Asylbewerberheim in Österreich Ungeliebte Gäste
Der Konflikt um das geplante Asylzentrum im Südburgenland hat im oberösterreichischen St. Georgen alte Wunden aufgerissen.
© dpa - Bildfunk

Ein Paar sitzt vor einer Flüchtlingsunterkunft in Oldenburg
Es ist ruhig, in St. Georgen im Attergau. Verträumt reihen sich entlang der Hauptstraße Greißler, Wirtshäuser, Trafiken und Cafés aneinander. Friedlich dämmert der nur wenige Kilometer vom Westufer des Attersees entfernte Ort an diesem Jänner-Tag vor sich hin. Erst in einigen Monaten wird die pittoreske Berglandschaft wieder Sommerfrischler anlocken. Doch die »Herzlich willkommen«-Schilder, die an vielen Häusern prangen, gelten nicht allen, die in diesen Winkel des oberösterreichischen Salzkammerguts kommen. Vor allem nicht jenen Asylwerbern, die 20 Gehminuten vom Ortskern entfernt im Erstaufnahmezentrum einquartiert wurden.
Etwas versteckt, hinter mächtigen Bäumen, stehen hier im Ortsteil Thalham mehrere einstöckige Häuser aus den sechziger Jahren samt Nebengebäuden. Für die Asylwerber ist dieser triste Gebäudekomplex ein Ort der Hoffnung, doch für viele Einheimische ist das »Lager«, wie sie es nennen, vor allem eines: ein Hort der Kriminalität, eine Bedrohung und nicht zuletzt ein Symbol für die Willkür der großen Politik. Nur widerwillig arrangierte sich die Bevölkerung der 4200-Seelen-Gemeinde mit der Betreuungsstelle.
Jetzt reißt eine ähnliche Diskussion in einer anderen kleinen Gemeinde die alten Wunden wieder auf. Mit allen Kräften wehren sich die Bewohner im südburgenländischen Eberau gegen den Plan von Innenministerin Maria Fekter, in der Weinidylle ein weiteres Flüchtlingsheim zu errichten. Doch war es in Oberösterreich tatsächlich so schlimm gekommen, wie damals von den Gegnern beschworen wurde? Oder brachte die Betreuungsstelle gar einen regionalen Wirtschaftsaufschwung und neue Jobs, wie das nun auch den Burgenländern versprochen wird?
Anna Bergschober weiß darauf eine klare Antwort. »Gehören alle heimgeschickt«, sagt die 30-Jährige, die sich an diesem Vormittag im Café der Bäckerei Innenhofer ein Glas Prosecco gönnt. »Die nehmen uns die Arbeit weg.« Nicht nur deshalb ist die Hilfskraft konsequente Gegnerin des Asylzentrums: »Was passiert, wenn die, so wie die Arigona Zogaj, sagen, sie würden sich im Fall der Abschiebung umbringen? Dürfen dann alle bleiben?« Auch Gerry hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: »Zurzeit haben wir mehr zweibeinige als vierbeinige Ratten«, räsoniert der Vertreter für Gastronomieeinrichtung. Heute ist offenbar wenig zu tun: Vier Gläser Gespritzer später schimpft der Mann noch immer über » Ausländer«.
