GeowissenschaftErschütterter Planet

Im Untergrund bebt es täglich rund 50 Mal. Wo ist die Gefahr für den Menschen am größten und welche Erdstöße blieben in Erinnerung? Eine Infografik von  und

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Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Dokument herunterzuladen  |  © Anne Gerdes/ZEIT Grafik

Jedes Jahr wird die Erdkruste millionenfach erschüttert. Nur 20.000 bis 30.000 Erdbeben im Jahr können die Seismologen registrieren und lokalisieren – immerhin noch rund 50 Beben täglich. Die meisten schweren Erschütterungen ereignen sich unter dem Meer. Nur in Ausnahmefällen sind Menschen davon betroffen.

Für die einzelnen Kontinente haben Wissenschaftler des Global Seismic Hazard Assessment Program (GSHAP) ausgerechnet: Welche maximale Erschütterung droht wo? Und zwar mit mehr als zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit binnen 50 Jahren? So entstand die Weltkarte der Bebengefährdung.

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Das Risiko, das von solchen Erschütterungen ausgeht, hängt nicht nur von Stärke und Häufigkeit ab. In unterschiedlich entwickelten Ländern führen Beben ähnlicher Stärke zu sehr ungleichen Opferzahlen (man vergleiche etwa das Haiti-Beben mit jenem von Kalifornien 1989). Sie sind sehr selten, doch von den großen Erdbebenkatastrophen seit 1900 forderten jene mit Stärke sieben oder mehr die meisten Toten.

Eine Infografik zu Erdbeben-Gebieten und der Bilanz schwerer Beben können Sie hier herunterladen.

Beben in Gefahrenzonen

Haiti 2010

Stärke: 7,0 / geschätzte Opfer: 200.000

Haiti liegt am Nordrand der Karibischen Platte, die sich mit jährlich 2 Zentimetern relativ zur Nordamerikanischen Platte nach Osten bewegt (Seitenverschiebung). Seit einem vergleichbaren Beben 1751 schien sich der Untergrund verhakt zu haben. Im verheerenden Beben vom 12. Januar, dessen Zentrum in geringer Tiefe lag, entlud sich die aufgestaute Spannung schlagartig. Und traf ein armes Land ohne jeglichen Schutz.

China 2008

Stärke: 7,9 / Opfer: 87587

Beim verheerenden Beben in der Provinz Sichuan entluden sich tektonische Spannungen, die zwischen der Indischen und der Eurasischen Platte entstehen: Indien bewegt sich mit rund 4,5 Zentimetern pro Jahr nach Norden. So wurde über Jahrmillionen der Himalaya aufgetürmt. China traf auch das folgenschwerste Beben des 20. Jahrhunderts: 1976 starben in der Küstenregion um Tangshan nach offiziellen Angaben 255.000 Menschen, andere Schätzungen gehen von mehr als doppelt so vielen Opfern aus.

Indonesien 2004

Stärke: 9,1 / Opfer:

227898 Der Tsunami von Weihnachten 2004 war die zweitschwerste Naturkatastrophe nach 1900, gemessen an der Opferzahl. Ausgelöst wurde er durch ein Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra. Es ereignete sich im Sunda-Graben. Hier taucht die Indo-Australische Platte pro Jahr 5,5 Zentimeter weit unter die Eurasische Platte im Norden (schiefe Subduktion). Mehr als 200 Nachbeben der Stärke 5 und mehr wurden registriert.

Türkei 1999

Stärke: 7,6 / Opfer: 17118

Quer durch die Türkei zieht sich eine mehr als tausend Kilometer lange Linie, an der entlang immer wieder in geringer Tiefe die Erde bebt (Nordanatolische Verwerfungszone). Mit 2,5 Zentimetern pro Jahr schiebt sich hier die Anatolische Platte an der Schwarzmeerplatte entlang nach Westen. Mit den Katastrophen von Düzce und Izmit erreichten die Beben im Jahr 1999 den bisher am weitesten westlich gelegenen Punkt, nur noch 80 Kilometer von Istanbul entfernt. Seismologen fürchten: Das nächste Starkbeben wird der Stadt noch näher kommen.

Kalifornien 1989

Stärke: 6,9 / Opfer: 63

Quer durch Kalifornien verläuft der San-Andreas-Graben. Hier schrammen die Pazifische und die Nordamerikanische Platte 3 Zentimeter pro Jahr aneinander vorbei. Immer wieder verkanten sie sich. Seit 1906 ein Beben der Stärke 8 San Francisco zerstörte (und 3000 Menschen tötete), fürchten die US-Bürger das nächste »Big One«. Beim Beben von Loma Prieta am 17. Oktober 1989 starben zwar »nur« 63 Menschen, doch verursachte es Milliardenschäden an Brücken, Highways und Häusern.

Japan 1995

Stärke: 6,9 / Opfer: 5502

Gleich drei tektonische Platten treffen unter der japanischen Hauptinsel Honshu aufeinander, wobei sich eine unter eine andere schiebt (Subduktion). In nur 300 Kilometern Entfernung ist Tokyo stark bedroht. Das Beben von 1995 verwüstete vor allem die Stadt Kobe westlich davon. Es war das Erdbeben, das bisher weltweit den größten finanziellen Schaden anrichtete: geschätzte 100 Milliarden US-Dollar.

