Kolumne Wörterbericht
Hömma
Das Ruhrgebiet ist gerade mal zwei Wochen Kulturhauptstadt Europas, und schon ist es kaum mehr zu ertragen, wie der gesamte Rest des deutschen Sprachraums der Kapitale auf Zeit verbal die Schulter tätschelt. Jeder dahergelaufene friesische, bayerische oder sächsische Abgesandte würzt seine Expeditionsberichte mit Klumpen Kohlenpöttisch, als habe er selbst jahrelang seine Klamotten an die Haken in der Waschkaue gehängt. Hömma, kannze nich, willze nich, also ääährlich – über diese Abbreviaturen soll ein Stück Herzlichkeit, Lebensfreude, Bauernschläue, und was man den Eingeborenen sonst alles anhängt, noch in den drögesten Text importiert werden. Wie ein flottes »Ciao!« beim Autotest aus der Toskana sollen die Dialektbrocken Ortskenntnis, Kompetenz und Volksnähe simulieren. Wer so schreibt, will »authentisch« sein – und ist doch nur ein Blender, der Rheinländer nicht von Westfalen unterscheiden kann.
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- Datum 14.01.2010 - 15:42 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 14.01.2010 Nr. 03
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