Ein paar Häuser weiter, in der schmucken Café-Konditorei Gassner, ist ein anderes St. Georgen daheim. Betreiber Martin Gassner kann mit dem Lamento über das Asylzentrum nur wenig anfangen: »Mir ist nicht bekannt, dass ein Tourist weniger gekommen wäre.« Es sei bei ihm auch nie eingebrochen worden, obwohl er wisse, dass das in anderen Geschäften der Fall gewesen sei. Drei Mitarbeiter aus dem Kosovo beschäftigt der 35-Jährige, darunter eine Küchenhilfe. »Sie und ihr Mann arbeiten fleißig, sie sprechen perfekt Deutsch und sollen nun nach neun Jahren abgeschoben werden. Eine Frechheit.«
Lautstarke Gegnerschaft hier und weltoffene Toleranz dort – zwischen diesen Extremen versucht Bürgermeister Wilhelm Auzinger zu vermitteln. Dass im Zuge der Debatte um Eberau auch seine Gemeinde in den Blickpunkt gerückt ist, macht den Job des ÖVP-Politikers nicht leichter. »Gut ist das nicht«, sagt der Religionslehrer. Doch der 59-Jährige hat gelernt, mit dem schwelenden Konflikt zu leben. Vor allem aber kommt seine Politik des Ausgleichs im Ort an. 2003 beendete der ÖVP-Kandidat bei den Gemeinderatswahlen die zwölf Jahre währende Dominanz der FPÖ, beim Urnengang im Herbst wurde die Arbeit des Bürgermeisters eindrucksvoll bestätigt: Beinahe die Hälfte der St. Georgener gab dem Hauptschullehrer ihre Stimme. Der Ort könne mit dem Lager in Thalham ganz gut leben, sagt Auzinger. »Würde es geschlossen, wäre das ein wirtschaftlicher Schaden für die Gemeinde.«
Derzeit sind im Erstaufnahmezentrum Thalham 114 Asylwerber aus 24 Nationen untergebracht. Sie bleiben maximal vier Wochen, bis entschieden ist, ob ihr Asylantrag akzeptiert wird. Rund 100 Beschäftigte, von denen 30 aus St. Georgen kommen, kümmern sich um sie: 23 Polizisten, 25 Mitarbeiter des deutschen Asyldienstleisters Homecare, 37 Beamte des Bundesasylamtes, der neunköpfige Wachdienst, sieben Fremdenpolizisten. »Es wird gut gearbeitet«, sagt Bürgermeister Auzinger. Für die Unternehmen im Ort bringe das Lager Aufträge. Ein Bauer liefert Milch, der Bäcker die Semmeln, ein Metzger aus der Umgebung das Fleisch. Bei Reparatur- und Umbauarbeiten gibt es Aufträge für Maler und Tischler.
Die zarte Belebung der Wirtschaft hat die Gegner des Asylzentrums dennoch nicht verstummen lassen. Schließlich sei da noch immer ein Problem, das die Emotionen regelmäßig hochgehen lässt: die gestiegene Kriminalität. »Es gibt fast kein Geschäft, das noch nicht bestohlen worden ist«, klagt Alois Billinger. Erst vergangene Woche seien wieder Asylanten mit gestohlenen Wodkaflaschen erwischt worden. Die Delikte würden nicht einmal mehr angezeigt. »Die Täter kriegen zwar Hausverbot, aber darüber lachen die nur und gehen dann wieder hin.« Der Handelsvertreter kennt darauf nur eine Antwort: »Das Lager soll auf jeden Fall zugesperrt werden.«
Georg Pöllmann, der seit 22 Jahren für das Innenministerium in St. Georgen arbeitet, zeichnet ein anderes Bild. Unter den rund 2300 Asylwerbern, die im vergangenen Jahr das Aufnahmezentrum frequentiert hätten, seien nur 21 Vorfälle registriert worden, rechnet der Beamte vor. »Zwei oder drei waren Ladendiebstähle. Es gab keinen einzigen Einbruch.« Den Vorwurf, dass gegen die Täter nichts unternommen werde, weist Pöllmann zurück: Schwere Delikte würden zur Entlassung aus der Betreuung führen, das Taschengeld von 40 Euro monatlich werde gestrichen, der Täter werde an einen anderen Ort verlegt.
»Das Lager ist nicht das Problem«, bestätigt Revierinspektor Ludwig Leposchitz vom örtlichen Polizeiposten. Vielmehr würden die Besucher jener Asylsuchenden, die in privaten Quartieren in der Umgebung untergebracht sind, Spuren in der Kriminalstatistik des Ortes hinterlassen. Vor allem im Sommer kann sich Leposchitz, ein Kärntner, der dem Posten St. Georgen zugeteilt wurde, nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Drei bis vier Delikte täglich würden dann anfallen, in der Regel Ladendiebstähle, Raufereien und familiäre Streitigkeiten. Ob die Polizisten deshalb frustriert seien? »Frustriert nicht, aber man wundert sich, welche Asylwerber trotz Straffälligkeiten dableiben dürfen.«
Die unterschiedlichsten Schicksale brachten die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten in das Lager von Thalham. Bereits im Zweiten Weltkrieg standen hier Baracken des nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienstes. Nach Kriegsende wurden in ihnen lungenkranke Flüchtlinge untergebracht. Danach spülte jede größere Flüchtlingswelle ihre Opfer nach St. Georgen. Sie kamen aus Vietnam, Kambodscha oder Uganda, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vor allem aus Rumänien. Als im März 1990 einer der rumänischen Insassen einen Landsmann und einen einheimischen Tatzeugen ermordete, zogen Hunderte aufgebrachte St. Georgener vor das Gemeindeamt. »Die Bevölkerung war gespalten in jene, die gegen alles waren, was mit Flüchtlingen zu tun hatte, und in jene, die zu differenzieren versuchten«, sagt Bürgermeister Auzinger. Doch im Laufe der Jahre stritt man sich zusammen.