Japan 2011

Stärke 8,9 / Opfer noch nicht bekannt

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Leserkommentare
    • dwerle
    • 20. Januar 2010 14:35 Uhr

    Die Grafik enthaelt bei aller Vereinfachung einen kleinen aber nicht unwichtigen Fehler: der Mittelatlantische Ruecken (am *rechten* Rand der Grafik) sollte mit einer durchgezogenen Linie als 'auseinanderstrebend' ausgewiesen werden, und nicht als 'aufeinanderstossend' wie faelschlich illustriert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Hallo dwerle

    danke für den Hinweis und entschuldigung für den Fehelr. Wir haben ihn nun behoben

    Für alle anderen: in einer frühere Version der Infografik war am oberen rechten Bildrand ein Teil des
    mittelatlantischen Rückens durch eine gestrichelte Linie dargestellt.

    Korrekt wäre aber eine durchgezogene gewesen, da die Kontinentalplatten hier
    auseinanderstreben.

    Grüße aus der Wissen-Redaktion

  1. Redaktion

    Hallo dwerle

    danke für den Hinweis und entschuldigung für den Fehelr. Wir haben ihn nun behoben

    Für alle anderen: in einer frühere Version der Infografik war am oberen rechten Bildrand ein Teil des
    mittelatlantischen Rückens durch eine gestrichelte Linie dargestellt.

    Korrekt wäre aber eine durchgezogene gewesen, da die Kontinentalplatten hier
    auseinanderstreben.

    Grüße aus der Wissen-Redaktion

    Antwort auf "Korrektur"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dwerle
    • 21. Januar 2010 15:00 Uhr

    Hallo, Herr Stockrahm,
    gut, dass Sie den Mittelatlantischen Ruecken "umgepolt" und die Grafik so umgehend berichtigen konnten. (Ob es wohl moeglich waere, die .pdf Datei wieder auf ein Normalmass zu reduzieren? Die neue Datei ist mit ueber 40mb ein bisschen ueppig geraten, waehrend die vorherige eine Groessenordung kleiner war). Danke!
    Dank auch fuer Ihre informative Berichterstattung mit den Satellitenbildern zum verheerenden Erdbeben in Haiti.
    Gruesse aus der Leserschaft,
    Dirk Werle

    • dwerle
    • 21. Januar 2010 15:00 Uhr

    Hallo, Herr Stockrahm,
    gut, dass Sie den Mittelatlantischen Ruecken "umgepolt" und die Grafik so umgehend berichtigen konnten. (Ob es wohl moeglich waere, die .pdf Datei wieder auf ein Normalmass zu reduzieren? Die neue Datei ist mit ueber 40mb ein bisschen ueppig geraten, waehrend die vorherige eine Groessenordung kleiner war). Danke!
    Dank auch fuer Ihre informative Berichterstattung mit den Satellitenbildern zum verheerenden Erdbeben in Haiti.
    Gruesse aus der Leserschaft,
    Dirk Werle

    Antwort auf "Durchgezogene Linie"
  2. Was ist mit dem Beben in Bam/Iran ? Dabei sind doch, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, über 30000 Menschen gestorben vor einigen Jahren?!

  3. An alle Interessierten der Geowissenschaft
    empfehle ich die Website des Geoforschungszentrums Potsdam,
    auf der täglich alle Beben mit einer Magnitude größer 2
    registriert werden:
    http://geofon.gfz-potsdam...

    Grüße

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Meykos
    • 14. März 2011 19:46 Uhr

    Und wer es noch exacter wissen möchte:
    http://qcn.stanford.edu/q...

  4. wir wissen nun soviel und unser Schlaf wird immer unruhiger.
    Vielleicht wachen wieder in einer Erdspalte auf

    • Meykos
    • 14. März 2011 19:46 Uhr

    Und wer es noch exacter wissen möchte:
    http://qcn.stanford.edu/q...

  5. Wenn man liest oder hört, dass auch in Frankreich aktive Erdbebengebiete für den Standort von AKWs herhalten müssen, und das Frankreich für uns Deutsche nicht sonderlich weit entfernt liegt, dann kommt uns das kalte Grausen. La Hague ist übrigens auch ein akuter Erdbebenherd, und hier lassen auch wir unsere Brennstäbe runderneuern. Hoffentlich ist wenigstens das Emsland, wo die Dinger bei uns produziert werden, halbwegs erdbebensicher!?
    Wenn ich dann noch höre, dass in Brasilien ein VERALTETER Reaktortyp gebaut wird, der dann auch noch mit deutschen Geldern überhaupt möglich gemacht wird, die durch Steuergelder "abgesichert" sind, dass eben dieser Reaktor auch noch in einem aktiven Erdbebengebiet entsteht, dann könnte ich heulen. Wie blöd sind deutsche Steuerzahler eigentlich wirklich?

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  • Schlagworte Erdbeben | Naturkatastrophe | Opfer | Tsunami | US-Dollar | China
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