Jahres. Bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas in der vergangenen Woche präsentierten fast alle Computerhersteller eines der flachen Geräte, die ohne Tastatur und Maus zu bedienen sind. Aber Tablet ist nicht gleich Tablet: Das Spektrum reicht vom abgespeckten Laptop, der eigentlich ein vollwertiger Computer ist, bis zu drögen Lesegeräten, die nur E-Books eines bestimmten Formats anzeigen können. Auf dem Markt tummeln sich um die 40 Hersteller, von Hewlett-Packard und Lenovo bis zu unbekannten asiatischen Billigschraubern.

Noch leiden alle Geräte mit herkömmlichem LCD-Bildschirm unter kurzen Batterielaufzeiten. Deshalb galt das Interesse der Fachwelt vor allem Spezialgeräten mit einem Schwarz-Weiß-Display, das wie bei Amazons Kindle auf der Transistortechnik der US-Firma E Ink basiert. Vor allem zwei jeweils nur sieben Millimeter dicke eReader fielen da ins Auge: der Que von Plastic Logic und der Skiff des gleichnamigen Mediendienstes, hinter dem der Hearst-Verlag steckt.

Mit der Farbe schwindet allerdings auch der Lesespaß. Eigentlich sollen solche Flachmänner ja das Lesen neu erfinden – das jedenfalls wird uns seit Jahren versprochen. Aber wer für die jetzt vorgestellten Geräte Zeitungen und Zeitschriften im Vierfarbdruck aufgibt, geht einen schlechten Handel ein. Auf dem neuen Que kommen Reportagen mit opulenten Bildern und aufwendigem Layout trotz eines Ladenpreises ab 649 Dollar noch mit grobkörnigem Grauschleier daher. Weißer Text auf einem dunklen Hintergrund ist kaum lesbar. Da sich die elektronische Druckerschwärze nur langsam aufbaut, um die Batterie zu schonen, ist das Blättern und Zoomen in einem Text ebenfalls keine Freude.

Angesichts solcher Kinderkrankheiten versuchen die Pioniere auf dem jungen Markt, die Erwartungen tief zu hängen. Plastic Logic etwa vermarktet seinen Reader nicht als Zeitvertreib für die Masse, sondern als »papierlose Aktentasche«, mit der Geschäftsleute ein paar Tausend Dokumente bequem transportieren und auf 27 Zentimeter Bildschirmdiagonale lesen können. Für diese Zielgruppe sei der stolze Preis durchaus akzeptabel, behauptet der Firmenchef Richard Archuleta. Wer Tageszeitungen oder Zeitschriften abonniert, muss für die drahtlose Lieferung per WLAN oder Mobilfunk nichts extra bezahlen.

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Der Skiff-Reader von Hearst nimmt sich etwas eleganter aus. Das Gerät wiegt mit 498 Gramm nur zehn Gramm mehr als der Que, bietet aber eine bessere Lesbarkeit. Ins elektronische Format umgewandelte Titel wie das Wall Street Journal, die Welt Kompakt oder GQ ähneln ihren papiernen Vorbildern. Was daran liegen mag, dass Skiff eigentlich ein Dienstleister ist, der mit Verlagen ins Geschäft kommen will und nicht selber die Geräte baut. Deswegen steht auch noch kein Preis für den Reader fest, der im Lauf des Jahres zuerst in den USA auf den Markt kommen wird. Wie viel er kostet, wird unter anderem davon abhängen, wie viele Abonnements ein Kunde abschließt. Neben Verlagen können auch Mobilfunkbetreiber den Reader als aufgebohrtes Superhandy subventionieren und am Datenverkehr verdienen.