Bis zum Mai 2004. Damals erreichte die Zahl der Diebstähle einen neuen Höhepunkt, noch heute berichten Einheimische von Tschetschenen, die »alles gestohlen haben, was nicht niet- und nagelfest war«. Zur gleichen Zeit verordnete das Innenministerium die Umwandlung des Flüchtlingslagers in ein Erstaufnahmezentrum für Asylwerber. Das zweite, neben jenem im niederösterreichischen Traiskirchen. Wieder kam es zu einer großen Demonstration. Sogar die unweit des Orts vorbeiführende Westautobahn wollte man blockieren. Nach zahlreichen Protesten und angesichts des vehementen Widerstands lenkte das Ministerium ein, reduzierte die Zahl der Asylwerber von 250 auf 120 und erließ für die Zeit von 22 Uhr bis sechs Uhr früh ein De-facto-Ausgehverbot. Gleichzeitig wurde die Zahl der Polizisten auf 40 aufgestockt. Die Lage beruhigte sich wieder.
Doch nun hat der aktuelle Konflikt um den Standort in Eberau die Gegner des Aufnahmezentrums in St. Georgen wieder aufgeweckt. Ihr Wortführer ist Franz Schneeweiss, der 48-jährige Obmann der örtlichen FP-Sektion und Sprecher einer Bürgerinitiative. Fleißig sammelt er mit seinen Mitstreitern Unterschriften, um eine Volksabstimmung über das Lager zu erzwingen. So wie die roten Politiker im Burgenland. »Was für Eberau gilt, muss auch für St. Georgen gelten,« wirft sich der füllige Landmaschinenhändler vor den Stammtischbrüdern im Gasthaus Kiener in die Brust. Alle nicken eifrig. »Ja, wo sollen sich denn unsere Touristen hinsetzen, wenn die Bänke voll mit Ausländern sind?«, ergänzt die Wirtin. 80 Prozent der Bevölkerung seien gegen das Lager, ist man sich in der Runde im Gasthaus Kiener sicher.
Hermann Haberl kann mit den Scharfmachern wenig anfangen. Gerade sitzt er in seinem Stamm-Café und liest Zeitung. Der Mittvierziger arbeitet bei der Agrarbezirksbehörde, doch sein Herz gehört dem Bogensport. Weltmeister ist er sogar geworden. Die Wettkämpfe haben ihn viel in der Welt herumkommen lassen. Auf den Widerstand gegen das Asylzentrum macht er sich seinen eigenen Reim: »Wir müssen einmal die braune Vergangenheit bewältigen. Diese Ideen schwirren immer noch in den Köpfen herum.« Das Problem sei, dass viele St. Georgener die Probleme der Asylwerber nicht sehen wollten. Die Verfahren würden viel zu lange dauern, die Menschen bräuchten einen Arbeitsplatz. Stattdessen würden die Einheimischen nur auf den eigenen Vorteil schauen, sagt Haberl. »Unsere Leute gehen ja auch auf Montage ins Ausland, um besser zu verdienen.«
- Datum 26.01.2010 - 09:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 21.01.2010 Nr. 04
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Man merkt, wie die Asyllobby als Wirtschaftszeig wahrgenommen wird. Ähnlich den "berufenen" Hilfs- und Sozialwerken oder dem 2. Arbeitsmarkt. Man verdient daran kräftig mit.
Die die es bezahlen müssen unterstellt man dann Rassismus. So einfach ist das.
Italien könnte als Vorbild dienen, wenn die Bürger das Heft selbst in die Hand nehmen. Die Politiker wohnen in anderen Vororten und haben damit nur indirekt etwas zu tun.
So hat also auch Österreich Probleme mit dem Thema Asyl.
Das sollte nun wirklich niemanden überraschen, sofern mir bekannt brennen die Österreicher ihre Auffangstellen aber nicht ab oder veranstalten Hetzjagden durch Innenstädte.
Kein Grund also für Überheblichkeit.
Und mit den neuen Asylrichtlinien der EU hat auch Deutschland seine Probleme, also immer schön an die eigene Nase packen.
http://www.dstgb.de/homep...
