DIE ZEIT: 1933 wurde die Greifswalder Uni nach Ernst Moritz Arndt benannt. Was stört so viele an einem Autor, der seit 150 Jahren tot ist?

Sebastian Jabbusch: Arndt hat unsägliche völkische, rassistische, antisemitische Elaborate verfasst. Sein Name steht für die finstersten Ideen des 19. Jahrhunderts. Für die Nazis war er Programm, schließlich fanden sie bei Arndt alles, was sie suchten. Es ist schwer erträglich, Hermann Görings Signatur auf der Taufurkunde unserer Universität zu sehen.

ZEIT: Leipzigs Uni hat den »SED-Namen« Karl Marx gleich nach der Wende abgestreift. Warum dauert es mit dem »Nazi-Namen« Arndt so lange?

Jabbusch: Arndt hat in der Stadt viele Fans. Er stammt von hier, von Rügen. Außerdem wird er immer noch als Dichter der deutschen Einheit verehrt. Da fragen wir allerdings, welche Einheit er wollte. Jedenfalls eine ohne alle Fremden, eine reinrassige Einheit. Als Patron für eine internationale Universität des 21. Jahrhunderts taugt er jedenfalls nicht.

ZEIT: Wenn die Studierenden jetzt gegen Arndt stimmen – ist das dann für den Uni-Senat bindend?

Jabbusch: Nein. Aber es ist die erste Urabstimmung in der 550-jährigen Geschichte der Uni, und es ist das äußerste Mittel universitärer Demokratie. Der Senat versucht ja schon seit Jahren, das Thema auszusitzen. Im Übrigen haben das Studierendenparlament und die meisten Fachschaftsräte den Namen Arndt längst abgelegt.

ZEIT: Ihre Gruppe hat Debatten und Expertenrunden organisiert, ein Riesenprogramm. Wie bekommen Sie das mit dem Studium unter einen Hut?

Jabbusch: So was kann schon ein Semester kosten, aber das ist es uns wert. So viel demokratisches Engagement muss sein. Außerdem lernt man was fürs Leben, und das kann man auch als Magister oder Bachelor gut gebrauchen.

Sebastian Jabbusch, 26, ist Sprecher der Initiative "Uni ohne Arndt" und macht gerade seinen Magister

Interview: Benedikt Erenz