"Sollte durch EU-Recht eine Angleichung der Leistungen für Asylbewerber an die Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) XII bzw. an die SGB II-Leistungen unabwendbar sein, wären jährliche Mehraufwendungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro schnell überschritten, denn diese Kosten würden nicht nur um den Betrag steigen, der zwischen den hiesigen Sozialhilfesätzen und den bisherigen Leistungen für Asylbewerber liegt. Vielmehr hätten Asylbewerber dann voraussichtlich auch Anspruch auf die gleichen Krankenversicherungsleistungen und angemessenen Wohnraum wie Sozialhilfe- und SGB-II-Empfänger, also auf eigene Wohnungen. Bisher erhalten Asylbewerber in der Regel nur eine medizinische Grundversorgung und wohnen in Gemeinschaftsunterkünften."
Da möcht ich doch mal sehen, was in Deutschland wieder los ist.
Naja, lassen wir mal die Kirche im Dorf.
1. es geht in dem Gesetzentwurf nebulös um "Angleichung" von der man "begründet" abweichen kann. Diese Begründungen werden sich schon finden, da bin ich zuversichtlich.
2. Was ist denn bitte eine halbe Milliarde auf ganz Deutschland gesehen ? Dieses Geld flösse doch direkt in den Konsum, käme also direkt dem Wirtschaftskreislauf zugute.
Wir geben deutlich mehr Geld für deutlich fragwürdigere Dinge aus.
3. Es ist erstaunlich wie verlockend in ihrem Post plötzlich so ein Sozialhilfesatz klingt. In anderen Threads wird darüber diskutiert dass es "menschenunwürdig" sei von H4 leben zu müssen, aber für die Asylbewerber ist es plötzlich noch zu viel ?
Naja, lassen wir mal die Kirche im Dorf.
1. es geht in dem Gesetzentwurf nebulös um "Angleichung" von der man "begründet" abweichen kann. Diese Begründungen werden sich schon finden, da bin ich zuversichtlich.
2. Was ist denn bitte eine halbe Milliarde auf ganz Deutschland gesehen ? Dieses Geld flösse doch direkt in den Konsum, käme also direkt dem Wirtschaftskreislauf zugute.
Wir geben deutlich mehr Geld für deutlich fragwürdigere Dinge aus.
3. Es ist erstaunlich wie verlockend in ihrem Post plötzlich so ein Sozialhilfesatz klingt. In anderen Threads wird darüber diskutiert dass es "menschenunwürdig" sei von H4 leben zu müssen, aber für die Asylbewerber ist es plötzlich noch zu viel ?
»Ja, wo sollen sich denn unsere Touristen hinsetzen, wenn die Bänke voll mit Ausländern sind?«
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.
lol
Das die kleinen und großen Unternehmer positiv über Fremde reden ist im Wesen des praktizierten Kapitalismus und der ihm innewohnende Ausbeutung begündet. Sie müßten ständig auf der Suche nach den billigsten Arbeitskräften in der ortsansässigen Bevölkerung sein um noch Profit für sich rauszuholen - kommen die Asylbewerber quasi auf Zuteilung von der Politik dann erübrigt sich das - bequemer kann ein Kapitalist wohl nicht bedient werden. Widerlich das alles!
Naja, lassen wir mal die Kirche im Dorf.
1. es geht in dem Gesetzentwurf nebulös um "Angleichung" von der man "begründet" abweichen kann. Diese Begründungen werden sich schon finden, da bin ich zuversichtlich.
2. Was ist denn bitte eine halbe Milliarde auf ganz Deutschland gesehen ? Dieses Geld flösse doch direkt in den Konsum, käme also direkt dem Wirtschaftskreislauf zugute.
Wir geben deutlich mehr Geld für deutlich fragwürdigere Dinge aus.
3. Es ist erstaunlich wie verlockend in ihrem Post plötzlich so ein Sozialhilfesatz klingt. In anderen Threads wird darüber diskutiert dass es "menschenunwürdig" sei von H4 leben zu müssen, aber für die Asylbewerber ist es plötzlich noch zu viel ?
dann sind die Menschenrechte nix mehr wert nicht einmel 359 EURO - Politiker ihr widersprecht Euch - am laufenden Band!
Verfluchte Heuchelei...eben; schnöder Kapitalismus.
Vielleicht versteht man so die Situation besser.
Im Kongo verdient ein Stationsarzt eines staatlichen Krankenhauses in der Regel 300 - 500 € monatlich, wenn er denn sein Gehalt bekommt.
Der Artikel vermischt im letzten Teil 2 Dinge. Es gibt Fluechtlinge, die tatsaechlich um Ihr Leib und Leben fuerchten muessen.
Einwanderer, die besser verdienen wollen, gehoeren aber nicht in diese Kategorie. Einwanderer wollen im Land bleiben.
Da liegt meiner Meinung nach der Fehler.
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